Umweltfreundliche Antifoulingmittel

Ein Schiffsrumpf ist Lebensraum für Muscheln, Algen oder Seepocken. Binnen weniger Wochen überwuchern sie die Kehrseite eines Frachters. Der wirtschaftliche Schaden durch den unerwünschten Bewuchs ist enorm: Das Schiff legt an Masse zu und sein Strömungswiderstand steigt. Das zwingt zu langsamerer Fahrt und führt zu höheren Treibstoff- und somit Transportkosten. Ein weiterer Effekt ist, dass mit dem Bewuchs Arten in neue Ökosysteme verschleppt werden, wo sie sich mitunter ungehindert ausbreiten und die bestehenden Lebensgemeinschaften empfindlich stören können.

Aus diesem Grund sucht der Mensch, seit er zur See fährt, nach Mitteln, um den Bewuchs zu verhindern. Die Römer versuchten es mit Bleiplatten, später wurde mit Kupfer experimentiert, schließlich verbreiteten sich chemische Antifoulingmittel, mit denen der stählerne Rumpf bestrichen wurde, um das Getier fern zu halten. Verbreitet waren anfangs schwermetallhaltige Verbindungen wie Tributylzinn (TBT), weil sie den Bewuchs besonders effektiv unterdrückten. Seit 2003 ist TBT durch die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO für Schiffsanstriche verboten. Seither wird intensiv an anderen Chemikalien gearbeitet, die den Anstrichfarben zugesetzt werden könnten. Doch wie sich diese Stoffe langfristig in der Umwelt verhalten, ist noch unbekannt. Geforscht wird auch an biozidfreien Beschichtungen etwa auf Silikonbasis.

Bild: dpa/WWF 30. Juli 2010, 16:372010-07-30 16:37:15 © SZ vom 31.7.2010/mcs