Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko:Fehler der Politik

Der Politik ergeht es nicht anders, da kann sie noch so oft die Notwendigkeit des Wandels beschwören. Autohersteller und Energiekonzerne sind eben auch Arbeitgeber und Steuerzahler. Unter anderem deshalb spricht etwa die Bundesregierung zwar oft und gern davon, den Abschied vom fossilen Zeitalter einläuten zu wollen - belohnt aber mit milliardenschweren Steuersubventionen den Kauf der gierigsten Dienstautos und das motorisierte Einpendeln von Millionen Arbeitnehmern. Würde dieselbe Koalition nur halb so viel Leidenschaft auf erneuerbare Energien verwenden wie auf den Streit um längere Atom-Laufzeiten, vielleicht könnte sie wirklich Weichen neu stellen. So aber verharrt Deutschland im Status quo; weltweit gesehen ist das leider keine Ausnahme.

Gulf Coast Struggles With Oil Spill And Its Economic Costs

Pelikane an der Küste von Grand Isle, Louisiana. Die Öl-Firmen sind auf der Suche nach Erdöl maximale Risiken eingegangen. Jetzt präsentiert die Natur die Rechnung.

(Foto: afp)

Zukunftsmusik? Aber gewiss!

Derweil arbeitet die fossil befeuerte Ökonomie wacker auf ihren eigenen Untergang hin, als gäbe es keine Alternative dazu. Das allein ist eine Verspottung menschlicher Intelligenz. Wie kann eine Welt, die täglich ein Vielfaches ihres Energieverbrauchs kostenlos von der Sonne geliefert bekommt, derartig auf die Verschwendung endlicher Ressourcen angewiesen sein, um eben diesen Verbrauch zu decken?

An technischen Möglichkeiten jedenfalls muss es nicht scheitern. Allein Sonnenkraftwerke in Wüsten könnten dereinst bis zu einem Viertel des globalen Strombedarfs decken. Neue Leitungen quer durch Europa könnten Schwankungen glätten, die Windenergie-Flaute in der Nordsee mit Solarstrom aus Spanien oder Afrika ausgleichen. Intelligente Netze könnten die Nachfrage nach Elektrizität stärker auf das Angebot ausrichten. Weltweit könnten Haushalte Strom und Wärme selber erzeugen, sie obendrein sorgsamer verwenden als bisher. Mobilität ließe sich mit Batterien oder Brennstoffzellen organisieren; und im Zeitalter mobiler Kommunikation womöglich sogar so, dass zwar jeder ein Auto nutzen kann, es aber nicht zwangsläufig besitzen muss. Flugzeuge könnten statt Kerosin irgendwann Biokraftstoffe tanken, die sich etwa aus Müll gewinnen lassen.

Zukunftsmusik? Aber ganz gewiss! Nur ist diese Zukunft nicht so weit weg, die Entscheidung dafür oder dagegen steht heute an. Die Katastrophe im Golf von Mexiko ist vor allem eine dringende Mahnung, dass Ingenieurskunst nicht hilft, wenn sich eine Gesellschaft insgesamt auf dem falschen Pfad befindet. Jedes neue Kohlekraftwerk, jede neue Ölbohrung ist nur ein weiterer Schritt auf diesem Pfad. Jeder Euro dafür ist verschwendetes Kapital im doppelten Sinne: Es zementiert Strukturen von gestern und steht zugleich für eine andere Zukunft nicht mehr zur Verfügung. Das Umsteuern hin zu einem sparsamen Umgang mit Ressourcen wird damit so zäh wie die klebrige Masse von Deepwater Horizon.

Dabei ist letztere nur die sichtbare Erinnerung an ein weit gravierenderes Problem: Das ist die wachsende Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Wie eine Ölbohrung Voraussetzung für fossile Verschwendung ist, so ist der Klimawandel sein Ergebnis. Er ist eine Katastrophe mit Ansage. Sonderlichen Eindruck hat das auf die Staatengemeinschaft bisher nicht machen können; schon warnen selbst die eifrigen Europäer davor, es mit dem Klimaschutz zu übertreiben. Sie sollten wissen: Verglichen mit den Folgen der Erderwärmung ist selbst das Desaster im Golf nur ein Fieberanfall, mehr nicht.

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