Umwelttechnik "Viel wichtiger ist es, die Emissionen drastisch zu senken"

Doch Climeworks sieht vor, das Kohlendioxid anders zu verwenden, etwa für die Produktion von Treibstoffen. Dazu kooperiert das Unternehmen mit der Firma Sunfire aus Dresden. In einer Demonstrationsanlage setzt Sunfire Wasser per Elektrolyse unter Strom, sodass sich Sauerstoff und Wasserstoff trennen. Aus Wasserstoff und Kohlendioxid wird dann ein synthetisches Erdöl hergestellt, das sich zu Benzin-, Diesel- oder Kerosinersatz weiterverarbeiten lässt. Wenn die Elektrolyse mit Ökostrom betrieben wird, sind solche Treibstoffe klimaneutral; bei ihrer Verbrennung wird so viel CO₂ frei, wie zur Herstellung verwendet wurde.

"Wird das Kohlendioxid aus der Atmosphäre genutzt, um künstliche Kraftstoffe herzustellen, trägt das zum Klimaschutz bei. Es führt aber nicht unbedingt zu negativen Emissionen", kommentiert Klimaforscherin Fuss. "Dazu muss man das Kohlendioxid dauerhaft aus dem gesamten Kreislauf entfernen." Das abgeschiedene CO₂ müsste in den Untergrund gepresst werden, etwa in ausgediente Erdgaslagerstätten, um es unwirksam zu machen.

Noch ist die Technologie teuer und unrentabel

Stefan Schäfer vom Institute for Advanced Sustainability Studies in Potsdam sieht Ansätze für negative Emissionen grundsätzlich skeptisch. "Die Technologie eignet sich nicht, um CO₂ in Mengen aus der Atmosphäre zu entfernen, die nötig wären, um die Erderwärmung deutlich zu verlangsamen", sagt der Klimaforscher. Schäfer hält es generell für gefährlich, sich bei der Eindämmung des Klimawandels auf negative Emissionen zu verlassen; sei es mit dem Climeworks-Konzept oder mit großflächiger Aufforstung. "Viel wichtiger ist es, die Emissionen drastisch zu senken sowie Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu finanzieren."

Hinzu kommt: Bislang gibt es noch kein Geschäftsmodell, das die CO₂-Entfernung profitabel macht. Wer würde für die negativen Emissionen bezahlen? Und die Climeworks-Technologie ist teuer: Rund 500 bis 600 Euro soll es kosten, mit der Anlage in Hinwil eine Tonne Kohlendioxid aus der Luft zu filtern. Wirtschaftlich lohnend ist das nicht; die Chemieindustrie verkauft CO₂ weit günstiger.

Climeworks-Gründer Gebald will die Kosten mit mehr Automatisierung und Effizienz in Fertigung und Betrieb auf 200 bis 300 Euro reduzieren. Mit einer Weiterentwicklung des Filtermaterials könnten sie nochmals fallen, auf rund 100 Euro. Doch das ist immer noch ein Vielfaches dessen, was der Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid heute kostet: Der Preis für EU-Emissionszertifikate liegt derzeit bei nicht einmal fünf Euro. Gebald setzt jedoch darauf, dass CO₂-Ausstoß mittelfristig so teuer wird, dass sich negative Emissionen rechnen. "Wir wollen mit Geschäftsfeldern wie der Verwendung von CO₂ in der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie oder der Produktion von Treibstoffen eine Brücke zu dem Punkt schlagen, bis es sich rentiert, Kohlendioxid aus der Luft dauerhaft zu speichern", sagt er.

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