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Aloe Vera / Kolloidales Silber:Die wundersame Wüstenlilie

Aloe Vera soll helfen bei der Behandlung fast jeder nur denkbaren Verletzung oder Krankheit. Doch das ist leider nur ein Mythos. Ähnliches gilt für kolloidales Silber.

Aloe Vera gilt in der Alternativheilkunde als Wundermittel schlechthin. Die Rede ist von der gleichnamigen Wüstenlilie (Echte Aloe - Aloe vera), genauer gesagt: vom Presssaft aus Mark oder Blattrinde dieser Pflanze, der bei der Behandlung jeder nur denkbaren Verletzung oder Erkrankung nützlich sein soll.

Fast schon eine Wunderpflanze soll Aloe Vera sein.

(Foto: Foto: iStock)

Der Katalog an äußeren Einsatzmöglichkeiten - Aloe Vera wird hier als Spray, Salbe oder Gel aufgetragen - reicht von Schnittwunden, Verbrennungen, Dermatosen und Ekzemen bis hin zu Quetschungen, Verstauchungen und Zerrungen.

Kaum ein Sportler, der Muskelkater oder eine leichte Prellung nicht mit einem Aloe-Vera-Gel behandelte. Auch in Kosmetikprodukten finden sich allenthalben Aloe-Vera-Bestandteile.

Der wahre Wert der angeblich "ältesten Heilpflanze der Welt" soll sich indes erst bei innerer Anwendung zeigen: Aloe-Vera-Präparate seien hilfreich nicht nur bei Asthma, Blasenschwäche, Katarrh und Verstopfung, sondern auch bei Herz-Kreislauf-Störungen, Lungenerkrankungen, Magengeschwüren, Nierensteinen, Herpesinfekten und Zysten; selbst bei Krebs und Aids wirke die "Heilkraft aus der Wüste" in unglaublicher Weise, ganz abgesehen von der "hochwirksamen Hilfe bei radioaktiven Strahlenschäden."

Bezeichnend ist insofern die Propaganda einer großen Vertriebskette für Aloe-Vera-Produkte: "Keine andere Pflanze besitzt eine so große Wirkstoffvielfalt, deren einzigartige Kombination und Konzentration dieses unglaubliche Wirkungsspektrum hervorruft."

Auf wundersame Art sei Aloe Vera in der Lage, "die Entgiftung des Körpers zu unterstützen und ihn auf sanfte Weise von schädlichen Ablagerungen zu befreien."

Ungeachtet aller Behauptungen über mehr als 6000-jährige Erfahrung mit der "Königin der Heilpflanzen": es gibt bis heute keinerlei seriösen Hinweis auf eine therapeutische Wirksamkeit von Aloe Vera. Allenfalls kann Aloe-Vera-haltigem Saft abführende Wirkung zukommen.

Unbewiesene Mythen

Alles andere sind unbewiesene Mythen. Noch nicht einmal der vielbesungene Wundereffekt von Aloe Vera in der Erste-Hilfe-Behandlung von Hautverletzungen ist klinisch-experimentell belegt. Insbesondere lassen sich mit Aloe Vera keine Infektionen verhindern, auch wirken die Mittel nicht gegen Bakterien, Viren oder Pilze, wie in alternativheilkundlichen Werbeartikeln immer wieder zu lesen steht.

Hingegen wurde in kritischen Publikationen von schweren Allergien und Hautausschlägen nach der Verwendung Aloe-Vera-haltiger Cremes berichtet sowie von potentiell krebserregenden Veränderungen der Darmschleimhaut bei oraler Aufnahme von Aloe-Vera-haltigen Säften und Tinkturen.

Nach jahrelangem Rechtsstreit verbot das Landgericht München deshalb einem Hersteller von Aloe-Vera-Produkten, seine irreführenden Reklamebehauptungen über deren wundersame Heilkräfte weiter aufrechtzuerhalten.

Dem weitverbreiteten Glauben an die positiven Wirkkräfte der Aloe Vera hat dieses Werbeverbot keinen Abbruch getan. Aloe-Vera-Produkte boomen. Desgleichen Wunderprodukte aus oder mit Bestandteilen von Boswellia (Weihrauch), Chlorella (Süsswasseralge), Flachskeimen, Gelbwurz, Gelée Royale, Ginseng, Grapefruitsamen, Grüntee, Ingwer, Kombucha (Teepilz), Ling-Zhi (Langlebenspilz), Muschelextrakten, Papaya, Nachtkerzenöl, Noni (polynesische Wunderfrucht), Schwarzkümmel, Spirulina (Mikroalgen), Teebaumöl oder Weintraubenkernen.

Auch für die behaupteten Wunderwirkungen von Aminosäuren, L-Carnitin (ein Vitamin-B-Derivat), Omega-3-(6)-Fettsäuren, Karotinoiden, Pflanzenenzymen (Cellulase) oder von Megadosen Vitamin C oder E gibt es keinerlei seriösen Beleg.

Lesen Sie hier weiter: Hilft Kolloidales Silber?

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