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Technik:In nur drei Stunden von Frankfurt nach New York

Knall, bumm, weg: 13 Jahre nach dem letzten Flug der "Concorde" entwickeln Ingenieure wieder Überschall-Passagierflugzeuge. Die Maschinen sind schnell, lustvoll und natürlich vollkommen unvernünftig.

Von Alexander Stirn

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Champagner Shuttle

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Quelle: Credit: Aerion Corporation

Name: AS2

Konstrukteur: Aerion

Geschwindigkeit: Mach 1,5 (1600 km/h)

Flughöhe: 15 500 Meter

Reichweite: 9000 Kilometer

Passagiere: 12

Konzept: An Bord des ersten Überschall-Privatjets soll es an nichts mangeln - schließlich richtet sich die AS2 an Menschen, die viel Geld haben. Technisch kommt das 52 Meter lange Flugzeug konventionell daher: keine exotischen Materialien, keine besonderen Rumpfformen. Lediglich die Tragflächen sollen ein sogenanntes laminares Profil erhalten. Die Form erzeugt kaum Verwirbelungen, muss allerdings extrem präzise produziert werden. Aufgrund des Überschallknalls der AS2 ist ein Flug mit Höchstgeschwindigkeit nur über dem Meer möglich. Über Land hofft Aerion, auf Mach 1,2 beschleunigen zu dürfen. Bei diesem Tempo wird der Lärm theoretisch an den wärmeren Luftschichten in Erdnähe reflektiert und stört dadurch niemanden.

Geplanter Erstflug: 2021

Kein lauter Donner mehr, sondern eher ein längeres Rumpeln: Lesen Sie hier mit SZ Plus alle Details zu den Maschinen.

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Überflieger

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Quelle: DLR

Name: Spaceliner

Konstrukteur: DLR

Geschwindigkeit: Mach 24 (25 000 km/h)

Flughöhe: 80 000 Meter

Reichweite: 18 000 Kilometer

Passagiere: 50

Konzept: Von Europa nach Australien in 90 Minuten: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat hochfliegende Pläne. Sein Spaceliner, eine seit Jahren Schritt für Schritt verfeinerte Idee, erinnert an das amerikanische Space Shuttle, das bis 2011 viele Astronauten ins All gebracht hat. Wie das große Vorbild besteht auch der Spaceliner aus einer Raketen- und einer Passagiereinheit. Mit seinen neun Triebwerken bringt der Raketenbooster das Gefährt zunächst auf 75 Kilometer Höhe. Dort klinkt sich das flugzeugähnliche Oberteil aus und beschleunigt mit zwei Raketenmotoren auf Mach 24. Vom Rande des Weltalls geht es schließlich hinab zum Zielflughafen. Nach getaner Arbeit können beide Antriebseinheiten erneut verwendet werden.

Geplanter Erstflug: 2045

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Senkrechtstarter

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Quelle: PatentYogi

Name: Zehst

Konstrukteur: Airbus

Geschwindigkeit: Mach 4,5 (4800 km/h)

Flughöhe: 32 000 Meter

Reichweite: 9000 Kilometer

Passagiere: 20

Konzept: Gleich drei Antriebsarten will Airbus mit seinem patentierten Zehst-Konzept verbinden: Das Flugzeug startet zunächst ganz normal mit Jet-Triebwerken. In fünf Kilometern Höhe werden diese eingeklappt, Raketenantriebe übernehmen die Arbeit. Sie katapultieren den Flieger senkrecht in die Höhe, wodurch sich der Überschallknall horizontal verteilt und nicht den Boden erreicht. Bei zweieinhalbfacher Schallgeschwindigkeit springen schließlich sogenannte Staustrahltriebwerke an. Die simplen Aggregate verzichten auf einen Verdichter und gelten daher als besonders effizient. Sie brauchen aber ein hohes Anfangstempo, um überhaupt zu starten. Ob Zehst jemals gebaut wird? Man melde jedes Jahr Hunderte Patente an, nicht jedes werde verwirklicht, heißt es bei Airbus.

