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Tierschutz:Legaler Handel mit dem Nashorn?

Täglich werden in Südafrika Nashörner abgeschlachtet, 2012 starben bereits 251 Tiere. Ihre Hörner werden als Pulver in China und Vietnam als traditionelle Heilmittel verwendet. Manche Experten wollen nun die Wilderei nun mit legalem Handel eindämmen.

Juliette Irmer

Auch Barendina hat ihr Horn verloren. Diebe schnitten dem Rhinozeros vor wenigen Monaten das vermeintlich kostbare Stück ab. Doch an dieser Beute dürften sie wenig Freude gehabt haben: Barendina ist kein lebendes Tier, sondern eine Nashorn-Skulptur aus Fiberglas auf dem Gelände eines Zuchtzentrums in Südafrika. Dass nun sogar Kunststoff-Hörner geklaut werden, zeigt, wie groß das Problem der Wilderei in Südafrika ist.

A white rhino and its baby cross a road on the drying shores of Lake Nakuru in Kenya's Rift Valley

Brautmaulnashorn mit Jungtier. Immer mehr Nashörner fallen Wilderern zum Opfer, weil in Asien manche Menschen im Rahmen der sogenannten traditionellen chinesischen Medizin Pulver aus dem Horn der Tiere als Heilmittel einsetzen.

(Foto: Reuters)

Viele private Tierparkbesitzer und Wissenschaftler schlagen nun einen neuen Weg vor, um die Jagd auf Rhinozeros-Hörner zu stoppen. Der Hornhandel solle freigegeben werden, fordern sie. Wird die Nachfrage legal bedient, entzieht das dem illegalen Handel den Boden, so lautet die Theorie. Neuerdings denkt auch die Umweltministerin Südafrikas öffentlich über die Freigabe des Handels mit Rhinozeroshorn nach.

Seit 2008 ist die Wilderei in Südafrika sprunghaft gestiegen, von etwa zwölf toten Tieren pro Jahr auf 448 erlegte Nashörner 2011. Mittlerweile werden fast täglich zwei Nashörner abgeschlachtet, 2012 starben bereits 251 Tiere. Schmuggler bringen die Hörner nach China und Vietnam, wo Nashornpulver als Heilmittel gilt. Auf dem Schwarzmarkt bringt ein durchschnittlich großes, sieben Kilogramm schweres Horn etwa 350.000 Euro ein. Das macht es wertvoller als Gold oder Kokain.

Wird die Wilderei-Rate nicht gedrosselt, werden bereits 2016 mehr Nashörner getötet als geboren werden", sagt Markus Hofmeyr, leitender Tierarzt bei der südafrikanischen Nationalparkbehörde. "Hält das Tempo an, sind die Tiere 2050 ausgerottet." Ein Blick nach Asien zeigt, dass diese Warnung nicht übertrieben ist: Zwei der drei asiatischen Nashornarten sind durch Wilderei annähernd ausgerottet, die dritte Art gilt als hochgradig gefährdet.

83 Prozent der insgesamt 25.000 afrikanischen Rhinozerosse leben in Südafrika. Rund 5000 Breitmaulnashörner sind im Besitz privater Tierparkeigentümer. Ihr Schutz ist schwierig und teuer: Die Gebiete in denen die Tiere leben, sind weitläufig, die Zäune müssen täglich kontrolliert werden, Muttertieren wird oft ein Leibwächter zur Seite gestellt. Deshalb enthornen die meisten Farmer ihre Tiere mittlerweile. Doch manche Tiere werden trotz Hornstumpen Opfer der brutalen Schlächterei.

Hitzige Debatte ausgelöst

Viele Nashornfarmer haben sich der Private Rhino Owners Association angeschlossen und fordern nun die Freigabe des Hornhandels. Schätzungsweise 20 Tonnen Horn lagern in Südafrika, ein großer Teil im Besitz privater Nashornfarmer.

Rhinozeros Diebstahl Europa

Überblick über Diebstähle von Hörnern 2011 in Europa.

(Foto: SZ-Graphik, Ilona Burgarth / dpa)

"Wir können den Bedarf an Horn 15 bis 30 Jahre lang bedienen", sagt John Hume, der größte Nashornfarmer der Welt, der allen seinen 764 Nashörnern die Hörner abschneiden hat lassen. "Das gelagerte Horn ist Millionen wert. Der beste Weg, die Zukunft der Nashörner zu sichern, ist, lebendige Tiere wirtschaftlich wertvoll zu machen." Rhinohorn wächst wie menschliche Fingernägel nach und könnte somit fortlaufend "geerntet" werden.

Die Bekanntmachung der Umweltministerin hat eine hitzige Debatte ausgelöst. Tierschutzorganisationen wie OSCAP (Outraged SA Citizens Against Poaching) und der WWF machen darauf aufmerksam, dass die Rechnung der Legalisierungsanhänger einige Unbekannte enthält. So wird davon ausgegangen, dass der legale Verkauf des Horns zu einem Preissturz führen wird, der die Wilderei unattraktiv macht.

Die Freigabe des Hornhandels könnte die Nachfrage aber auch weiter anheizen, wie unlängst beim Elfenbein geschehen. Und kann die Nachfrage legal nicht bedient werden, wird weiter gewildert werden.

Vorerst bleibt der Handel mit Horn ohnehin verboten, denn für ein neues Handelsabkommen müssten sich zwei Drittel der Abstimmungsberechtigten für eine Änderung des Artenschutzabkommens aussprechen. Experten vermuten, dass eine solche Änderung mehrere Jahre beanspruchen würde.

© SZ vom 09.07.2012/mcs
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