Überfischung der Meere:Sushi-Kult rottet Thunfische aus

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Der Rote Thun ist ein Symbol für die Plünderung der Meere. Über sein Schicksal entscheidet jetzt eine internationale Kommission. Doch seinem Schutz stehen mächtige Wirtschaftsinteressen entgegen.

Moritz Koch

Es gibt kaum ein anderes Lebewesen, das die Wildnis der hohen See so verkörpert wie der Rote Thun. Die Schwärme ziehen kraftvoll und rastlos durch die Ozeane. Sie sind perfekte Jäger und trotz ihrer Größe von mehr als drei Metern bis zu 65 Stundenkilometer schnell.

Rote oder auch Blauflossen-Thunfische in einem Becken des Sea Life Parks in Tokio. Die Tiere sind selbst perfekte Jäger - doch werden sie vom Menschen so intensiv bejagt, dass sie zum Symbol für die Plünderung der Meere geworden sind. (Foto: Reuters)

Doch inzwischen sind sie selbst Gejagte - und das Symbol für die Plünderung der Meere. Der Sushi-Kult hat den Roten Thun an den Rand der Ausrottung getrieben. Meeresbiologen und Umweltschützer glauben, dass sich das Schicksal der Spezies dieser Tage in Paris entscheiden könnte.

Dort ist am Mittwoch die internationale Thunfisch-Kommission ICCAT zusammengekommen, um neue Fangquoten festzulegen.

Nie waren die Verhandlungen so wichtig wie jetzt. Die Ölpest vor der Küste Louisianas könnte die Brutstätten des Roten Thuns im Golf von Mexiko auf Jahre hinaus verseucht haben.

Bleiben noch die Paarungsgebiete im Mittelmeer, doch hier wird die Art besonders stark befischt. Kleinflugzeuge orten die Schwärme, Schnellboote kreisen sie ein, kaum ein Thun entkommt. Viele Experten fordern einen sofortigen Fangstopp.

Schon bald könnte es zu spät sein

Doch mächtige Wirtschaftsinteressen stehen dagegen. Der Thunfischfang ist ein Milliardengeschäft. Das dürfte auch den Sinneswandel erklären, den Spanier, Franzosen und Italiener durchgemacht haben.

Noch Anfang des Jahres forderten die Fischereinationen zusammen mit anderen EU-Staaten den atlantischen Roten Thun in das UN-Artenschutzabkommen aufzunehmen. Doch das Vorhaben scheiterte.

Nun wollen Spanien, Frankreich und Italien eine Fangquote von 13.500 Tonnen durchsetzen - genau so viel wie für 2010. Die anderen EU-Staaten drängen darauf, die Quote zu halbieren. Die Aussichten auf einen Fangstopp sind gleich null.

Das ist keine Überraschung. Bei Umweltschützern ist ICCAT als "International Conspiracy to Catch All Tuna" bekannt, als Verschwörung, auch den letzten Thun zu fangen. Seit Jahren versuchen sie, die Öffentlichkeit zu mobilisieren, wie vor Jahrzehnten beim Walfang.

Doch offenbar fällt es schwer, sich mit starräugigen Fischen zu solidarisieren. Schon bald könnte es zu spät sein. Schätzungen zufolge verfügt der Rote Thun nur noch über 9000 sogenannte Megabreeder, besonders fruchtbare Muttertiere, die für das Überleben der Art entscheidend sind.

© SZ vom 18.11.2010 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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