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Umweltschutz:Billige Baumwolle gegen ausgelaufenes Öl

Nach Unfällen wie der Explosion der Bohrplattform "Deepwater Horizon" haben die Experten große Probleme, ausgelaufenes Erdöl zu sichern. Jetzt sind Wissenschaftler auf eine überraschende Möglichkeit gestoßen: billige Baumwolle.

Billige Baumwolle frisch vom Strauch ist offenbar ein gutes Material, Erdöl nach Unfällen wie der Explosion des Bohrschiffs Deepwater Horizon aufzunehmen.

Forscher um Seshardi Ramkumar an der Texas Tech University in Lubbock haben bei Messungen festgestellt, dass die Fasern Rohöl bis zum 35-fachen des Eigengewichts aufnehmen können (Industrial and Engineering Chemistry Research, Bd. 52, S. 6277, 2013).

Dabei bewährt sich besonders die Baumwolle, die für die Produktion von Kleidung oder Kosmetikprodukten meist aussortiert wird. Sie kann unreif, voller Wachs und so fein sein, dass die Fasern sich unentwirrbar um einen Rest von Schale oder Samen verknoten.

Für solche Fasern bekommen die Farmer aus der Gegend von Lubbock, dem amerikanischen Zentrum des Baumwollanbaus, deutlich geringere Preise bezahlt, sagt Ramkumar. Pro amerikanischem Pfund (454 Gramm) könnten sie nur zehn statt sonst 70 Cent oder mehr erzielen.

Aber gerade dieses Material verarbeitet Ramkumars Labor in Lubbock. Er hat dort eine alte Maschine aufgestellt, die aus der Baumwolle eine Art Filz macht. Haken zupfen die Baumwollbäusche auseinander, Walzen pressen das Ausgangsprodukt zu feinen Lagen, die aufeinander geschichtet werden.

Dann bohren sich dünne Nadeln durch die Bahnen, sie erzeugen Poren und verzwirbeln Fasern verschiedener Lagen miteinander. "Wichtig ist, dass das Wachs noch auf der Baumwolle ist, sie also nicht gebleicht wird", sagt Ramkumar. "Sonst kann sie nicht mehr so viel Öl aufnehmen."

Die billige, feine, zum Verfilzen neigende Baumwolle hat zudem eine größere Oberfläche und nimmt schon deswegen mehr Öl auf, wie jetzt die aktuellen Versuche zeigten.

Dabei haben die Forscher unverarbeitete Baumwollbäusche in ein Ölbad getaucht. Nach dem Abtropfen hatte die vom Standpunkt der Textilindustrie schlechte Baumwolle etwas mehr als 35 Gramm Rohöl pro Gramm Eigenwicht aufgesaugt, während es Fasern mittlerer Qualität auf gut 30 Gramm brachten.

Zu Lagen verarbeitet kann das Material auch Öl von einer Wasseroberfläche aufsaugen, wie Ramkumar in seinem Labor gern vorführt. Die Reste von Kapseln und Samen, die noch in dem Gewirr der Fasern stecken, dienen zudem Bakterien als erste Nahrungsquelle. Wenn sie sich in den benutzten, vollgesogenen Filzstücken festgesetzt haben, werden diese bioabbaubar.

Ramkumars Team hat zudem eine Variante des Baumwollfilzes entwickelt, die nun von einer Firma in der texanischen Stadt Waco kommerziell produziert wird.

Die Fibertect genannten Lappen haben in ihrer Mitte noch eine Lage Aktivkohle, um Gase zu binden, die aus den aufgenommenen Flüssigkeiten steigen. Ausgelegt und zugelassen sind die Filztücher, um giftige Chemikalien und chemische Kampfstoffe aufzunehmen und von den Uniformen von Soldaten oder von militärischem Gerät zu wischen.

© SZ vom 22.05.2013/mcs
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