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Tierschutz:Verbündete in aller Welt

Dafür hat er weltweit Verbündete. Die internationale Bewegung für die Rechte der Menschenaffen ist vor allem mit einem Namen verbunden: Peter Singer. Im Jahr 1975 veröffentlichte der australische Philosoph und Bioethiker das Buch Animal Liberation - Die Befreiung der Tiere.

Wenn wir Menschenaffen beobachten, erinnern sie uns stark an uns selbst. Doch ihnen Grundrechte auf Leben, Freiheit und Unversehrtheit zuzugestehen, fällt uns schwer.

(Foto: AP)

Gerade in Deutschland entfacht die Person Singer immer wieder erbitterten Streit. Der Philosoph fragt danach, ob ein Lebewesen seine Umwelt und sich selbst bewusst erlebt. Zwar sei ein Embryo deshalb schützenswert, weil sein Tod Mutter und Vater leiden lassen könne. Doch der Embryo selbst könne noch nicht empfinden, habe keine Interessen. Singer würde eher an menschlichen Babys forschen, die ohne Gehirn geboren werden, als an gesunden Menschenaffen.

Singer selbst fühlt sich falsch verstanden, doch in Deutschland erinnern seine Ideen viele an die Schrecken der NS-Euthanasie. Für viele Tierschützer sind seine Ansichten dennoch wichtig. So sind Menschenaffen für Singer eindeutig Personen.

Der Bioethiker ist geistiger Vater und Ehrenvorsitzender des Great Ape Projects (GAP). Die weltweite Initiative will Grundrechte für Menschenaffen erstreiten, unterstützt von Prominenten wie der Schimpansenforscherin Jane Goodall. Ebenso wie die Aktivisten aus Österreich setzt sich auch GAP für drei Rechte ein: Leben, Freiheit und körperliche Unversehrtheit.

Die Aktivisten wollen auch Tierversuche weltweit verboten sehen. Zwar experimentieren Wissenschaftler in der Europäischen Union nicht mehr mit Menschenaffen. Im Mai 2010 einigten sich die Regierungen der EU-Staaten sogar darauf, solche Forschung künftig grundsätzlich zu verbieten.

Ausnahmen soll es nur geben, wenn in Europa plötzlich eine lebensgefährliche Krankheit ausbricht oder wenn die Affen selbst in Gefahr sind. Doch in anderen Ländern, etwa Gabun und den USA, werden noch immer Menschenaffen als Versuchsobjekte eingesetzt. Forscher infizieren sie mit HIV- oder Hepatitis-Viren. Dann testen sie an den kranken Tieren Medikamente und Impfstoffe.

Wie sehr diese Versuche dem Menschen tatsächlich nutzen, ist umstritten. Tierschützer glauben nicht nur, dass solche Versuche grausam sind. Sie sagen auch, ihr Nutzen sei äußerst gering.

Wissenschaftler, die mit Menschenaffen experimentieren, verteidigen ihre Arbeit allerdings. Gerade weil Schimpansen den Menschen genetisch so ähnlich sind, seien Testergebnisse sehr wertvoll. Wer Menschenaffen schützen will, steht zudem vor der Frage, ob weniger hoch entwickelte Tiere weiterhin im Dienst der Wissenschaft leiden sollen.

Tatsächlich waren viele medizinische Entdeckungen nur durch Tierversuche möglich. Dennoch fordern die GAP-Aktivisten, dass kein einziges Tier mehr für Versuche genutzt wird. Sie glauben, alle Tierversuche würden durch moderne Technologien überflüssig. Der Kampf für die Rechte der Menschenaffen soll nur der erste Schritt sein.

Bereits 1999 wurden einige Ziele des GAP mit dem Animal Welfare Act ins neuseeländische Tierschutzrecht aufgenommen. Menschenaffen erhielten einen besonderen Schutz, der sie rechtlich von anderen Tieren unterscheidet - weltweit zum ersten Mal.

Das Gesetz verpflichtet Besitzer und Betreuer dazu, der Gesundheit, den Bedürfnissen und dem natürlichen Verhalten der Tiere gerecht zu werden. Wissenschaftler dürfen nur unter zwei Bedingungen an Menschenaffen forschen: Die Ergebnisse müssen den Affen selbst zugutekommen und schwerer wiegen als das Leid der Tiere im Labor.

Auch in Spanien kämpfen Aktivisten des Great Ape Projects für Tierrechte. Das spanische Parlament forderte Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero im Juni 2008 auf, Menschenaffen Grundrechte einzuräumen und sich damit den GAP-Zielen anzuschließen. Doch die Vorschläge der Initiative wurden nicht umgesetzt, und so blieb Neuseeland der einzige Vorreiter.

Lebenslange Anklage

In der deutschen Politik sind es vor allem die Grünen, bei denen die Ideen der Tierschützer Anklang finden. "Menschenaffen sind uns als Mitlebewesen besonders nah. Wir sollten ihre Individualität, ihre Freiheit und ihre Unversehrtheit respektieren", sagt Undine Kurth, tierschutzpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion. "Wenn wir nicht wirklich artgerechte Lebensbedingungen herstellen können, heißt Zoo lebenslänglich ohne Anklage."

Vor allem Menschenaffen litten darunter, ständig beobachtet und zur Schau gestellt zu werden. Sie spürten es, wenn sie vorgeführt würden. Artenschutz beginne nicht im Zoo, sondern damit, natürliche Lebensräume zu erhalten.

Die Rhetorik einiger Tierschützer hält Politikerin Kurth allerdings für problematisch, beispielsweise wenn von Affenfolter gesprochen würde. Den Begriff der Folter unbedingt auf Affen übertragen zu wollen verkompliziere die Diskussion. Zunächst müssten die Bürger über die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Menschenaffen informiert werden. Mit Unterstützung aus der Gesellschaft sei es leichter, für politische Mehrheiten zu werben.