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Umweltschutz:Weiter so!

Na also, es geht doch: Klare Luft, saubere Flüsse, blühende Landschaften: Der Mensch kann die Umwelt nicht nur zerstören, sondern auch schützen - die größten Öko-Erfolge.

Hanno Charisius

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Herbstlicher Nebel in der Sächsischen Schweiz

Quelle: dpa

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Zwei von drei Ökosystemen auf der Erde sind beschädigt. Anders gesagt: Nur ein Drittel der Erde ist noch halbwegs intakt. Wäre dieser Planet ein Lebewesen, er hätte kaum Überlebenschancen. Die Zahlen stammen von der Umweltbehörde der Vereinten Nationen (Unep). Globale Umweltprobleme wie der Klimawandel werden bald die letzten Refugien zerstören. Niemand kann vorhersagen, was passiert, wenn der Permafrostboden in Sibirien und Nordamerika auftaut. Kein Mensch weiß, wie die Weltmeere auf steigende Temperaturen reagieren. Doch neben den Untergangsszenarien gibt es auch erfreuliche Botschaften.

Die Umweltprobendatenbank des Bundes dokumentiert, dass seit Jahren die Konzentration vieler Giftstoffe im menschlichen Blut sinkt. Die Luft in Europa ist seit den 1970er-Jahren viel besser geworden, auch die Feinstaubbelastung sank. Zumindest in Europa wächst die Müllmenge seit Jahren nicht mehr. Das Ozonloch wächst nicht mehr. Menschen können wieder in der Isar baden, ohne ihre Gesundheit zu gefährden; im Rhein schwimmen wieder Lachse.

Die Beispiele zumindest partiell erfolgreichen Umweltschutzes sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Zustand der Erde heute kritischer ist denn je. Die Zahl der ungelösten Probleme ist länger als die der Erfolge. Besonders gut gelingt Umweltschutz, wenn es eine einfache technische Lösung gibt. Das zeigte sich beim Kampf gegen das Ozonloch: Die Ursache - Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) - war rasch erkannt und Abhilfe gab es dank der Erfindung FCKW-freier Kühlanlagen und Treibmittel.

Schwer hat es der Umweltschutz immer dann, wenn der Mensch sein Verhalten ändern muss. Etwa wenn es darum geht, den Treibhausgasausstoß zu senken oder die Überfischung der Meere zu stoppen.

Die folgende Liste zeigt, wo der Umweltschutz schon Erfolge aufzuweisen hat.

(Im Bild: Das Wasser in neun von zehn Flüssen in Deutschland hat wieder Badequalität. Auch die einst stark verschmutzte Elbe - hier auf Höhe der Sächsischen Schweiz - hat sich wieder erholt.)

KLÄRANLAGE STUTTGART-MÜHLHAUSEN

Quelle: dpa

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Kläranlagenpflicht

Es ist kaum zu glauben, dass Millionenmetropolen in Europa noch bis vor zehn Jahren ihr Abwasser ungeklärt in die Flüsse pumpen durften. In Brüssel gab es noch im Jahr 2000 kein anständiges Klärwerk. Dabei besiegelte die EU dort im Jahr 1991 die Richtlinie 91/271/EWG, die regelt, von welcher Siedlungsgröße an in Zukunft welche Abwasseraufbereitung einzusetzen ist. Erst die neue Abwasserrichtlinie aus dem Jahr 2000 dürfte genügend Druck auf die Stadt ausgeübt haben: Sie setzt klare Grenzwerte für Reststoffe im Abwasser, die bis zum Jahr 2015 einzuhalten sind, sonst drohen Strafen. Umweltschützer sehen in der Umsetzung der neuen Abwasserrichtlinie einen der größten Erfolge für den europäischen Umweltschutz. So schwimmen wieder Fische in einst vergifteten Flüssen wie dem Rhein, auch die Elbe hat sich erholt.

Im jüngsten Bericht der Europäischen Umweltagentur kommt die Behörde zu dem Ergebnis, dass 96 Prozent der Badegebiete am Meer und neun von zehn Flüssen Badequalität haben. Vor 20 Jahren eigneten sich nur 80 Prozent der Meeresstrände und nur jeder zweite Fluss in Europa zum Baden. Trotz aller Bemühungen transportiert der Rhein aber auch heute noch Schwermetalle und Chemikalien wie Pestizide in Richtung Nordsee und belastet damit nicht nur die Umwelt, sondern auch das Trinkwasser der Rheinanlieger. Einträge von phosphathaltigen Düngemitteln aus der Landwirtschaft gelten noch immer als zu hoch, und insbesondere in einigen südeuropäischen Ländern gibt es noch immer große Lücken in der Abwasserreinigung.

