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Treibhausgas Methan:Gute Pflanzen, böse Pflanzen

Haben Pflanzen tatsächlich einen entscheidenden Anteil an den weltweiten Methan-Emissionen? Australische Wissenschaftler sagen: nein.

Tina Baier

Die Reaktionen waren heftig, als Frank Keppler vor ziemlich genau drei Jahren erklärte, dass Pflanzen das Treibhausgas Methan (CH4) produzieren. Bis dahin war man davon ausgegangen, dass etwa Wälder dem Treibhauseffekt ausschließlich entgegenwirken, indem sie Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre filtern.

Ob und wie viel Methan Wälder oder Reis weltweit produzieren, ist unklar.

(Foto: Foto: dpa)

Die Vorstellung, dass sie möglicherweise auch ein Treibhausgas produzieren, brachte nicht nur das Weltbild von Pflanzenphysiologen durcheinander. Auf Kepplers Schreibtisch stapelten sich Anfragen ängstlicher Menschen, die zum Beispiel wissen wollten, ob sie sich beim Spaziergang im Wald mit Methan vergiften könnten.

Inzwischen hat sich die öffentliche Aufregung gelegt, doch die wissenschaftliche Kontroverse geht weiter. Ellen Nisbet von der University of South Australia in Adelaide bezweifelt jetzt, dass Pflanzen einen entscheidenden Anteil an den weltweiten Methan-Emissionen haben (Proceedings of the Royal Society B, online).

Die Biochemikerin ließ Pflanzen auf einem Nährboden ohne Kohlenstoff wachsen und konnte dabei keinen Ausstoß von Methan messen. Dann stellte sie die Pflanzen in Wasser, das mit Methan gesättigt war und fand das Treibhausgas daraufhin auch in der Luft.

Diese Ergebnisse belegen ihrer Ansicht nach, dass Pflanzen nicht selbst Methan produzieren, sondern dass sie lediglich als eine Art Schornstein für CH4 fungieren, das Mikroorganismen im Boden produzieren.

Keppler dagegen ist nach wie vor überzeugt, dass das Methan aus den Pflanzen selbst kommt. Sein Team konnte inzwischen zeigen, dass zumindest ein Teil aus Pektin stammt, einer Art Kittsubstanz zwischen einzelnen Pflanzenzellen. Allerdings hauptsächlich dann, wenn die Pflanzen UV-Strahlung oder hohen Temperaturen ausgesetzt sind, also in Stresssituationen.

"Wahrscheinlich waren die Pflanzen bei unseren ersten Experimenten gestresst", sagt Keppler. Das könnte seiner Ansicht nach auch erklären, warum andere Forschergruppen kein Methan in der Luft finden konnten, als sie versuchten, seine Experimente nachzustellen: Sie verwendeten Licht ohne UV-Anteil. "Wir können nicht jede Pflanze als permanente Ausstoßquelle von Methan betrachten", sagt Keppler. Das Treibhausgas werde nur unter bestimmten Bedingungen produziert.

Ob und wie viel Methan Wälder und andere Pflanzen weltweit produzieren, ist unklar. Sicher ist, dass die Menge an Kohlendioxid, die Pflanzen aus der Atmosphäre holen, sehr viel höher ist als die an Methan, die sie möglicherweise produzieren. Tatsache ist aber auch, dass die Wirkung von CH4 auf das Klima etwa 20-mal so stark ist wie die von CO2.

Und dass Satelliten etwa über tropischen Regionen sehr viel mehr Methan registrieren, als dort nach theoretischen Berechnungen sein dürfte. Da bei solchen Berechnungen alle bekannten Methanquellen berücksichtigt werden, liegt der Verdacht nahe, dass es weitere unbekannte Quellen gibt. Eine davon könnten durchaus die Pflanzen sein.

© SZ vom 15.01.2009/mcs

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