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Tierschutz:Forscher wollen Affen gegen Ebola impfen

A Chinese zookeeper vaccinates a 44-day-old chimp at Hefei Safari Park, East China's Anhui province.

In Zukunft vor dem Virus gefeit? Ein Schimpanse bekommt eine Impfspritze.

(Foto: Reuters)

Das Virus hat etwa ein Drittel der weltweit lebenden Gorillas getötet. Ein Impfschutz wäre denkbar: Es gibt sogar ein Vakzin, das sich von Tier zu Tier ausbreitet.

Von Kai Kupferschmidt

Der große Ebola-Ausbruch im Jahr 2014 hat mehr als 11000 Menschen getötet. In Guinea, Liberia und Sierra Leone kümmern sich Forscher und Ärzte jetzt vor allem um die zigtausend Überlebenden, von denen viele unter den körperlichen und seelischen Folgen leiden. Doch auch eine andere Opfergruppe tritt jetzt wieder in den Fokus: die Menschenaffen.

Ebola ist für Menschenaffen ähnlich gefährlich wie für Menschen. Peter Walsh von der Universität Cambridge, glaubt gar, dass das Virus die Existenz der Menschenaffen bedrohen könnte. "Kein anderer Erreger hat einen ähnlichen Schaden verursacht wie Ebola", sagt der Forscher. Zwischen 1985 und 2010 habe das Virus etwa ein Drittel der weltweit lebenden Gorillas getötet, schätzt er. 2006 hat Walsh in einer Studie im Fachblatt Science vorgerechnet, dass in den Jahren 2002 und 2003 rund 5000 Gorillas in der Umgebung des Lossi-Nationalparks in der Republik Kongo an dem Virus verendet seien.

"Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für diese Debatte"

Schon seit vielen Jahren wird deshalb diskutiert, ob Schimpansen und Gorillas gegen den Erreger geimpft werden könnten und sollten. Nachdem der Ausbruch in Westafrika nun überstanden sei und erstmals ein Impfstoff erprobt wurde, breche sich diese Diskussion wieder Bahn, sagt Fabian Leendertz vom Robert-Koch-Institut. In der Fachzeitschrift Mammal Review hat Leendertz in dieser Woche einen Übersichtsartikel zu dem Thema veröffentlicht. Darin fordert er Primatenforscher, Virologen, Naturschützer und Ökologen dazu auf, die Frage gemeinsam anzugehen. "Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für diese Debatte", sagt auch William Karesh von der Eco Health Alliance, einer Nichtregierungsorganisation in den USA.

Schon bei der Einschätzung der Gefahr gehen die Meinungen allerdings auseinander. So sieht Leendertz die Science-Studie kritisch. Sie beruhe auf unsicheren Daten zur Verbreitung von Menschenaffen, sagt er. Dass Ebola für die Tiere eine Gefahr darstellt, bestätigt aber auch der Robert-Koch-Experte. Und die Krankheit werde gefährlicher, je besser der Tierschutz funktioniere. Mit steigenden Populationen kann sich das Ebola-Virus leichter ausbreiten. "Dann wird das auf einmal wichtiger mit der Krankheitsvorsorge", sagt Leendertz.

Und es gibt ein weiteres Argument für eine Impfung: Viele Ebola-Ausbrüche beginnen mit einer Übertragung von Affen auf den Menschen. Allein zwischen Oktober 2001 und Mai 2005 sind fünf Ebola-Ausbrüche dokumentiert, die auf den Kontakt mit toten Tieren zurückzuführen sind, meist Gorillas und Schimpansen. Ob der Ausbruch von 2014 auch auf diesem Weg begann, ist bislang nicht bekannt, aber im gleichen Jahr kam es auch in der Demokratischen Republik Kongo zu einem Ausbruch, der mindestens 49 Menschen tötete. Er begann vermutlich, als die schwangere Frau eines Jägers einen kontaminierten Affen zubereitete, den ihr Mann mitgebracht hatte. Eine Impfung der Tiere könnte also auch Menschen schützen.

"Den Impfstoff zu entwickeln ist allerdings der einfachste Teil"

Mindestens einen Impfstoff gibt es mittlerweile. Das Vakzin VSV-EboV hat sich bei seiner Testung in Guinea als effektiv erwiesen. Aus einer theoretischen Diskussion ist somit eine reale geworden. "Den Impfstoff zu entwickeln ist allerdings der einfachste Teil", warnt Karesh. "Der schwierigste Teil ist es, ein Impfprogramm auf die Beine zu stellen: Wen impfen Sie? Wann? Und vor allem wie?" Das gilt für Menschen wie für Tiere. Vermutlich würde VSV-EboV auch oral wirken. Dann könnten Köder mit dem Impfstoff ausgelegt werden, doch selbst das dürfte in den Wäldern Zentralafrikas eine riesige Anstrengung sein. "Denken Sie mal an Tollwut", sagt Karesh "Da haben wir einen sicheren, effektiven Impfstoff. Aber es gelingt uns in Indien, in Indonesien und an anderen Orten nicht, alle Hunde zu erreichen."

Eine andere Möglichkeit wäre ein Impfstoff, der sich von Tier zu Tier ausbreitet. Tatsächlich haben Forscher bereits einen solchen entwickelt. Er basiert auf dem Cytomegalovirus, und eine Studie im Februar dieses Jahres hat gezeigt, dass er Rhesusaffen vor Ebola schützt. Allerdings ruft ein Impfstoff, der sich selbst ausbreitet, auch Ängste hervor.

"Es dürfte deutlich schwerer sein, dafür einen Konsens zu finden", sagt Karesh. Ohnehin sind viele Naturschützer dagegen, die wilden Tiere zu impfen. "Sie glauben, dass man in die Natur nicht eingreifen sollte", sagt Karesh. Für ihn gilt das Argument nicht. Schließlich habe der Mensch erst durch Jagd und Umweltzerstörung die Menschenaffen dezimiert. "Dass diese Tiere bedroht sind, ist die Schuld des Menschen. Darum haben wir auch eine gewisse Verpflichtung, sie nun zu schützen."

© SZ vom 07.12.2016/beu

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