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Artenschutz:Trottellummen tauchen bis zu 180 Meter tief

Zu den Rätseln gehört auch, dass das Vogelsterben nicht im gleichen Ausmaß auf die angrenzenden deutschen Küstengebiete übergreift. Zwar melden auch die Behörden in Niedersachsen und Schleswig-Holstein eine höhere Zahl von tot aufgefundenen Trottellummen als üblich. "Aber die Zahl ist noch nicht besorgniserregend", sagt der Leiter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, Peter Südbeck. Ähnliches berichtet Christian Wiedemann von der schleswig-holsteinischen Nationalparkbehörde. Auf rund 70 Vögel beziffert er die Totfunde der vergangenen Wochen. "Wir scheinen uns bisher nur im Randbereich dieses Phänomens zu befinden." Auch einige der in Deutschland tot aufgefundenen Lummen sollen aber genauer untersucht werden. 30 Vögel will man in den kommenden Tagen sezieren.

Auch im einzigen deutschen Brutgebiet der Trottellummen auf Helgoland gibt es bislang nicht außergewöhnlich viele verendete Exemplare. Zählungen ergaben, dass sich dort bereits bis zu 4000 Vögel nahe dem Brutfelsen aufhalten. Die Zahl der Brutpaare steigt leicht. Seien es früher 2000 bis 2500 Paare gewesen, betrage die Zahl aktuell 3000 Paare, sagt Jochen Dierschke, der Leiter der Inselstation des Instituts für Vogelforschung Wilhelmshaven.

Zunächst hatten Forscher vermutet, das Massensterben der Trottellummen stehe im Zusammenhang mit Containern, die ein Schiff verloren hatte.

(Foto: AP)

Ihrem Namen werden Trottellummen übrigens - wenn überhaupt - nur an Land gerecht, wo ihre für das Leben auf hoher See geformten Körper unbeholfen wirken und auch wegen ihrer aufrechten Haltung und ihrer Schwarz-Weiß-Färbung an Pinguine erinnern. Die Vögel laufen auf den Fußwurzeln statt auf Zehen, weshalb ihr Gang "trottelig" wirkt. Im und unter Wasser sind die Vögel wahre Bewegungskünstler. Wie Pinguine "fliegen" sie, angetrieben von Füßen mit Schwimmhäuten und kurzen Schlägen der kräftigen Flügel in Stromlinienform torpedoschnell unter Wasser auf der Jagd nach Fischen und Krebsen. Tauchgänge in 180 Meter Tiefe sind dabei keine Seltenheit.

"Das Weltnaturerbe Wattenmeer steht unter immensem Druck"

In den Niederlanden erhoffen sich die Wissenschaftler nun von einer groß angelegten Autopsie mehr Erkenntnisse. Unter Beteiligung von Biologen, Tierärzten, Toxikologen und Virologen sollen noch in dieser Woche 100 weitere tote Vögel seziert werden. Auch eine besonders gefürchtete mögliche Ursache soll abgeklärt werden: Aviäre Influenza, die Vogelgrippe. "Auch wenn wir hier bisher keine konkreten Hinweise darauf haben, ist die Aviäre Influenza als Vogelkiller gut bekannt", sagt Leopold. Negative Auswirkungen auf den Gesamtbestand von Trottellummen in Europa erwarten Experten aber durch das Lummensterben nicht, vorausgesetzt, es bleibt beim derzeitigen Ausmaß. Bei einem europaweiten Bestand von mehr als zwei Millionen Paaren sei der Verlust von 20 000 Tieren für die Population verkraftbar.

In den Niederlanden hat das Vogelsterben dennoch eine Diskussion über die Gefahren für das Ökosystem Wattenmeer ausgelöst. Auch Nationalpark-Chef Südbeck warnt. Selbst wenn beispielsweise die meisten Schiffshavarien bislang glimpflich verlaufen seien: "Das Weltnaturerbe Wattenmeer steht unter immensem Druck, die Situation ist durchaus dramatisch." Erfolgen bei der Verbesserung der Schiffssicherheit stehe ein ständiges Wachstum des Schiffsverkehrs gegenüber. "Diesmal heißt die Beinahe-Katastrophe MSC Zoe, im vergangenen Jahr hieß sie Glory Amsterdam und davor Katja", erinnert Südbeck an die jüngsten Schiffshavarien. "Wir müssen ungeheuer aufpassen."

© SZ vom 13.02.2019
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