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Suizide unter US-Soldaten:Sterben, wenn der Kampf längst vorbei ist

Seit dem Einmarsch der Amerikaner in Irak töten sich immer mehr Soldaten selbst, warnen Mediziner der US-Armee. 2008 lag die Suizidrate um 80 Prozent höher als 2004. Das könnte auch an den traumatischen Erfahrungen in den Kriegsgebieten liegen.

Das Leben von Soldaten ist nicht nur durch die Waffen des Gegners bedroht. Zunehmend bringen sich Angehörige des US-Militärs auch selbst um, nachdem sie Kampfeinsätze überlebt haben. Das belegt eine Studie des Public Health Command der US-Streitkräfte.

Die Mediziner der militärischen Gesundheitsabteilung haben die Selbsttötungsrate unter US-Soldaten in den Jahren 2007 und 2008 mit den Zahlen aus den vergangenen Jahrzehnten verglichen. Wie sie im Journal Injury Prevention berichten, brachten sich 2007 insgesamt 115 Soldaten um, im Jahr darauf waren es sogar 140. Im Vergleich zur Suizidrate im Jahre 2004, dem Jahr nach der US-Invasion im Irak, ist das ein Anstieg um 80 Prozent.

Dabei war die Zahl der Selbsttötungen innerhalb der US-Streitkräfte zwischen 1977 und 2003 leicht rückläufig und lag sogar unter der Rate der US-Gesellschaft insgesamt. 2008 war die Rate jedoch auf 20,2 Suizide je 100.000 Militärangehörige gestiegen, während sie in der Allgemeinbevölkerung bei zwölf je 100.000 Personen lag.

Aufgrund früherer Beobachtungen vermuten die Mediziner, dass 39 Prozent der Selbsttötungen im Zusammenhang mit den Ereignissen nach 2003, wie dem Krieg in Irak und den andauernden Einsätzen in Afghanistan stehen. Immerhin hatten zwei Drittel der Betroffenen an Kampfhandlungen teilgenommen.

Zeitgleich mit den Suiziden, die vor allem Männer aus den niederen Rängen verübten, war auch die Zahl der psychischen Krankheiten wie Depressionen, Angstzustände und posttraumatisches Stress-Syndrom unter den Soldaten gestiegen. Nach 2003 hatte sich die Zahl der ärztlichen Konsultationen und Behandlungen wegen psychischer Probleme sogar verdoppelt.

Die Ergebnisse ihrer Studie belegen nach Ansicht der Armee-Mediziner den hohen Bedarf eines besseren Frühwarnsystems und einer professionellen Betreuung gefährdeter Soldaten. Insbesondere die Rate der klinisch behandelten psychischen Krankheiten sollte als Warnzeichen interpretiert werden. "Bei Soldaten, die um eine Behandlung psychischer Störungen oder von Drogenmissbrauch nachsuchen, sollten deshalb Maßnahmen ergriffen werden, die Selbsttötungen vorbeugen", schließen sie.