bedeckt München

Tierseuchen:Epidemiologen finden Ursache für Massensterben von Speisefischen

Projekt Tomatenfisch

Tilapia in einem Aquaponik-System, das die Zucht von Fischen und Pflanzen verbindet.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Ein noch unbekanntes Virus tötet massenhaft Fische in Aquakulturen. Die Tiere sind in vielen Ländern eine wichtige Eiweißquelle.

Von Hanno Charisius

Ein Virus ist Ursache des Massensterbens von Aquakultur-Fischen in Israel und Ecuador. Nach langwierigen Erbgutanalysen ist ein internationales Forscherteam um den Epidemiologen Ian Lipkin von der Columbia University in New York dem Erreger auf die Spur gekommen.

Die Experten hatten zunächst vermutet, zwei verschiedene Seuchen zu verfolgen, weil die Symptome der Tilapia-Fische in israelischen Zuchtbetrieben auf eine Erkrankung der Nerven und des Gehirns und die in Ecuador auf ein Leberleiden hindeuteten. Nun zeigt sich, dass ein und derselbe Erreger der Auslöser ist - das bislang unbekannte Tilapia-See-Virus (mBio).

2009 sterben Tiere massenhaft in Aquakulturen

Tilapia gehören zu der Familie der Buntbarsche und sind in vielen Ländern eine wichtige Eiweißquelle. Die weltweiten Umsätze mit den Fischen überwiegend aus Aquakulturen werden auf 7,5 Milliarden Dollar geschätzt. Die größten Zuchten liegen in China. Nach Karpfen ist Tilapia weltweit die am häufigsten gezüchtete Fischart. Das liegt vor allem an den geringen Ansprüchen, die der Pflanzenfresser an seine Umgebung stellt.

Doch seit 2009 sterben Tiere massenhaft in Aquakulturen, dabei gilt der Fisch als widerstandsfähig gegenüber Krankheitserregern. In Israel sind die Erträge um 85 Prozent gesunken, ähnliche Verluste wurden bereits aus Ecuador und Kolumbien berichtet.

Das neu entdeckte Virus vermehrt sich laut Lipkin und seinen Kollegen vor allem in Leber und Nerven der Fische, was zu den beobachteten Symptomen passt. Die Wissenschaftler veröffentlichten zudem die komplette genetische Sequenz sowie weitere biochemische Merkmale des Erregers. Beides hilft, um Impfstoffe gegen das Virus zu entwickeln. Auch eine schnellere Diagnose der Seuche ist nun möglich.

© SZ vom 06.04.2016/fehu
Zur SZ-Startseite