Psychologie:Trinkgeld: Barzahler geben mehr

Lesezeit: 2 min

Psychologie: Bar oder Karte? Viel wichtiger aber: Wie viel Trinkgeld?

Bar oder Karte? Viel wichtiger aber: Wie viel Trinkgeld?

(Foto: Valentina Barreto/imago/Westend61)

Wenn Gäste mit Münzen und Scheinen bezahlen statt mit Karte, legen sie eher noch mal etwas drauf. Auch zwischen Männern und Frauen gibt es Unterschiede - und noch ein weiterer Faktor ist für die Höhe des Trinkgelds entscheidend.

Von Sebastian Herrmann

Nach Dessert, Kaffee und Abschlussschwätzchen mit der Tafelrunde bricht abermals eine Zeit der Entscheidungen an. Denn wenn die Rechnung an den Tisch gebracht wird, stellen sich zahlreiche Fragen. Zusammen oder getrennt? Wenn einer die gesamte Rechnung bezahlt, wer übernimmt das? Und ist es vielleicht schrecklich piefig, nach einer Rechnung für die Steuer zu fragen? Schließlich: Wie viel Trinkgeld ist angemessen, um sich für Service, Essen und Atmosphäre erkenntlich zu zeigen?

Aus Sicht der Bedienung stellen sich hingegen ein paar Fragen weniger. Eine davon aber lautet: Bar oder mit Karte? Mutmaßlich könnten sich Kellner ein wenig mehr freuen, wenn der Gast seinen Geldbeutel zückt, um die Rechnung mit Bargeld zu begleichen. Denn wie Ökonomen um Vikas Kakkar von der Universität Hongkong im Journal of Behavioral and Experimental Economics berichten, geben Gäste dann mehr Trinkgeld, als wenn sie mit Karte zahlen. Wer Banknoten und Münzgeld überreiche, so das Argument der Forscher, mache seine Transaktion für andere am Tisch deutlicher sichtbar als bei einer Bezahlung per Karte. Das erhöhe den Anreiz, sich nicht lumpen zu lassen und auf diese Weise sein Image als großzügiger Mensch zu pflegen.

Die Wissenschaftler sammelten ihre Daten in einem großen chinesischen Restaurant in Hongkong. Insgesamt werteten sie 572 Transaktionen aus, die alle während der Mittagszeit getätigt wurden. Das Restaurant, so berichten die Ökonomen um Kakkar, schlägt automatisch eine Servicepauschale von zehn Prozent auf die Rechnung auf, was in Hongkong die gängige Praxis sei. Darauf noch freiwillig Trinkgeld zu addieren, wird demnach nicht zwingend erwartet, ist aber natürlich aus Sicht der Kellner wünschenswert. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies auch geschah, war deutlich höher, wenn die Gäste bar bezahlten. In diesem Fall gaben 49 Prozent von ihnen Trinkgeld. Beglichen sie die Rechnung per Kreditkarte, gaben hingegen nur 31 Prozent den Bedienungen einen Extrabetrag.

Trinkgeld zur Imagepflege?

Das widerspreche zunächst einigen Befunden aus der Verhaltensökonomie, schreiben die Autoren. Demnach geben Menschen eher und etwas leichtfertiger Geld aus, wenn sie mit Karte bezahlen. Zum einen, weil ihnen dann oft der genaue Überblick über ihre finanzielle Lage fehle; zum anderen, weil der psychologische Schmerz etwas größer sei, wenn man sich von Banknoten trennen muss, die physisch vorhanden sind - beziehungsweise: waren.

Alleine daraus leiten die Forscher ab, dass im Vergleich höhere Barzahlungen im Restaurant aus Gründen der Imagepflege getätigt werden. Auch andere Befunde sprachen dafür: So gaben Gäste dann mit höherer Wahrscheinlichkeit kein Trinkgeld, wenn sie alleine gegessen hatten. Außer den Kellern war dann schließlich niemand vorhanden, den man beeindrucken könnte. Nur 16 Prozent der alleine speisenden Gästen gaben überhaupt Trinkgeld. Je größer die Runde am Tisch hingegen war, desto höher war auch die Wahrscheinlichkeit, dass Trinkgeld gegeben wurde - besonders, wenn die Rechnung bar beglichen wurde. Dann fiel das Trinkgeld auch etwas üppiger aus.

Im Vergleich zeigten sich außerdem die männlichen Gäste spendabler als Frauen: Sie gaben mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit - etwa zehn Prozent - überhaupt Trinkgeld und dann im Durchschnitt auch noch mehr als die weiblichen Gäste. Vermutlich finden es Männer etwas wichtiger, sich in großer Runde als spendabel und damit tendenziell auch wohlhabend zu präsentieren.

Zur SZ-Startseite
Illu Wissen

SZ PlusPsychologie
:Was einen guten Therapeuten ausmacht

Was unterscheidet einen guten Psychotherapeuten von einem schlechten? Lange interessierte sich niemand dafür. Doch langsam zeichnet sich ab, was den Unterschied ausmacht.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB