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Tiere in der Stadt:Großstadtkaninchen leben öfter als Singles

Kaninchen im Tiergarten

Ein Kaninchen in Berlin

(Foto: dpa)

Kaninchen in Städten leben anders als ihre Artgenossen auf dem Land. In Metropolen sind die Bauten kleiner - und auch im sozialen Bereich hat der urbane Nager so manches mit den Großstadtmenschen gemein.

Von Andrea Hoferichter

Wochenlang lag Madlen Ziege zu Sonnenaufgang oder -untergang in Frankfurter Parks auf der Lauer, stets bewaffnet mit Fernglas und Laptop. Dabei hatte die Doktorandin der Universität Frankfurt keine zwielichtigen Gestalten im Visier, sondern die urbane Wildkaninchenszene. "In der Dämmerung werden die Tiere aktiv und verlassen ihre unterirdischen Bauten, um auf Futtersuche zu gehen", sagt Ziege. Sie und ihr Team wollten herausfinden, wie die City-Hoppler im Vergleich zu Artgenossen auf dem Land leben.

Die Unterschiede sind groß, das berichteten die Forscher im Januar im Fachblatt Journal of Zoology. Demnach wohnen Stadtkaninchen lieber in Pärchen- oder Single- "Apartments" statt in tummeligen Mehrfamilien-Gemeinschaften.

Für ihre Untersuchungen haben die Biologen 191 Kaninchenbauten in der Innenstadt, in Vororten und auf dem Land analysiert. Unter anderem haben sie untersucht, wie viele Asphaltflächen es in der Nähe gibt.

In manchen Städten wachsen die Kaninchenbestände

Außerdem haben sie die Ein- und Ausgänge der unterirdischen Behausungen gezählt. "Studien zeigen, dass Zahl und Abstand der Löcher ein gutes Maß für die Größe eines Baus sind", sagt Ziege. Und siehe da: Während die unterirdischen Tunnelsysteme auf dem Land in der Regel 30 bis 40 Öffnungen hatten, waren es in der Stadt meistens nur fünf oder sechs. Urbane Tiere bauen also kleinere Häuser.

Wildkaninchen sind schon seit vielen Jahrzehnten in Städten zu Hause, in Frankfurt seit mindestens dem Jahr 1930. "Erstaunlich ist, dass die Bestände hier stabil sind oder sogar noch wachsen", sagt Ziege. Mitunter gelten Kaninchen sogar als Plage, denn sie durchlöchern die Böden und plündern Gemüsebeete.

Auf dem Land dagegen haben sich die Bestände, die vor allem im vergangenen Jahrhundert durch Kaninchenpest und Chinaseuche stark geschrumpft sind, mancherorts noch immer nicht erholt. "Das liegt vor allem an der zunehmend eintönigen, durch landwirtschaftlich genutzte Felder geprägten Landschaft", vermutet die Biologin.

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