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UN-Konferenz Rio+20:Absichten gut, Lage schlecht

Sieben Milliarden Menschen gibt es mittlerweile auf der Welt, sie alle wollen ein gutes Leben. Doch wie soll das gehen? Wahrscheinlich gibt es im 21. Jahrhundert keine Frage, die wichtiger ist - auch nicht die Lösung all der Schulden-, Finanz- und Wirtschaftskrisen. In Rio treffen sich nun Politiker und Fachleute, um gegen die Zerstörung der Welt zu kämpfen. Kanzlerin Merkel ist nicht dabei.

Rio war einmalig. Eine Konferenz, 1992, wenige Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges, mit Staatsführern aus aller Welt. "Das war eine heiße Mischung damals", sagt Barbara Unmüßig, die für deutsche Umweltgruppen die Konferenz verfolgte. "Viele von uns dachten, jetzt können wir wirklich etwas gestalten."

Was haben wir seit Rio 1992 geschafft? Klicken Sie auf die Grafik, um zu sehen, wo die Umweltpolitik gescheitert ist und die Entwicklungspolitik erfolgreich war.

Rio 1992, das war eine Konferenz, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte. 178 Länder, mehr als 100 Staats- und Regierungschefs, allein 10.000 Journalisten aus aller Welt - so sehen Aufbrüche aus. Noch 20 Jahre vorher war eine ähnliche Konferenz in Stockholm ohne große Fortschritte zu Ende gegangen. Ostblock-Staaten boykottierten sie, weil man sich nicht auf den Status der DDR hatte einigen können, China nutzte die Bühne zur Abrechnung mit dem Kapitalismus.

1992 war das anders. Alle, so schien es, hatten ähnliche Interessen, die Industrielobby war noch nicht annähernd so professionell organisiert wie heute. "Aber am Ende ist der Geist dann wieder in der Flasche verschwunden", sagt Unmüßig.

Von diesem Mittwoch an unternehmen die Staaten einen neuen Anlauf, wieder in Rio. Genau 20 Jahre nach jenem legendären Gipfel von einst kommen sie wieder in Brasilien zusammen, diesmal soll es vor allem um die Umsetzung der hehren Ziele von damals gehen. 20 Jahre nach der ersten Rio-Konferenz ist das ja auch keine schlechte Idee.

Dabei ist schon die Bilanz dieser zwei Dekaden eher durchwachsen. Die Erderwärmung etwa war schon 1992 ein großes Thema, in Rio vereinbarten die Staaten die Klimarahmenkonvention. Sie sollte die Basis sein für ganz neue Vereinbarungen im Kampf gegen zunehmende Treibhausgas-Emissionen. Die aber wachsen wie eh und je, 2010 erreichten sie einen neuen Rekordwert. Zwar stellten Industrieländer das Kyoto-Protokoll auf die Beine, es umfasste aber zuletzt nur noch ein Drittel der globalen Emissionen.

Weltpolitisches Desaster nach vertrautem Muster

Bis 2015 soll nun ein neues Abkommen ausgehandelt werden, gültig von 2020 an. Das wäre, wenn es denn gelingt, 28 Jahre nach dem Aufbruch von Rio. Der letzte Versuch dazu, die Klimakonferenz in Kopenhagen 2009, endete in einem weltpolitischen Desaster nach einem vertrauten Muster: Denn seit den ersten Umweltkonferenzen besteht zwar Einigkeit darüber, dass sich gewisse Probleme nur von allen Staaten gemeinsam lösen lassen. Wer aber welchen Beitrag zu leisten hat, wie verbindlich solche Vereinbarungen am Ende sein sollen, darüber herrscht seit jeher Streit.

Der Artenschutz macht da keine Ausnahme. Auch ihn bedachten die Staatenlenker 1992 in Rio mit einer eigenen Konvention zur sogenannten Biodiversität. Zwar gab es hier in den letzten Jahren tatsächlich so etwas wie Fortschritte, doch die Vielfalt schwindet. So verzeichnete der jüngste Living-Planet-Index der Umweltstiftung WWF zwischen 1970 und 2008 einen Rückgang der Artenvielfalt um 30 Prozent, in den Tropen sogar um 70 Prozent.

Ähnlich sieht es bei den tropischen Regenwäldern aus: Das Bewusstsein ist gewachsen, doch der Wald schwindet; womöglich bald auch noch unterstützt durch neue Gesetze in Brasilien, die es mit Waldbesitzern besser meinen als mit den Wäldern. In den Weltmeeren sollen nach dem Willen der Staatengemeinschaft bis 2020 Schutzgebiete entstehen, die ein Zehntel der Meeresfläche ausmachen. Doch acht Jahre vorher sind es gerade einmal 1,5 Prozent.