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Gehirnforschung:Teenies nutzen ihr Gehirn beim Lernen besser als Erwachsene

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Wer ein Musikinstrument erlernen will, sollte damit früh anfangen.

(Foto: dpa)

Das Urteil mancher Eltern ist klar: Der Nachwuchs ist rebellisch, aufmüpfig oder depressiv. Doch das Gehirn von Jugendlichen ist gar nicht verschroben, sondern nur viel besser darin, Erlebtes zu verarbeiten.

Die Ohnmacht ist eine stete Begleiterin des elterlichen Erlebens. Ganz besonders präsent wird sie, wenn sich die niedlichen Kleinen in seltsame Halbwüchsige verwandeln. Wenn sie wahlweise rebellieren oder sich in ferne Universen zurückziehen, zivilisierte Formen der Kommunikation ablehnen. Und wenn sie vor allem eines nicht mehr zu zeigen bereit sind: Einsicht. Vater und Mutter dürfen sich dann erschöpft fragen, was bloß mit ihrem Kind los ist.

Eltern sind nicht die Einzigen, die sich mit dem sonderbaren Verhalten Heranwachsender beschäftigen. Die Umwälzungen in den Gehirnen des menschlichen Nachwuchses, all das, was Teenager aufmüpfig, depressiv und lernunwillig durch ihr noch junges Leben schlittern lässt, es beschäftigt heute einen beachtlichen Forschungsapparat. Eine der wichtigsten Fragen dabei betrifft das Ausmaß an Bestätigung, welches prägend für das Verhalten ist. Neurologen sprechen von Belohnung. Bislang wusste man nur, dass Jugendliche sehr empfindlich auf Feedback reagieren. Eine Erklärung aber fehlte.

In welchen Bereichen des Gehirns sind Nervenzellen besonders aktiv?

Wie Neurologen aus Harvard und New York jetzt im angesehenen Fachblatt Neuron berichten, gibt es womöglich eine, die sehr positiv ist: Demnach sind die Gehirne von Heranwachsenden an die Herausforderungen des einsichtigen Lernens besser angepasst als der Denkapparat eines Erwachsenen. Sie erinnern sich nicht nur leichter an alles, was sie einstudiert haben, sie reagieren beim Lernen auch viel positiver auf Feedback.

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Zu diesem Schluss kam das Team um Daphna Shohamy vom New Yorker Kavli Institute for Brain Science an der Columbia University, nachdem es Teenager und junge Erwachsene mithilfe eines speziellen Magnetresonanz-Verfahrens untersucht hatte. Damit ließ sich dokumentieren, in welchen Bereichen des Gehirns die Nervenzellen besonders aktiv waren, zum Beispiel, während die Testperson ein Bilderrätsel löste.

Die Forscher streuten thematisch unpassende Bilder als Hintergrundrauschen ein

Die Teilnehmer der aktuellen Studie mussten einen Test absolvieren, bei dem sie sich schrittweise der richtigen Antwort nähern und sich zugleich auch an einzelne Ereignisse während des Lernens erinnern sollten. Sie bekamen dafür Blüten gezeigt und dazu Schmetterlinge, die jeweils eine der Blüten anfliegen können. Außerdem streuten die Forscher thematisch unpassende Bilder als Hintergrundrauschen ein. Alltagssituationen sehen sicher etwas weniger gestellt aus. Aber der Test zeigte, dass Jugendliche im Gegensatz zu Erwachsenen auch die Gedächtnisfunktionen ihres Gehirns beim Lernen nutzen - und durch die Erinnerung an die Bilder im Hintergrund besonders gut behalten konnten, was sie gelernt haben.

Womöglich ist das Gehirn von Jugendlichen also gar nicht sonderbar, sondern nur viel besser angepasst daran, Erlebtes zu verarbeiten. "Im Alltag schenken Teenager ihrer Umwelt auf eine Weise Aufmerksamkeit, die sehr verschieden ist von der Art, wie Erwachsene sie wahrnehmen", sagt Juliet Davidow, die maßgeblich an der Studie beteiligt war. Teamleiterin Shohamy ergänzt, dass sich Teenager in einem Umfeld bewegten, in dem sie bald ganz allein zurechtkommen müssten. Die Pubertät sei daher eine gute Zeit, um besonders effektiv aus Erfahrungen zu lernen.

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