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Ayurveda:Das "Wissen um ein langes Leben"

Die Behauptungen, das Quecksilber - anzuraten vor allem zur Behandlung von Leukämie - werde in einem komplizierten "Destillationsprozess" zu einer ungiftigen, aber hochwirksamen "Silbermedizin" (Bhasma) umgewandelt, sind gefährlicher Unfug.

Tatsächlich besteht das "Umwandlungsverfahren" in einem simplen Erhitzen des jeweiligen Stoffes und anschließendem Vermischen mit Öl, Buttermilch und dergleichen; auch Arsen, Blei und andere toxische Stoffe werden auf diese Weise "entgiftet".

Ob der durchaus mögliche Entspannungseffekt von Abhyanga (Ganzkörperölmassage), Svedana (Kräuterdampfbad) oder Pranayama (Atemübungen) den Preis von 4000 Euro und darüber für eine Zwei-Wochen-Kur rechtfertigt, muss jeder Patient selbst entscheiden. Die Kassen bezahlen ayurvedische Behandlungen üblicherweise nicht.

Längst wird das Hindu-Heilverfahren des Ayurveda auch von hiesigen Heilpraktikern, Ärzten oder Sanatorien angeboten, die weder der Maharishi- noch einer sonstigen Sektenorganisation zugehören oder nahestehen.

Auch bei Praktikern, die in seriöserem Gewande auftreten, gilt indes der warnende Hinweis: Wer ausschließlich auf Ayurveda vertraut, riskiert, dass schwere Erkrankungen übersehen werden und eine angemessene Behandlung versäumt wird.

Interessant in Hinblick auf die Qualifikation von Ayurveda-Praktikern sind übrigens die Studiengänge, die etwa von der marktführenden Münchener SEVA Ayurveda Akademie angeboten werden: Eine Grundausbildung dauert fünf Tage (795 Euro), eine darauf aufbauende Fortbildung beispielsweise in "Innerer Medizin" vier Tage (600 Euro) .

An der Europäischen Akademie für Ayurveda bei Frankfurt umfasst die Grundausbildung immerhin sechs Tage (825 Euro), die Komplettausbildung zum Ayurvedatherapeuten 31 Tage (4495 Euro). Viele Praktiker erwerben ihre fachlichen Kenntnisse auch auf Urlaubstrips nach Indien oder Sri Lanka, wo eine Vielzahl an "Ausbildungsinstituten", angeschlossen oftmals an Hotels oder Touristenresorts, ihre Dienste feilbieten.

Die an Ayurveda vorgetragene Kritik muss übrigens auch an all den anderen Verfahren beziehungsweise Verfahrensfragmenten geübt werden, die aus schamanistisch geprägten Heiltraditionen (Tibeter, Afghanen, Filipinos, Indianer, Hawaiianer, Eskimos und vieles mehr) herausgebrochen und - meist ohne tiefergehende kulturanthropologische und/oder medizinische Erfahrung oder Kompetenz der einzelnen Praktiker - hierzulande als ursprüngliche Natur- oder Volksheilverfahren propagiert werden.

Colin Goldner ist klinischer Psychologe. Er setzt sich seit etlichen Jahren kritisch mit alternativen Heilverfahren auseinander.