Geplanter Erstflug: offen

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Quelle: PR

Name: Boom

Konstrukteur: Boom Technology

Geschwindigkeit: Mach 2,2 (2350 km/h)

Flughöhe: 18 000 Meter

Reichweite: 17 500 Kilometer

Passagiere: 50

Konzept: Nur halb so groß wie die Concorde, dafür einen Tick schneller: Von all den ambitionierten Überschallprojekten, die derzeit geplant werden, hat Boom die besten Chancen, das Erbe der Königin der Lüfte anzutreten. Helfen soll dabei ein Rumpf aus Kohlefaser-Verbundwerkstoffen. Er wiegt wenig und kann der Reibungshitze trotzen, die bei doppelter Schallgeschwindigkeit auftritt. Das Tempo ist nötig, um die Strecke London - New York wie geplant in 3,5 Stunden zu absolvieren. Mit Ticketpreisen von 5000 Dollar schielt Boom auf Passagiere, die bislang ähnliche Summe für einen Platz in der Business Class ausgeben - und doch nicht schneller ankommen als alle anderen Passagiere an Bord. Angeblich sind die ersten zehn Jets zum Stückpreis von 200 Millionen Dollar bereits bestellt.

Geplanter Erstflug: nach 2020

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Kanonenkugel

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Quelle: SZ

Name: Skreemr

Konstrukteur: Charles Bombardier

Geschwindigkeit: Mach 10 (10500 km/h)

Flughöhe: 12000 Meter

Reichweite: offen

Passagiere: 75

Konzept: Der Skreemr (der Name ist eine Verballhornung des englischen Begriffs für "Schrei") ist bisher nur eine Designstudie - und er wird es wohl auch bleiben. Entworfen vom kanadischen Ingenieur Charles Bombardier, soll das Flugzeug von einer sogenannten Railgun in die Luft katapultiert werden, einer Schienenkanone mit einem extrem starken Magnetfeld. Ein Raketenantrieb beschleunigt weiter, bis schließlich ein Scramjet-Triebwerk übernehmen kann. Darin wird der Fahrtwind mit so hohem Druck in die Turbine gepresst, dass er dort mit Wasserstoff bei Überschallgeschwindigkeit verbrennt. Auch wenn die einzelnen Komponenten des Skreemr bereits intensiv erforscht werden, ist das Konzept noch sehr weit vom ersten Einsatz entfernt.

Geplanter Erstflug: vermutlich nie

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Heimkino

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Quelle: Spike Aerospace

Name: Spike S-512

Konstrukteur: Spike Aerospace

Geschwindigkeit: Mach 1,6 (1700 km/h)

Flughöhe: 15 000 Meter

Reichweite: 10 300 Kilometer

Passagiere: 18 Konzept: Es ist das passende Flugzeug für die Smartphone-Generation, aber keines für Menschen mit Platzangst: Statt durchs Fenster blicken die Passagiere in der Spike-Kabine auf rundum montierte Bildschirme. Diese zeigen wahlweise einen Spielfilm oder ein Livebild der Umgebung. Durch Verzicht auf die Gucklöcher hoffen die Spike-Ingenieure, einen festeren und billigeren Rumpf bauen zu können. Filigrane, scharf nach hinten verlaufende Tragflächen sollen zudem den Überschallknall auf ein Minimum reduzieren und auch Flüge über das Land möglich machen. Dadurch könnte der gut 100 Millionen Dollar teure Privatjet die Strecke London - Hongkong in fünfeinhalb Stunden zurücklegen. Nicht viel Zeit, um großformatige Spielfilme zu genießen.

Geplanter Erstflug: nach 2020

5000 Dollar für einen Flug? Lesen Sie hier mit SZ Plus mehr zur Zukunft von Überschallflugzeugen.

© SZ.de/fehu
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