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Umweltverschmutzung:Lago di Plastica

Riva del Garda

Riva del Garda am Gardasee - das Gewässer ist stark mit Plastikmüll belastet

(Foto: dpa)

Nicht nur die Weltmeere leiden unter zunehmender Verschmutzung. Auch der Gardasee ist zum Beispiel stark mit Kunststoffpartikeln belastet. Der Dreck stammt von Verpackungen und anderen Konsumgütern.

Der Gardasee im Norden Italiens ist überraschend stark mit Plastikpartikeln verschmutzt. Besonders die Strände am Nordende des Sees enthalten viele Kunststoffteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind.

Die Verschmutzung erreiche dort in etwa das Ausmaß, das von vielen Meeresstränden bekannt sei, berichten Biologen um Christian Laforsch von der Universität Bayreuth und Natalia Ivleva von der TU München (Current Biology, S. R867, 2013). Die Wissenschaftler waren selbst überrascht vom Ausmaß der Belastung.

Schließlich befindet sich der Gardasee am südlichen Rand der Alpen; die Zuflüsse legen also nur kurze Strecken zurück, bevor sie den See erreichen, und durchqueren auch keine großen Industriegebiete.

Wasserfloh

Ein Wasserfloh aus dem Gardasee hat mikroskopisch kleine Plastikpartikel aufgenommen, die im rechten Bild unter speziellem Licht im Verdauungssystem des Tieres leuchten

(Foto: Current Biology, Imhof et al.)

Die Biologen nahmen an zwei Stellen im Uferbereich des Gardasees Sedimentproben - am Nordende nahe Riva del Garda sowie am Südende des Binnengewässers. In den Proben aus dem Norden entdeckten die Forscher etwa zehnmal so viele Mikroplastikpartikel wie in jenen aus dem südlichen Uferbereich.

Wahrscheinlich liegt das an den für den Gardasee charakteristischen Winden, deretwegen das Gewässer bei Wind- und Kitesurfern so beliebt ist. Von den Mittagsstunden bis zum frühen Abend bläst dort der "Ora" genannte Wind aus südwestlicher Richtung - treibt also den Plastikmüll nach Norden.

Plastikmüll im Gardasee

Plastikmüll wird im Wasser des Gardasees zu kleinen Partikeln zerschreddert, die zum Beispiel über Wasserflöhe in die Nahrungskette gelangen.

(Foto: dpa)

Die Konzentration von Plastikmüll an wenigen Stellen des Ufers sei nicht ungewöhnlich, argumentieren die Autoren der Studie. So habe eine Studie über die Plastikbelastung des Huronsees ein vergleichbares Ergebnis ergeben: Dort sammelten sich 94 Prozent der beobachteten Plastikpartikel an einem einzigen Uferabschnitt des Sees, der zwischen den USA und Kanada liegt.

Die winzigen Plastikpartikel im Gardasee stammen vor allem von Verpackungen und anderen Konsumgütern. Sie werden direkt in den See geworfen oder gelangen aus Mülldeponien in das Gewässer.

Der Wellengang und die Strömung zerschreddern den Plastikmüll mit der Zeit zu winzigen Partikeln. Das verschärft das Problem erheblich. Je kleiner die Kunststoffteile nämlich sind, desto eher geraten sie in die Nahrungskette - und damit auch auf den Teller des Menschen. Die Biologen um Laforsch und Ivleva zeigten, dass Wasserflöhe, Würmer, Schnecken, Muscheln und andere winzige Wasserwesen Plastikpartikel aufnehmen. Diese Tiere dienen wiederum Fischen als Nahrung.

Die Belastung von Ökosystemen durch Plastikmüll hat längst gigantische Ausmaße angenommen. In den Meeren sammelt sich der Abfall in Gebieten wie etwa dem pazifischen Müllstrudel, in dem laut Schätzungen etwa 100 Millionen Tonnen Kunststoff treiben. Da die Plastikteile in den Gewässern aber mit der Zeit in kleine Partikel zerrieben werden, könnte das wahre Ausmaß der Verschmutzung deutlich größer sein.

Müll im Gardasee

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Plastikpartikeln aus dem Gardasee

(Foto: Current Biology, Imhof et al.)