Süddeutsche Zeitung

Tiefsee:Der Todeskuss des Riesenkraken

Erstmals haben Forscher den seltenen Riesenkraken Haliphron atlanticus in der Tiefsee gefilmt. Doch warum führt der geisterhafte Oktopus seine Beute spazieren?

Einem Forscherteam sind erstmals Unterwasseraufnahmen des seltenen Oktopoden Haliphron atlanticus gelungen. Mithilfe eines Unterwasserroboters verfolgten Meeresbiologen ein Weibchen im Pazifik. Viel ist nicht über den achtarmigen Kraken bekannt. Das liegt vor allem daran, dass die Tiere in der Tiefsee leben.

Was man bislang weiß: Unter den Oktopoden sind die Weibchen die Chefs. Bis zu vier Meter lang und 75 Kilogramm schwer werden weibliche Oktopusse dieser Art, nur der Pazifische Riesenkrake wird größer. Haliphron-Männchen bringen es dagegen auf gerade einmal 30 Zentimeter.

Die Forscher aus dem kalifornischen Monterey und vom Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung schließen aus den nun angefertigten Aufnahmen, dass auf dem Speisezettel von H. atlanticus bevorzugt Quallen stehen. Auch im Magen von fünf toten Exemplaren fanden die Biologen Überreste der Glibbertiere, schreiben sie im Fachblatt Scientific Reports.

Auf den Bildern ist der Oktopode zusammen mit seiner Beute zu sehen. In seinen Fangarmen hält das Weibchen Reste einer großen Qualle umklammert - den Großteil der Beute hat der Tiefseekrake wohl bereits verspeist, den Schirm der Qualle aber hat er aufgehoben.

Unklar ist, warum der Oktopode einen Teil seiner Beute nicht frisst, sondern wie ein Souvenir mit sich trägt. Die Forscher vermuten, die Kraken-Weibchen könnten Schirme von Quallen aufgrund ihrer Nesselzellen zur Abwehr von Feinden nutzen - oder als Köder, um weitere Beute anzulocken.

Quallen und Tintenfische sind ein wichtiges Glied in der Nahrungskette des offenen Ozeans, der sogenannten pelagischen Zone. Haliphron atlanticus selbst wird vermutlich von größeren Tieren wie Pottwalen und Blauhaien gejagt.

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SZ.de/chrb/fehu
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