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Umweltbericht der UN:Ein grüner Traum

Dad and child watching beautiful sunset in New Zealand Havelock North, Hawke s Bay, New Zealand ,model released, Symbolf

Der Mensch solle sein Verhältnis zur Natur überdenken, schreibt die UN-Umweltbehörde.

(Foto: imago images/Cavan Images)

Die UN-Umweltbehörde Unep fordert, die Natur nicht weiter auszubeuten, sondern Frieden mit ihr zu schließen. Auch um Gefahren neuer Seuchen wie Covid-19 vorzubeugen.

Von Thomas Hummel

Es ist ein Appell an die Menschheit: "Making peace with nature" - Frieden schließen mit der Natur. So überschreibt das Umweltprogramm der Vereinen Nationen Unep den Bericht zum Zustand der Welt, er soll eine Blaupause sein, wie der Planet noch zu retten sei. Nämlich durch eine Art grüne Revolution mit teils tiefgreifenden Veränderungen in Wirtschaft, Finanzsystemen, Staatssubventionen und Gesellschaft.

Die Unep stellt fest, dass die Probleme der Klimakrise, des Artensterbens und der Umweltverschmutzung nur gemeinsam angegangen und gelöst werden können. UN-Generalsekretär António Guterres erklärt, "dass unser Krieg gegen die Natur den Planeten kaputt gemacht hat". Im Zentrum der Problemanalyse stehen kolossale Zahlen: In den vergangenen 50 Jahren ist die Weltwirtschaft um das Fünffache gewachsen, was vor allem auf einer Verdreifachung des Abbaus von natürlichen Ressourcen beruht. Die Weltbevölkerung hat sich auf 7,8 Milliarden Menschen verdoppelt. ­­­­Aufgrund des Ausstoßes von Kohlendioxid befindet sich die Welt auf dem Pfad Richtung drei Grad Erderwärmung bis zum Jahr 2100, was katastrophale Folgen hätte. Allein in den vergangenen zehn Jahren habe sich das Abfallaufkommen pro Kopf verdoppelt. "Abholzung und Überfischung gehen weiter, und eine Million Pflanzen- und Tierarten sind vom Aussterben bedroht", schreibt Unep.

Da die Spezies Mensch Teil der Umwelt ist, steigt unter diesen Bedingungen auch für sie die Gesundheitsgefahr. Etwa ein Viertel der globalen Krankheiten gingen auf umweltbedingte Risiken zurück, darunter durch Tiere übertragene Erreger wie Sars-CoV-2. "Die Corona-Krise hat gezeigt, wie sehr die Gesundheit von Mensch und Natur miteinander verwoben ist", sagt Unep-Direktorin Inger Andersen. Sie unterstreicht die Notwendigkeit, die Natur anders als bisher zu betrachten und wertzuschätzen.

Naturkapital als Teil der Wirtschaftsbilanzen?

Der UN-Bericht versucht, im Vorfeld der fünften UN-Umweltversammlung kommende Woche in Nairobi aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zusammenzuführen und Lösungswege aufzuzeigen. "Er führt uns zu einem sichereren Ort, indem er einen Friedensplan und ein Wiederaufbauprogramm liefert", wie Guterres erklärt. Die Unep präsentiert vielfältige Möglichkeiten, wie das übermäßige Ausbeuten des Planeten beendet werden könnte. Unerwartet neue Ansätze sind dabei nicht zu finden, allein die Dringlichkeit der Umsetzung steige von Jahr zu Jahr an.

Regierungen sollten das sogenannte Naturkapital in die Berechnungen der Wirtschaftsleistung einfließen lassen. Die Natur steht demnach nicht mehr als passives Gut den Menschen kostenlos zur Verfügung, sondern ihre Nutzung oder Zerstörung geht in die Kostenbilanz ein. Etwa durch einen Preis für den Ausstoß von Kohlendioxid, wie ihn Deutschland in diesem Jahr eingeführt hat. Zudem sollten öffentliche Subventionen von fossilen Brennstoffen abgezogen und naturfreundlichen Techniken zugeführt werden. Die Finanzwirtschaft sollte Kreditvergaben zur Ausbeutung von Kohle, Gas und Öl stoppen. Unternehmen sollten Abfall vermeiden, indem sie die Kreislaufwirtschaft fördern.

Alle können und müssen etwas tun, heißt es. Auch Einzelpersonen, indem sie ihre Beziehung zur Natur überdenken, weniger Ressourcen verbrauchen, weniger Lebensmittel verschwenden. "Indem wir die Art und Weise, wie wir die Natur betrachten, verändern, können wir ihren wahren Wert erkennen", sagt Antonio Guterres. Nämlich als unverzichtbaren Verbündeten des Menschen. Es klingt wie ein grüner Traum.

© SZ
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