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Wissenschaftliche Studien:Bildungsforscher schreiben versehentlich "signifikant höher" statt "signifikant niedriger"

Was Technik in der Schule bringt

Am 10. Mai 2017 stellte der "Aktionsrat Bildung", ein Gremium von zehn Bildungsforschern im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, das Gutachten "Bildung 2030 - Veränderte Welt" vor. Die wichtigste Botschaft: Die Schulen in Deutschland müssten sich der Digitalisierung öffnen. Untermauert wurde diese Forderung mit einer Studie, der zufolge Grundschüler, die einmal in der Woche am Computer arbeiten, in Mathe und Naturwissenschaften "signifikant höhere Kompetenzen" aufwiesen. Zahlreiche Medien, auch die SZ, griffen genau das auf.

Dumm nur: In der erwähnten Studie steht genau das Gegenteil. Die untersuchten Grundschüler wiesen "signifikant niedrigere" Kompetenzen auf. Bis der Aktionsrat Bildung eine Korrektur verschickte und sich entschuldigte, vergingen fast zwei Wochen. Viel Zeit also, monierten Kritiker, in der sich die Falschmeldung ungehindert weiter verbreitete.

Mal schnell eine Umfrage

Meinungsumfragen vor Wahlen können nur grob zeigen, zu welchen Parteien die Bürger neigen. Deswegen veröffentlichen etablierte Umfrageinstitute nur gerundete Werte und geben eine Fehlermarge an (je nach Größe der Parteien zwischen ein und drei Prozentpunkte). Das 2015 gegründete Unternehmen Civey arbeitet anders. Es wählt seine Befragten nicht selber aus, sondern lässt jeden, der will, online teilnehmen. Und dann teilte es zum Beispiel zwei Wochen vor der Hessenwahl im vergangenen Oktober mit, dass die SPD bei "24,9" Prozent liege, ohne Angabe von Fehlermargen.

Vorsichtig ausgedrückt: sehr sportlich, einen solchen Anschein von Genauigkeit zu erwecken - und dies angesichts einer Methodik, die die Auswahl der Teilnehmenden aus der Hand gibt. So hoch wie Civey taxierte damals kein Institut die SPD. Am Tag vor der Wahl meldete die Firma dann 22 Prozent; man könnte auch sagen: Sie hatte sich den Etablierten angenähert. Am Ende wurden es dann 19,8 Prozent für die Sozialdemokraten.

Legenden vom Krieg

Das Handbuch, zehn Bände dick, ist schwere Kost. In "Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg" hat das Militärgeschichtliche Forschungsamt (MGFA) zwischen 1979 und 2008 den schrecklichsten Krieg der Geschichte en detail wissenschaftlich aus den Quellen aufgearbeitet. Ausgerechnet in diesem Standardwerk, in Band 4 von 1983, legte MGFA-Mitarbeiter Joachim Hoffmann nahe, dass die Wehrmacht 1941 einem Angriff der UdSSR zuvorgekommen sei, die "eigene Offensivplanungen gehegt habe". Handwerklich blieb dies um Längen hinter den Erkenntnissen der Kollegen zurück, die den deutschen Vernichtungskrieg treffend analysierten.

Im Amt jedoch tobte ein Kulturkampf zwischen Altvorderen und jüngeren, kritischen Militärhistorikern. Dies verhinderte, dass Hoffmanns Beiträge gestrichen wurden. Noch im "Historikerstreit" 1986 litt das MGFA unter dem Rufschaden, den es sich zugefügt hatte. Hoffmanns Anhänger rühmten ihn als Helden wider den "politischen Zeitgeist".

© SZ vom 25.02.2019/jsa
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