Subvention von Biokraftstoffen in der EU Die Bundesregierung macht sich zum Mittäter in einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Die zweite Folge ist die verstärkte Nachfrage nach Land, wodurch sowohl kleinbäuerliche Betriebe als auch Lebensräume für Menschen, Pflanzen und Tiere zerstört werden. Flächenspekulanten, Hedge-Fonds und Agrarenergie-Konzerne bilden die Spitze eines neuen weltweiten Ansturms auf Land, der Hunderttausende Kleinbauern von ihren Feldern verdrängt, ihnen die Existenzgrundlage und die Wasserversorgung nimmt. Dies geschieht überall auf der Welt und besonders stark in Lateinamerika, Afrika und Asien, wo die Monopolisierung des Landes durch internationale Agrosprit-Konzerne auch von Gewalt begleitet wird. Die Opfer sind wieder einmal eingeborene Bauern und ihre Familien.

Die dritte Folge ist die Umweltzerstörung. Um die EU-Agrosprit-Vorgaben zu erfüllen, wird zusätzliche Ackerfläche in der Größe von Irland benötigt - abgeholzte Wälder, geplünderte Torfmoore und umgebrochenes Grünland sind die Folge. Es gibt immer mehr Belege dafür, dass die meisten Agrarkraftstoffe kaum oder gar keine Klimavorteile bringen.

Der Schweizer Jean Ziegler, 79, war von 2000 bis 2008 UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Er sitzt im beratenden Ausschuss des UN-Menschenrechtsrats.

(Foto: C. Bertelsmann)

Durch den Einsatz von Düngemitteln, Landrodung und die Verdrängung anderer Feldfrüchte werden die Kohlenstoffdioxid-Emissionen nicht verringert. Im Gegenteil, Millionen Tonnen zusätzliches Treibhausgas gelangen so in unsere Atmosphäre. Auch die deutsche Regierung sperrt sich dagegen, dass diese Emissionen in die Klimabilanz der Agrokraftstoffe einbezogen werden. Denn damit würde offensichtlich, dass der Einsatz von Agrosprit nicht dem Klima dient. "Wirtschaftsförderung" wäre der weitaus zutreffendere Begriff.

Der Verbrauch fossiler Energieträger muss ohne Zweifel schleunigst reduziert werden. Die Lösung sind allerdings nicht die Agrarkraftstoffe, die zusätzliches Land beanspruchen und so viele schädliche Folgen haben. Die Lösung wäre ein geringerer Energieverbrauch sowie die Förderung öffentlicher Verkehrsmittel und alternativer, sauberer Energiequellen.

Genug ist genug. Es ist an der Zeit, den Agrosprit-Wahnsinn zu stoppen, der einigen wenigen internationalen Konzernen riesige Profite beschert, während er auf der anderen Seite Umweltzerstörung und Millionen hilflose Opfer verursacht. Wenn sie am 12. Dezember in Brüssel über die Zukunft der mörderischen Agrarkraftstoffe abstimmen, müssen die Vertreter der EU-Staaten unverzüglich alle Zielvorgaben und Unterstützung für solche Agrarkraftstoffe abschaffen, die mit Lebensmitteln konkurrieren.

Tun sie das nicht, macht sie das zu Mittätern in einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit.