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Tierpsychologie:Der fiese Affe ist besonders attraktiv

Bonobos

Bonobos finden gemeine Artgenossen gut.

(Foto: Heungjin Ryu (CC BY-NC 4.0))
  • In einem Experiment wendeten sich die Tiere häufiger dem Fiesling zu als dem Helfer.
  • Die Forscher halten die Vorliebe der Menschen für helfende Hände für eine Eigenschaft, die sich im Laufe der Evolution entwickelt hat und den Affen fehlt.
  • Die Tiere hingegen scheinen grobes Vorgehen gegen andere als Stärke zu interpretieren, die nur ranghohen Gruppenmitgliedern vorbehalten ist.

Folgende Szene: Spielt ein Junge mit einer Puppe, sie fällt ihm herunter. Ein zweiter hebt sie auf und will sie seinem Spielkameraden reichen, aber da funkt blitzschnell ein Dritter dazwischen und reißt das Spielzeug an sich. Nicht besonders sympathisch, denken wohl die meisten Menschen. Bonobos hingegen, eine eng mit dem Menschen verwandte Primatenart, scheinen auf solcherlei Verhalten zu stehen. Wenn sie in einem Experiment dieses Geschehen bei Menschen beobachteten, wendeten sie sich hinterher häufiger dem Fiesling zu als dem Helfer.

Dieses auf den ersten Blick merkwürdige Verhalten entdeckten die Anthropologen Christopher Krupenye und Brian Hare von der Duke University in Durham bei 24 Bonobos, die in Gefangenschaft gehalten wurden. Menschen reagieren in der Regel anders. Ältere Experimente hatten gezeigt, dass selbst drei Monate alte Babys sich immer dem freundlichen Menschen zuwenden. Die beiden Forscher wollten wissen, ob auch Bonobos dieses Verhalten zeigen und entwickelten verschiedene Versuche, um dies zu ergründen.

Manche Verhaltensforscher nennen sie scherzhaft "Hippies"

Und immer wieder beobachteten sie, wie sich die Affen vom unfreundlichen Verhalten angezogen fühlten. In einem weiteren Experiment etwa versuchte eine Pac-Man-artige Figur auf einem Bildschirm, eine Treppe zu erklimmen. Einmal half ihr dabei eine zweite Figur, ein anderes Mal stieß ein Fiesling sie wieder hinab. Die Bonobos fanden auch in diesem Fall den garstigen Charakter anziehend, den Helfer jedoch weniger attraktiv.

Krupenye und Hare halten die Vorliebe der Menschen für helfende Hände für eine Eigenschaft, die sich im Laufe der Evolution entwickelt hat und die Grundlage für die kooperative Lebensweise des Homo sapiens bildet. Das Verhalten der Bonobos interpretieren die Forscher hingegen als archaischere Variante. Die Tiere scheinen grobes Vorgehen gegen andere als Stärke zu interpretieren, die ranghohen Gruppenmitgliedern vorbehalten ist.

Kooperation ist aus ihrer Sicht eher etwas für rangniedere Tiere. Denn auch Bonobos helfen einander, sie gelten sogar als die kooperativsten Menschenaffen. Manche Verhaltensforscher nennen sie deshalb scherzhaft "Hippies". "Wenn es um Nahrung geht, sind Bonobos viel freundlicher zu Artgenossen als etwa Schimpansen", sagt Christopher Krupenye. "Dominantes Verhalten ist dennoch eine wichtige Ordnungsgröße in ihrem Leben."

Er und sein Doktorvater Brian Hare vermuten, dass die Ablehnung von unfreundlichem Verhalten bei Menschen einzigartig ist unter Primaten und die evolutionäre Grundlage für den Erfolg des Homo sapiens auf der Erde bildet. Menschen bestrafen Fehlverhalten, indem sie den Grobian, Miesepeter oder Verbrecher aus ihrer Gemeinschaft verbannen. Bereits die Furcht vor der sozialen Isolation führt dazu, dass sich Menschen generell kooperationsbereit zeigen - sogar vollkommen Fremden gegenüber.

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