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Klimawandel:Globale Temperaturen erreichen im April neuen Rekord

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Der vergangene Monat war der wärmste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Obwohl Deutschland länger unter einer Kälteglocke lag, war es auch hier insgesamt zu warm.

Von Christoph von Eichhorn und Sören Müller-Hansen

Lange Zeit fühlte sich der April in Deutschland nicht unbedingt nach Frühling an: Kalte Polarluft ließ die Temperaturen ab der Monatsmitte unter den Gefrierpunkt absacken, in den Mittelgebirgen und den Alpen fiel Schnee, Obst- und Weinbauern klagten über Frostschäden. Trotzdem war der Monat hierzulande am Ende 2,6 Grad wärmer als ein typischer April vor einem halben Jahrhundert, teilte der Deutsche Wetterdienst kürzlich mit - eine klare Folge der Erderwärmung.

Global betrachtet war der April 2024 sogar der wärmste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, wie der EU-Erdbeobachtungsdienst Copernicus soeben ermittelt hat. Laut den Klimaforschern war es im vergangenen Monat um 1,58 Grad wärmer als in den Aprilmonaten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Den Zeitraum von 1991 bis 2020 übertrafen die Temperaturen des diesjährigen Aprils um 0,67 Grad. Überraschend ist das kaum noch, laut Copernicus ist es der elfte Rekord-Monat in Folge.

Seit rund einem Jahr liegen die globalen Temperaturen nun oberhalb der im Pariser Klimavertrag vereinbarten Schwelle von 1,5 Grad, verglichen mit dem vorindustriellen Niveau.

Laut den Copernicus-Daten war es zuletzt beispielsweise in Osteuropa, Nordamerika, Grönland sowie dem Großteil Afrikas zu warm. Viele Länder Asiens leiden derzeit unter extremer Hitze. So erlebt Bangladesch die längste Hitzewelle seit mindestens 75 Jahren, gab der dortige Wetterdienst vor einigen Tagen bekannt. 30 Tage lang in Folge war es in weiten Teilen des Landes mindestens 36 Grad heiß, zuletzt um die 40 Grad. Innerhalb Europas sticht der Süden aufgrund ausbleibender Niederschläge heraus: In Spanien, Italien oder der Türkei war es im April trockener als üblich. Etwas kühlere Temperaturen als im Durchschnitt gab es in Skandinavien oder Island.

Für die globalen Extreme sind zudem die derzeit außergewöhnlichen heißen Ozeane bedeutsam. Die Oberflächentemperaturen der Meere haben zum 13. Mal in Folge einen neuen Monatsrekord aufgestellt. Und das, obwohl das natürliche Klimaphänomen El Niño, das etwa die Temperaturen im östlichen Pazifik ansteigen lässt, derzeit abklingt.

"Temperaturschwankungen, die mit natürlichen Zyklen wie El Niño in Verbindung stehen, kommen und gehen", wird Carlo Buontempo, Chef des Klimawandeldienstes von Copernicus, in einer Mitteilung zitiert. Die steigenden Treibhausgas-Konzentrationen führten jedoch dazu, dass langfristig mehr Energie in den Ozeanen und in der Atmosphäre eingefangen werde, so Buontempo. Das werde "die globale Temperatur weiter zu neuen Rekorden treiben".

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