Umweltverschmutzung Donau spült täglich vier Tonnen Plastik ins Schwarze Meer

Mehr Plastikpartikel als Fischlarven: Einer aktuellen Untersuchung zufolge ist die Donau viel stärker verschmutzt als bislang angenommen.

Aus der Industrie gelangen kleine Pellets, Kügelchen und Flocken aus buntem Kunststoff gelangen in den Wasserkreislauf. Dort kann dieser Plastikmüll erheblichen Schaden anrichten, wenn Fische ihn zum Beispiel für Beute halten und fressen. In der Donau treiben zumindest an einigen Stellen sogar mehr Plastikpartikel als Fischlarven. Das hat eine aktuelle Studie ergeben.

Der Fluss sei deutlich stärker mit Plastikmüll verschmutzt als bisher angenommen, berichten Wiener Forscher im Fachjournal Environmental Pollution über eine Untersuchung der Uferbereiche zwischen Wien und Bratislava. Nach einer Hochrechnung spült die Donau täglich etwa 4,2 Tonnen Plastikmüll ins Schwarze Meer.

Im zweitgrößten Fluss Europas finden sich nach Schätzung der Umweltforscher um Hubert Keckeis von der Universität Wien im Schnitt 317 Plastikpartikel und nur 275 Fischlarven je 1000 Kubikmeter Wasser. Fischlarven kommen auf eine Größe von fünf bis 15 Millimeter, die Plastikpartikel sind der Studie zufolge maximal zehn Millimeter groß. "Die Ergebnisse haben uns sehr überrascht", sagte Autor Aaron Lechner.

Der Grad der Verschmutzung könne auch auf andere Gewässer umgelegt werden. "Die Vermutung liegt natürlich sehr nahe, dass es sich dabei um ein globales Problem handelt", sagt Lechner. Weltweit werden jährlich mehr als 200 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Davon landen verschiedenen Schätzungen zufolge sechs bis 26 Millionen Tonnen im Meer. Der weitaus größte Teil des Plastikmüll - 70 Prozent - sinkt demnach auf den Meeresboden.

Die Wiener Forscher untersuchten die Donau zwischen 2010 und 2012. Im Fokus sollte eigentlich die Verbreitung von Fischlarven stehen. Bei etwa 80 Prozent des Mülls handelt es sich der Studie zufolge um industrielles Rohmaterial. Der Rest stamme vermutlich aus kommunalem Abfall. Die Gefahr für Fische besteht darin, dass sie die kleinen Plastikteilchen mit Nahrung wie Insektenlarven oder Fischeiern verwechseln. Das kann bei den Tieren zu vorgetäuschtem Sättigungsgefühl, Verletzungen des Darms und letztlich auch zum Tod führen. Wenn die Schadstoffe aus den Plastikteilen in die Nahrungskette gelangen, finden sie auch den Weg in den menschlichen Körper.