Trinkende Schimpansen Besäufnis unter Palmen

Angetan vom Alkohol? Auch wenn dieser Schimpanse nur Fruchtsaft trinkt: Beobachtungen lassen vermuten, dass die Affen sich regelmäßig berauschen.

(Foto: Diego Azubel/dpa)

Unsere nächsten Verwandten: Schimpansen im westafrikanischen Guinea stibitzen regelmäßig alkoholhaltigen Palmsaft von den Menschen. Die Wissenschaftler berichten sogar von regelrechten Partys, zu denen sich die Affen mit dem erbeuteten Getränk versammeln.

Von Tina Baier

Schimpansen führen Kriege, haben Freunde und lösen komplizierte Probleme. Da ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass sie mit den Menschen auch eine Vorliebe für alkoholische Getränke teilen. Darauf deuten zumindest Beobachtungen britischer und japanischer Biologen hin, die 17 Jahre lang das Verhalten von 26 Schimpansen im westafrikanischen Guinea untersuchten.

In der Fachzeitschrift Royal Society Open Science berichten die Wissenschaftler, dass die Affen regelmäßig gegorenen Palmensaft aus Behältern stibitzen, die die Bewohner des Ortes Bossou in den Palmen aufhängen, um Palmwein zu gewinnen. Der Zuckersaft, der aus den angezapften Palmen rinnt, beginnt in dem warmen Klima schnell zu gären, sodass die Flüssigkeit in den Behältern durchschnittlich drei Volumenprozent Alkohol enthält.

Um an den gegorenen Saft in den Plastikbehältern zu gelangen, basteln sich die Schimpansen Schöpfkellen oder Schwämme aus Blättern, die sie immer wieder in die Flüssigkeit tunken. Die Wissenschaftler berichten von regelrechten Partys, bei denen mehrere Affen gleichzeitig auf Palmen sitzen und trinken. "Das Verhalten hat auch einen gewissen sozialen Charakter", schreiben die Forscher.

Manche Tiere trinken besonders oft

Allerdings beteiligten sich nicht alle, sondern nur 13 Affen aus der Gruppe an den Palmwein-Partys. Weibchen waren ebenso darunter wie Männchen und "Jugendliche" im Alter zwischen drei und zwölf Jahren. Manche Tiere fielen den Forschern auf, weil sie besonders oft auf die Palmen kletterten, um das alkoholische Getränk zu schlürfen. "Einige zeigten danach Anzeichen von Trunkenheit", schreiben die Forscher. Und manche der Trinker legten sich nach einem ihrer Besäufnisse sofort schlafen.

Die Beobachtungen stützen die "Hypothese vom betrunkenen Affen", die eine Erklärung dafür sein könnte, warum in der Entwicklungsgeschichte des Menschen eine Vorliebe für Alkohol entstanden ist. Demnach signalisiert der Geruch von Alkohol, dass ein Nahrungsmittel oder ein Getränk viel Zucker und damit auch viele Kalorien enthält. Solche Nahrung zu finden, war in Urzeiten für den Menschen überlebenswichtig.

Dass sowohl Menschen als auch Schimpansen Alkohol besser vertragen als viele andere Tierarten, liegt an einer kleinen Veränderung in einem Enzym, das für den Abbau von Alkohol zuständig ist. Die Mutation ereignete sich vor etwa zehn Millionen Jahren bei einem gemeinsamen Vorfahren von Menschen und anderen Menschenaffen. Sie hatte zur Folge, dass der Alkohol im Körper 40-mal schneller abgebaut werden konnte als zuvor.