Pflicht zur Kennzeichnung von Waschmittel-Inhalten wird erweitert

Quelle: ddp

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Phosphatfreie Waschmittel

Phosphat ist ein lebenswichtiger Stoff für alle Organismen auf dem Planeten. Er ist wichtiger Bestandteil des Erbmoleküls DNS. An ein kleines Molekül namens ATP gebunden ist er einer der wichtigsten Energielieferanten in jeder Zelle. In der Natur ist Phosphat allerdings Mangelware. Der Stoff ist rar verteilt in der Erdkruste. Aber nicht nur der Mangel an Phosphat ist ein Problem, sondern auch ein Übermaß bringt Ökosysteme durcheinander. Seit Mitte der 1950er-Jahre ist Phosphat für die Überdüngung der Binnengewässer verantwortlich. In Waschmitteln diente es als Hilfsstoff, um die Waschleistung zu verbessern.

Über unzureichende Kläranlagen gelangten große Mengen in die Binnengewässer und wurden zum Dünger für Algen. Sie vermehrten sich explosionsartig und raubten den Gewässern den Sauerstoff. Ende der 1960er-Jahre stand der Bodensee kurz davor, zu einer leblosen Brühe umzukippen. In den 1980er-Jahren wurden die Hersteller durch die Phosphathöchstmengenverordnung gezwungen, den Phosphatanteil ihrer Waschmittel zu reduzieren.

Seit etwa 20 Jahren gibt es keine phosphathaltigen Waschmittel mehr auf dem Markt. Die meisten Seen und Flüsse haben sich seither erholt. Ein Problem bleibt weiterhin der Phosphat-Eintrag aus der Landwirtschaft, wie die aktuellen Algenteppiche zeigen.

Europas Endspurt vor der Weltklimakonferenz

Quelle: dpa

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Filter für Fabriken

Wie wirkungsvoll eine technische Maßnahme sein kann, zeigte die Einführung von Abgasentschwefelungsanlagen bei Kohle- und Gaskraftwerken sowie Müllverbrennungsanlagen Ende der 1970er-Jahre. Bis 2005 sanken die Schwefeldioxid-Emissionen in Deutschland um 93 Prozent, europaweit um 70 Prozent.

Der "saure Regen", der in den 1980er-Jahren für das Waldsterben verantwortlich gemacht worden war, ist so in Deutschland selten geworden. Die Reduktion der Stickoxid-Emissionen ließ auch die Konzentration von bodennahem Ozon sinken. So muss im Sommer seltener Ozon-Alarm ausgelöst werden.

Die Stickstoff-Emissionen sanken jedoch nicht so stark wie der Schwefel. So nimmt heute der Stickstoff Rang eins unter den zur Versauerung führenden Luftschadstoffen ein. Landwirtschaft und Verkehr sind Hauptquellen der Stickstoffverschmutzung. Neue Grenzwerte senkten auch die Emissionen von Dioxinen seit 1990 drastisch.

Dennoch gelangt nach Auffassung von Experten noch immer zu viel Dioxin in die Umwelt. Dort reichert sich das Gift an und gelangt in die Nahrungskette des Menschen. Nicht nur veraltete Kraftwerke in ärmeren Ländern sind Grund für die Emissionen, auch die illegale Verbrennung von Hausmüll vergiftet die Umwelt mit Dioxin. Nach Schätzungen des Schweizer Bundesamts für Umwelt belastet die wilde Verbrennung von einem Kilogramm Abfall die Umwelt so stark wie die Entsorgung von zehn Tonnen in einer modernen Müllverbrennungsanlage.

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Quelle: AP

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Bleifreies Benzin

Seit dem Jahr 2000 ist verbleites Benzin in der EU verboten. Deutschland machte sich bereits 1988 daran, das Blei zu ersetzen, das dem Treibstoff zugesetzt wurde, um die Leistung der Motoren zu erhöhen. Der Erfolg ist messbar: Mitte der 1970er-Jahre lag die Bleikonzentration im Blut der Deutschen noch über 140 Mikrogramm je Liter. Inzwischen ist die Belastung auf unter 50 Mikrogramm gesunken. Ab 100 Mikrogramm rechnen Experten mit Gesundheitsrisiken, etwa Nervenschäden. Das sich entwickelnde Nervensystem von Kindern reagiert besonders empfindlich auf Blei.

In Deutschland geht die größte Bleigefahr von alten Trinkwasserleitungen aus, die noch in manchen Altbauten verlegt sind. Daneben fordert die Umweltschutzorganisation BUND, dass Jäger mit bleifreier Munition schießen sollen. In Entwicklungsländern, in denen Kleinfahrzeuge oft noch mit bleihaltigem Zweitaktergemisch betankt werden, steht es weit schlechter um die Bleiwerte im Blut. Das aus den Auspuffen geblasene Blei wird von Pflanzen und Landlebewesen relativ rasch abgebaut. Meerestiere weisen oft aber noch immer erhöhte Werte auf, weil Schwebstoffe und Sedimente im Meer wie ein Langzeitspeicher wirken. Bleifreier Kraftstoff war eine notwendige Voraussetzung für die Einführung des Katalysators in PKW.

Neue Abgasnorm Euro 5

Quelle: ddp

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Katalysatoren

Seit in Europa Fabriken und Müllverbrennungsanlagen mit Filtern ausgestattet worden sind, trägt der Straßenverkehr am meisten zur Luftverschmutzung bei. Zum Glück hat die flächige Verbreitung des Katalysators seit Mitte der 1980er-Jahre die Luftqualität besonders in Ballungsräumen verbessert. Um die heutigen Werte ohne moderne Katalysatortechnik zu erreichen, müsste man die Fahrleistung der deutschen Fahrzeuge um 75 Prozent reduzieren. Katalysatoren reinigen Fahrzeugabgase, indem sie die giftigen Verbrennungsprodukte Kohlenwasserstoff, Kohlenmonoxid und Stickoxide in ungiftige Verbindungen wie Kohlendioxid, Wasser und Stickstoff verwandeln.

Neben den Katalysatoren zwangen neue Grenzwerte die Motorenbauer dazu, die Abgaswerte der Maschinen zu verbessern. Der Beitrag zur Luftverschmutzung durch Flugzeuge, die noch mit verbleitem Benzin fliegen, und durch Schiffe lässt sich nicht exakt beziffern, wird aber von Experten als sehr hoch eingeschätzt. Dank des geringeren Stickoxidausstoßes aus Autos mit Katalysatoren ist die Konzentration von chemischen Vorstufen des gefährlichen bodennahen Ozons zwischen 1990 und 2007 um 39 Prozent gefallen.

INSEKTENGIFT IN NEPAL

Quelle: DPA

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DDT-Verbot

Ein Buch brachte den Protest gegen Dichlor-Diphenyl-Trichlorethan (DDT) ins Rollen. "Der stumme Frühling", 1962 veröffentlicht von der amerikanischen Biologin Rachel Carson, gilt noch heute als Auslöser der weltweiten Umweltschutzbewegung. Die Autorin zeigt, welche Risiken der Großeinsatz von Pestiziden für die Umwelt und den Menschen birgt. DDT galt bis dahin als sicher für Menschen und Tiere und wurde aus diesem Grund breit gegen Insekten eingesetzt. Rasch zeigte sich jedoch, dass der Stoff hormonähnliche Wirkung hat, was zum Beispiel zu erheblichen Bestandseinbrüchen bei Vögeln führte. Bald stand DDT auch unter dem Verdacht, Krebs beim Menschen auszulösen. Weil es sich kaum zersetzt, reichert sich das Gift in der Umwelt an und gelangt in die Nahrungskette von Mensch und Tier.

Um dem ein Ende zu setzen, wurde DDT schon seit den 1970er-Jahren in vielen Ländern der westlichen Welt verboten. Seit Inkrafttreten der "Stockholmer Konvention" im Frühjahr 2004 ist die Herstellung und Verwendung von DDT nur noch zur Bekämpfung von krankheitsübertragenden Insekten wie der Malariamücke zulässig. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen Unep schätzte 2005 die Weltjahresproduktion auf 6269 Tonnen. In den 1960er-Jahren lag die weltweite Produktion noch über 100.000 Tonnen. 2008 hatten 15 Staaten den Gebrauch von DDT bei der Weltgesundheitsorganisation WHO angezeigt. Vermutlich liegt die Zahl jedoch höher. Die WHO schätzt, dass die Produktion in Zukunft wieder steigen könnte, da sich das Mittel als sehr effektiv gegen die Ausbreitung der Malaria erwiesen hat.

(Im Bild: Greenpeace-Protest gegen DDT in Nepal.)

MV OELBEKAEMPFUNG

Quelle: AP

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Verklappungsverbot

Aus heutiger Sicht wirkt die bis zu den 1990er-Jahren gängige Praxis, giftigen Müll einfach im Meer zu versenken, wie eine surreale Endzeitphantasie. Tatsächlich aber war es der normale Entsorgungsweg etwa für Dünnsäure, die bei der Farbstoffproduktion anfiel. Auch Schwerölrückstände aus ihren Tanks ließen Schiffe damals noch legal über Bord. Flüssiger Atommüll wurde jahrelang ebenfalls auf diese Weise entsorgt, bis 1993 weltweit ein Verbot in Kraft trat, das auch die Versenkung von Industrieabfällen und die Müllverbrennung auf hoher See einschloss.

(Im Bild: Reinigungsarbeiten an der deutschen Küste, nachdem ein Schiff offenbar Öl verklappt hat.)

Spruehdosen liegen im Mauerpark

Quelle: ddp

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Ersatz für FCKW

Mitte der 1980er-Jahre konnte die Menschheit endgültig nicht mehr die Augen vor der Tatsache verschließen, dass die vor UV-Licht schützende Ozonschicht der Erdatmosphäre löcherig geworden war. Neue Messdaten zeigten, dass die Ozonkonzentration über der Antarktis von 1975 bis 1985 um 40 Prozent gesunken war. Auch der Schuldige war zu diesem Zeitpunkt bereits erkannt: Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), die als Kühlmittel in Kühlschränken und Klimaanlagen oder Treibgase in Sprühdosen dienten.

Normalerweise wirkt Ozon wie ein natürlicher Sonnenschutz. Das Gas absorbiert in 15 bis 25 Kilometern Höhe mehr als 90Prozent der schädlichen UV-B-Strahlung. Nimmt die Ozonkonzentration in der Stratosphäre um zehn Prozent ab, steigt die UV-B-Belastung am Boden um die Hälfte. Im September1987 unterzeichneten 47 Staaten das "Protokoll von Montreal", in dem sie festgelegt hatten, dass fünf besonders gefährliche Fluorchlorkohlenwasserstoffe spätestens ab 1996 nicht mehr produziert und eingesetzt werden durften. Heute haben 196 Staaten dem Vertrag zugestimmt, den der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan als das "vielleicht erfolgreichste internationale Abkommen aller Zeiten" bezeichnet hat. Die UN rechnet damit, dass sich dass Ozonloch bis 2050 wieder geschlossen haben wird.

Brazilian mine workers work in Ouro Verde gold mine in Amazon jungle

Quelle: Reuters

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UN plant Quecksilberverbot

Wie schwierig es ist, selbst einen hochgiftigen Stoff zu verbieten, zeigt das Beispiel Quecksilber. Sieben Jahre dauerten die Verhandlungen zwischen den Ländervertretern, bis sie sich im Januar 2009 endlich auf ein Verbot einigen konnten, das zwei Jahre später in Kraft treten sollte. Ganz so schnell wird es dann doch nicht gehen. Erst im Juni wurde bei einem Expertentreffen in Stockholm festgestellt, dass die Verhandlungen unter der Leitung des Unep wahrscheinlich erst im Jahr 2013 zu einer weltweit verbindlichen Regelung führen werden. Der Austausch von Quecksilber durch weniger gefährliche Stoffe soll nach einer Prioritätenliste abgewickelt werden. Ganz oben stehen dabei die Goldgewinnung, die Kohleverfeuerung, die Chlor- und die Alkaliherstellung.

Manche Länder haben bereits auf eigene Faust ein weitgehendes Quecksilberverbot durchgesetzt: In Schweden und Norwegen sind inzwischen sogar quecksilberhaltige Zahnfüllungen aus Amalgam verboten. Das Gift kann bereits in geringer Konzentration Leber, Lunge und Gehirn schädigen. Ungeborene Kinder reagieren besonders empfindlich, wenn ihre Mutter belastete Nahrung zu sich nimmt oder Dämpfe einatmet. Weil sich Quecksilber im Fettgewebe von Fischen sammelt und sich über die Nahrungskette anreichert, rät die amerikanische Gesundheitsbehörde Schwangeren inzwischen vom Verzehr mancher großer Speisefische ab.

(Im Bild: Goldgräber in in einer Mine in Ouro Verde im brasilianischen Amazonasdschungel. Bei der Goldgewinnung wird noch immer Quecksilber eingesetzt.)

Jutetasche

Quelle: dpa

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Jute statt Plastik

Die weiße Pest hängt in den Zweigen von Bäumen, sie verstopft Abwasserleitungen in Großstädten und treibt im Meer. Drei Milliarden Plastiktüten, so eine inoffizielle Schätzung, verbrauchten allein die Chinesen im Jahr 2008 jeden Tag. Plastiktüten sind von Beginn bis zum Ende ihres bis zu 500 Jahre langen Lebens ein Problem: Sie werden aus Erdöl hergestellt und sie verrotten nicht in der Umwelt. Es kann ein halbes Jahrtausend dauern, bis die Sonne sie zersetzt hat. Für sich genommen ist die Plastiktüte noch kein Problem, wenn der Mensch sie nur nicht in so großen Mengen brauchen und so achtlos behandeln würde.

In den Weltmeeren treiben gigantische Müllhalden aus Plastik. Mindestens 80 Prozent des Treibguts stammen vom Land, schätzt die Plastik-Lobby-Organisation PlasticsEurope. Vom Menschen fallen gelassen, vom Winde verweht, enden die Tüten im Meer mit Folgen, die noch nicht abzuschätzen sind. Niemand weiß, was passiert, wenn sich die Müllmassen irgendwann zersetzen. Viele Länder haben den Plastiktüten daher den Kampf angesagt. In Bangladesch sind sie bereits seit dem Jahr 2000 verboten. In China dürfen die leichten Hüllen seit 2008 nicht mehr verschenkt, sondern nur noch verkauft werden. Die Bevölkerung wird aufgefordert, Stofftaschen zu verwenden und Plastiktüten wieder zu verwerten. In Tansania sind Kunststofftüten verboten, in manchen Regionen drohen sechs Monate Haft oder 200 Dollar Strafe bei Verstößen gegen das Gesetz. Tüten, die aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maisstärke hergestellt werden, können von Bodenbakterien rückstandsfrei biologisch abgebaut werden.

Bewuchs an Schiffsunterseite

Quelle: dpa/WWF

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Umweltfreundliche Antifoulingmittel

Ein Schiffsrumpf ist Lebensraum für Muscheln, Algen oder Seepocken. Binnen weniger Wochen überwuchern sie die Kehrseite eines Frachters. Der wirtschaftliche Schaden durch den unerwünschten Bewuchs ist enorm: Das Schiff legt an Masse zu und sein Strömungswiderstand steigt. Das zwingt zu langsamerer Fahrt und führt zu höheren Treibstoff- und somit Transportkosten. Ein weiterer Effekt ist, dass mit dem Bewuchs Arten in neue Ökosysteme verschleppt werden, wo sie sich mitunter ungehindert ausbreiten und die bestehenden Lebensgemeinschaften empfindlich stören können.

Aus diesem Grund sucht der Mensch, seit er zur See fährt, nach Mitteln, um den Bewuchs zu verhindern. Die Römer versuchten es mit Bleiplatten, später wurde mit Kupfer experimentiert, schließlich verbreiteten sich chemische Antifoulingmittel, mit denen der stählerne Rumpf bestrichen wurde, um das Getier fern zu halten. Verbreitet waren anfangs schwermetallhaltige Verbindungen wie Tributylzinn (TBT), weil sie den Bewuchs besonders effektiv unterdrückten. Seit 2003 ist TBT durch die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO für Schiffsanstriche verboten. Seither wird intensiv an anderen Chemikalien gearbeitet, die den Anstrichfarben zugesetzt werden könnten. Doch wie sich diese Stoffe langfristig in der Umwelt verhalten, ist noch unbekannt. Geforscht wird auch an biozidfreien Beschichtungen etwa auf Silikonbasis.

© SZ vom 31.7.2010/mcs

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