Kläranlagenpflicht

Es ist kaum zu glauben, dass Millionenmetropolen in Europa noch bis vor zehn Jahren ihr Abwasser ungeklärt in die Flüsse pumpen durften. In Brüssel gab es noch im Jahr 2000 kein anständiges Klärwerk. Dabei besiegelte die EU dort im Jahr 1991 die Richtlinie 91/271/EWG, die regelt, von welcher Siedlungsgröße an in Zukunft welche Abwasseraufbereitung einzusetzen ist. Erst die neue Abwasserrichtlinie aus dem Jahr 2000 dürfte genügend Druck auf die Stadt ausgeübt haben: Sie setzt klare Grenzwerte für Reststoffe im Abwasser, die bis zum Jahr 2015 einzuhalten sind, sonst drohen Strafen. Umweltschützer sehen in der Umsetzung der neuen Abwasserrichtlinie einen der größten Erfolge für den europäischen Umweltschutz. So schwimmen wieder Fische in einst vergifteten Flüssen wie dem Rhein, auch die Elbe hat sich erholt.

Im jüngsten Bericht der Europäischen Umweltagentur kommt die Behörde zu dem Ergebnis, dass 96 Prozent der Badegebiete am Meer und neun von zehn Flüssen Badequalität haben. Vor 20 Jahren eigneten sich nur 80 Prozent der Meeresstrände und nur jeder zweite Fluss in Europa zum Baden. Trotz aller Bemühungen transportiert der Rhein aber auch heute noch Schwermetalle und Chemikalien wie Pestizide in Richtung Nordsee und belastet damit nicht nur die Umwelt, sondern auch das Trinkwasser der Rheinanlieger. Einträge von phosphathaltigen Düngemitteln aus der Landwirtschaft gelten noch immer als zu hoch, und insbesondere in einigen südeuropäischen Ländern gibt es noch immer große Lücken in der Abwasserreinigung.

Bild: dpa 30. Juli 2010, 16:372010-07-30 16:37:15 © SZ vom 31.7.2010/mcs