Streit um den WWF:Es geht um eine ganz grundsätzliche Frage

In seinem Buch geht es, unausgesprochen, immer wieder um die eine, ganz grundsätzliche Frage: Sollen die Umweltaktivisten auf Distanz bleiben und durch radikale Zwischenrufe und meist wirkungslosen Protest agieren? Oder lassen sie sich mit den großen Playern ein und riskieren dabei, korrumpiert zu werden? Wenn sie sich einlassen, wo sind dann die Grenzen?

Carlos

Umweltschutz sieht anders aus: Spaniens König Juan Carlos, Ehrenpräsident des WWF, auf Safari.

(Foto: screenshoot Rann Safari)

Über diese Grenzziehung wird innerhalb des WWF durchaus kontrovers diskutiert. Deshalb ist es jammerschade, dass offenbar kurz vor Drucklegung des Buchs zwei Interviews mit WWF-Akteuren gestrichen werden mussten, weil diese, laut Huismann, ihre Einwilligung zum Abdruck zurückgezogen haben. So fehlt dem Buch ein wenig die Binnensicht, der Einblick in interne Debatten um den Kurs des WWF und um die Grenzen für Industriekooperationen.

Im Fall des Lachskönigs John Fredriksen und dessen Aquakultur-Konzerns Marine Harvest sind die Grenzen klar verletzt worden: In Norwegen gibt sich das Unternehmen umweltbewusst, es kooperiert und verhandelt mit dem WWF über nachhaltige Standards für Aquakulturen. Gleichzeitig herrschen in den chilenischen Lachsfarmen desselben Unternehmens unglaubliche Zustände. Nicht nur Millionen kranke Lachse sind hier krepiert, es sind auch viele Taucher gestorben. Sie werden auf Seelöwen angesetzt, die in die Lachskäfige eindringen.

Einerlei wie am 20. Juli das vorerst endgültige Gerichtsurteil zum Streit um das Buch ausfallen wird, der WWF ist angeschlagen. Er braucht dringend einen Ethikrat. Jedenfalls muss er in Zukunft sehr viel deutlicher machen, wo die Rote Linie verläuft. Diese Linie hat auch König Juan Carlos, der spanische WWF-Ehrenpräsident, überschritten, als er auf Elefantenjagd ging. Der erlauchte Herr sollte schleunigst vor die Tür gesetzt werden. Der WWF hat ihm den Rücktritt nahegelegt. Das immerhin ist ein gutes Zeichen.

WILFRIED HUISMANN: Schwarzbuch WWF. Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh. 255 Seiten, 19,99 Euro.

Manfred Kriener ist Chefredakteur des Umweltmagazins zeo2. Auch zeo2 hat sich vergeblich um ein Gespräch mit Vertretern des WWF bemüht.

------------------------

WWF und "Schwarzbuch"-Autor wollen außergerichtliche Einigung

Im Rechtsstreit zwischen dem WWF und Wilfried Huismann bahnt sich inzwischen eine außergerichtliche Lösung an. Die Naturschützer wollten die Verbreitung des Buches juristisch verhindern, das Landgericht Köln hatte den Parteien Mitte Juni zur Einigung geraten, und die Umformulierung einiger Passagen angeregt. Der Hauptvorwurf, die Umweltstiftung sei zu industrienah, soll aber bestehen bleiben. Grossisten wie Amazon und Thalia haben das Buch inzwischen wieder in den Vertrieb aufgenommen. (lala)

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB