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Umwelt:Erst vor zwei Wochen versank in einem der Flüsse ein Kohlefrachter

Unesco-Experten, die sich 2016 mit den Risiken befassten, warnten vor massiver Verschmutzung der Luft und der Gewässer durch Kohleasche. Sie forderten, das Projekt fallen zu lassen oder an einen weniger riskanten Ort zu verlegen. Auch die Norweger zogen sich aus der Finanzierung des Kraftwerkes zurück und begründeten ihre Entscheidung mit einem "inakzeptablen Risiko schwerer Umweltschäden." Die Regierung in Dhaka hält an ihren Plänen fest.

Erst vor zwei Wochen sank in einem der Flüsse ein Kohlefrachter, nicht das erste Desaster dieser Art. 2014 kollidierten zwei Frachtschiffe und lösten eine Ölpest am Shela River in den Sundarbans aus, die Behörden ließen die Bewohner mit dem Dreck lange alleine. Das geplante 1320-Megawatt-Kraftwerk wird das Verkehrsaufkommen auf dem Wasser erhöhen, das Risiko weiterer Unfälle steigt.

In dem tropischen Flusslabyrinth gibt es viele seltene Tiere und Pflanzen

Die Regierung argumentiert, sie müsse den Staat aus der chronischen Energiekrise führen. Tatsächlich mussten die Menschen in Dhaka den Strom jahrelang rationieren. Jeden Tag stellte sich die Frage, ob die Lebensmittel im Kühlschrank die Strompausen überstehen würden. Inzwischen hat sich die Stromversorgung aber stark verbessert. 2012 hatte fast jeder zweite Bewohner gar keinen Strom, innerhalb der kommenden zehn Jahre sollen alle Haushalte versorgt werden. Bis 2022 will der Staat die Stromkapazitäten nahezu verdreifachen. Die Anthropologin Tahmima Anam schrieb in einem Aufsatz, dass diese Fortschritte für ihr Land beachtlich seien, doch fand sie auch, dass die Regierung ihre Energiepolitik nicht über die Köpfe der Bürger hinweg durchsetzen sollte. Mehrere Kraftwerkspläne sind umstritten, am stärksten sind die Proteste gegen Rampal, weil dort ökologisch am meisten auf dem Spiel steht.

Als größtes Mangrovengebiet der Welt sind die Sundarbans schon seit 1997 als Unesco-Welterbe aufgelistet; sie sind etwa fünfmal so groß wie der Spessart, 13 Millionen Menschen leben dort. Gleichzeitig bietet das tropische Flusslabyrinth in der Gezeitenzone zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten Raum, neben Tigern sind bedrohte Flussdelfine, Schildkröten und Otter zu finden.

Ein gewichtiges Argument gegen das Kraftwerk Rampal ist, dass die artenreichen Mangrovenwälder in Zeiten des Klimawandels ganz besonders gebraucht werden. Deren Zerstörung dürfte künftige Generationen teuer zu stehen kommen. Denn die bewaldeten Gezeitenzonen dienen als effektiver Küstenschutz, der nur schwer zu ersetzen ist. Die indische Umweltschützerin Prerna Singh Bindra besuchte die Sundarbans nach dem verheerenden Zyklon Aila im Jahr 2009. Was sie beobachtete, passt ins Bild: Die größten Verwüstungen waren überall dort zu sehen, wo Mangroven großflächig gerodet waren. Dort, wo der Wald dicht war, gab es dagegen kaum Sturmschäden.

© SZ vom 03.02.2017/avr
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