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Umwelt:Tote Zonen in den Ozeanen dehnen sich aus

169 tote Zonen gibt es bereits in den Weltmeeren, 415 weitere Gebiete sind akut gefährdet. Auch die gesamte deutsche Küste ist betroffen. Damit bekommt der Schutz der Küstengewässer in einer aktuellen UN-Bestandsaufnahme zu den globalen Umweltzielen die schlechteste Note.

Christopher Schrader

Was den Algen nützt, schadet den Fischen. Bekommen die Einzeller im Meer zu viel Nahrung, vermehren sie sich schlagartig und nehmen anderen Lebewesen den Sauerstoff. Die Folge sind tote Zonen im Ozean. 169 davon gibt es bereits weltweit, bilanziert das UN-Programm für Umwelt (Unep), nur 13 zeigen Zeichen einer Erholung. Aber 415 weitere Gebiete sind schon derart mit Dünger überversorgt, der von Felder in Flüsse und Ozeane fließt, dass ihnen der Erstickungstod droht. Auf einer Karte im soeben vorgestellten Unep-Bericht zum globalen Zustand der Umwelt "Geo 5" bedecken Symbole für tote und gefährdete Meeresregionen die ganze deutsche und dänische Küste sowie die amerikanische bis auf wenige Ausnahmen.

Bei der Bestandsaufnahme, die das Unep vor dem Nachfolgegipfel zur Riokonferenz von 1992 vorlegt, bekommt der Schutz der Küstengewässer daher die schlechteste Note. Die Experten haben 90 der wichtigsten international vereinbarten Ziele zur Bewahrung der Umwelt analysiert. In acht Fällen stellen sie eine weitere Verschlechterung fest, nur bei vier berichten sie über deutliche Fortschritte: der Schutz der Ozonschicht, das Entfernen von Blei aus Benzin, der Zugang zu sauberem Trinkwasser und - immerhin - die Forschung, wie sich die Verschmutzung der Meere reduzieren ließe.

Weitere 40 Ziele zeigen leichte Fortschritte, die aber oft einen bitteren Beigeschmack haben. So ist zwar wie angestrebt der Anteil der Menschen gesunken, die unter Hunger leiden, aber die absolute Zahl ist gestiegen. Der Umgang mit gefährlichen Chemikalien zeigt Fortschritte und die Freisetzung von Schwermetallen geht zurück, aber viele, besonders arme Staaten sind rat- und hilflos. Dort wird oft Giftmüll aus Industrieländern entgegen der internationalen Basel-Konvention entsorgt.

Wenig oder keinen Fortschritt gibt es schließlich in 24 Bereichen, zum Beispiel beim Kampf gegen Luftverschmutzung in geschlossenen Räumen. Weil viele Arme mit Holz oder Dung kochen oder heizen, schwebt Feinstaub in ihren Behausungen. Er ist nach Angaben des Berichts für fast zwei Millionen vorzeitige Todesfälle verantwortlich - 900.000 der Opfer sind jünger als fünf Jahre. Auch der Schutz der Biodiversität tritt offenbar auf der Stelle.

Die Autoren des Berichts finden aber auch positive Beispiele. So loben sie die deutsche Energiepolitik mit ihren Einspeisetarifen für erneuerbare Energie. Sie habe zwischen 2000 und 2010 den Anteil von grünem Strom im Land auf 17 Prozent fast verdreifacht, 370 000 Arbeitsplätze geschaffen und den Ausstoß an Treibhausgasen um knapp sechs Prozent reduziert. "Der Bericht erinnert Politiker, die sich zur Rio+20-Konferenz treffen, dass eine entscheidende Wende zur Grünen Ökonomie dringend nötig ist", sagt Unep-Leiter Achim Steiner.

© SZ vom 09.06.2012/beu
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