Klima und Wetterbericht Die Zuschauer wollen wissen, warum das Wetter so ungewöhnlich ist

Inzwischen versorgt Climate Central bereits einige Hundert Meteorologen regelmäßig mit Informationen und Grafiken zum Klimawandel. Das mag zu dem erkennbaren Stimmungswandel unter den US-Meteorologen beigetragen haben, den Maibachs Forschungsteam mit regelmäßigen Umfragen belegt.

Antworteten 2011 erst 19 Prozent der Teilnehmer, der Klimawandel werde vor allem von der Menschheit ausgelöst, so waren es 2017 schon 49 Prozent. Dass natürliche Phänomene ungefähr genauso stark zur globalen Erwärmung beitrügen wie die Menschen, hatten zuvor noch 35 Prozent der Befragten angenommen, nun waren es nur noch 21 Prozent. Und die Verfechter der Position, es gebe doch gar keinen Klimawandel, gingen von neun auf ein Prozent zurück. Allerdings dürfte die Erhebung nicht repräsentativ für den amerikanischen Fernsehmarkt insgesamt sein, wo die Konservativen sich in ihrem Haussender Fox nach Belieben abschotten können.

Längst sind ähnliche Initiativen über die USA hinaus entstanden. Die meteorologische Weltorganisation WMO hat schon zweimal Journalisten aus aller Welt aufgerufen, sich an weltweiten Aktionen zu beteiligen. 2015 sollten sie einen fiktiven Wetterbericht für das Jahr 2050 produzieren. Ein Journalist bei Cubavision beschrieb hier den fiktiven Hurrikan Filomena, der mit Stufe 5, also maximaler Stärke und Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometern pro Stunde durch die Karibik fegt - zwei Jahre, bevor die Wirbelstürme Irma und Maria 2017 genau das taten und auf den Inseln und dem Festland mindestens 3000 Menschen töteten, nach einer anderen Schätzung sogar 5000, sowie gewaltige Schäden anrichteten. Im vergangenen Jahr sollten die Meteorologen dann den Blick ins Jahr 2100 richten. Özden Terli verglich dabei mit futuristischer Grafik das künftige Stadtklima Berlins mit den Verhältnissen im heutigen Bukarest.

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Eine weitere globale Aktion startete in diesem Sommer Jeff Berardelli von der CBS-Station in West Palm Beach/Florida. Unter dem Hashtag #metsunite überredete er Dutzende, vielleicht Hunderte - eine genaue Statistik gibt es nicht - seiner Kollegen, am Tag der Sommersonnenwende im Juni ein blau-rotes Streifenmuster zu zeigen oder in die Kamera zu halten, gedruckt auf einen Kaffeebecher, eine Krawatte, einen Anhänger oder Ohrringe.

Es handelte sich dabei um die "Warming Stripes", die der britische Forscher Ed Hawkins von der University of Reading erdacht hat. Sie zeigen die Durchschnittstemperaturen als farbige Streifen vom dunklen Blau für das kälteste Jahr der Aufzeichnungen bis zum dunklen Rot für das wärmste; dieses ist vor allem rechts zu sehen. "Ich habe die Warming Stripes von Ed Hawkins gesehen, und die Schlichtheit hat etwas in mir zum Klingen gebracht", sagte Berardelli zu seiner Aktion. "Unser Einfluss auf das Klima ist bereits so groß oder größer als die natürlichen Schwankungen. Das ist real, das sind wir, das ist ernst."

Auch an der Aktion #metsunite hat sich Özden Terli beteiligt, Mitte Juli zeigte der ZDF-Journalist auch noch die deutsche Version. "Das kann ich natürlich nicht machen, wenn am nächsten Tag schwere Gewitter zu erwarten sind, dann brauche ich die Zeit", sagt er. "Aber ansonsten bin ich frei, selbst zu entscheiden, wie ich mir die 90 Sekunden einteile." Dabei fällt auf, dass Terli in seinen Sendungen zu dem Thema kaum von "Klimawandel" spricht: "Ich finde, das Wort ist zu schwach. Es ist eine Krise, die Klimakrise. Und die Zuschauer, die es interessiert, wissen auch, dass diese Krise menschengemacht ist."

Mit seinem Engagement eckt der Wettermoderator inzwischen auch an. Nicht im Sender, wo sein Engagement wohlwollend aufgenommen wird, sondern bei einem Teil des Publikums. "Es gibt da draußen Menschen, die das nicht goutieren und die auf vermeintliche oder echte Fehler lauern. Aber die positiven Reaktionen überwiegen", sagt er. "Und ich denke, dass wir die Kommunikation sogar noch verschärfen müssen." Das Publikum werde ihm dabei folgen, ist er sicher. Das hat er zum Beispiel in diesem Hitzesommer gespürt, als er sich auf Facebook den Fragen von Zuschauern stellte: "Früher haben sich die Leute nach den Details des Wetters in ihrem Ort erkundigt, inzwischen möchten sie wissen, warum das Wetter so ungewöhnlich ist."

Diese Erfahrung hat auch Karsten Schwanke gemacht. Endlich sagt's mal einer, bekommt er oft zu hören, aber auch den Vorwurf, er gehöre also nun auch zur Lügenpresse. Auf die Frage, ob er in den Wohnzimmern solcher Kritiker noch als "vertrauenswürdige Stimme" wahrgenommen werde, sagt er nachdenklich: "Ich muss hinnehmen, dass die Fronten verhärtet sind. Die Leugner werde ich nicht bekehren können. Aber das sind nur wenige, viel weniger als die anderen, die solche Informationen begrüßen. Das ist sehr angenehm." Die Angriffe würden ihn jedenfalls nicht davon abhalten, seinem Verantwortungsgefühl zu folgen, sagt Schwanke: "Wir müssen die Augen aufmachen."

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