Tierseuchen Erreicht die Afrikanische Schweinepest bald Deutschland?

Als Vorbeugung gegen eine mögliche Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest will Niedersachsen die Wildschweinbestände verringern.

(Foto: dpa)
  • Menschen kann der Erreger nichts anhaben, selbst wenn sie das Fleisch infizierter Tiere essen.
  • Gefürchtet ist die Krankheit vor allem wegen ihrer wirtschaftlichen Folgen: Hat sich nur ein einzelnes Hausschwein infiziert, müssen alle Tiere des Betriebs getötet werden.
  • Bereits vor zehn Jahren begann der Erreger seine Reise nach Westeuropa.
Von Katrin Blawat

Für das Schwein ist die Qual schnell vorbei. Wenn sich ein Tier mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert hat, stirbt es meist binnen weniger Tage. Erledigt ist das Problem damit nicht. Hat sich das Virus in einem Land einmal festgesetzt, wird der Erreger so bald nicht wieder verschwinden. Auch deshalb wächst die Sorge, die Afrikanische Schweinepest (ASP) könne bald Deutschland erreichen - und zu einer tödlichen Bedrohung für Millionen Wild- und Hausschweine werden.

"Wenn man sich die Entwicklung der vergangenen drei Jahre anguckt, ist die Einschleppung nach Deutschland ein realistisches Szenario", sagt Thomas Christoph Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit auf der Insel Riems.

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Menschen kann der Erreger nichts anhaben, selbst wenn sie das Fleisch infizierter Tiere essen. Gefürchtet ist die Krankheit vor allem wegen ihrer wirtschaftlichen Folgen. Hat sich nur ein einzelnes Hausschwein infiziert, müssen alle Tiere des Betriebs getötet werden. Mit großen Schritten hat sich das Virus in jüngster Zeit Deutschland genähert. Ursprünglich ist es im südlichen Afrika heimisch, dort befällt es auch Warzenschweine. Anders als europäische Wild- und Hausschweine überleben sie die Infektion oft und können das Virus daher lange weitergeben.

Vor zehn Jahren begann der Erreger seine Reise Richtung Westeuropa. Seit 2007 hat er sich über die Russische Föderation, Georgien, Armenien, Aserbaidschan, die Ukraine, Weißrussland, Litauen und zuletzt Tschechien sowie Polen immer weiter nach Westen bewegt. Auf Sardinien hält sich die Afrikanische Schweinepest schon seit Ende der 1970er-Jahre. "Anfangs dachte man, die Ausbreitung des Virus wird sich im wahrsten Sinne des Wortes totlaufen, weil die infizierten Tiere so schnell sterben", sagt Mettenleiter. Doch erfüllt hat sich diese Hoffnung nicht.

Der Erreger tarnt sich so geschickt vor dem Immunsystem, dass es bisher keinen Impfstoff gibt

Im direkten Kontakt zwischen Schweinen verbreitet sich der Erreger über Kot, Urin, Blut, Speichel und andere Körperflüssigkeiten. Eine entscheidendere Rolle für die kontinent- und länderübergreifende Verbreitung spielt die indirekte Übertragung über "einen Vektor, den wir gut kennen: den Menschen", wie Mettenleiter sagt. Verunreinigte Tiertransporter, Kleidung, Schuhe - all das kann das ASP-Virus in eine neue Region bringen. Das größte Risiko geht von infizierten Fleischprodukten aus. "Ein kontaminiertes Schinkenbrötchen kann reichen, um die Afrikanische Schweinepest hier einzubringen", sagt der FLI-Präsident.

In Schinken hält sich der Erreger mehrere Monate oder sogar Jahre, und die derzeitige kalte Witterung kommt ihm zusätzlich zugute. Sollten sich bei einem Ausbruch zuerst Wildschweine infizieren, kann die Seuche auch über Spaziergänger oder Pilzsammler in Haustierbestände eingeschleppt werden. Wichtig sei es, so Mettenleiter, im Falle eines Ausbruchs möglichst schon das erste infizierte Tier zu erkennen. Daher sollten Jäger Proben tot aufgefundener Wildschweine einschicken.

Der Schrecken der ASP wäre nur halb so groß, ließen sich die Tiere gegen den Erreger impfen. Doch ein Vakzin existiert nicht. Das Virus macht es Impfstoffentwicklern schwer, und das, obwohl es nicht einmal besonders wandlungsfähig ist wie etwa der Grippe-Erreger. Doch das ASP-Virus ist deutlich komplexer als viele andere Erreger und weiß sich bestens vor dem Immunsystem zu tarnen. Auch dies trägt dazu bei, dass die Afrikanische Schweinepest dort, wo sie sich einmal festgesetzt hat, zum Langzeitproblem wird. "Es gibt in den vergangenen Jahren kein Land, das die ASP kurzfristig wieder losgeworden ist", sagt Mettenleiter.

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