Sternschnuppen Die Stunde der Meteorspechtler

In den kommenden Nächten startet das Feuerwerk der Perseiden. Hunderte Sternschnuppen werden pro Stunde über den Himmel ziehen.

Von Helmut Hornung

In diesen Tagen hat Hans-Georg Schmidt einen besonderen Wunsch: Dass der Himmel über den bayerischen Alpen klar sein möge, vor allem in der Nacht zum 13. August. Die wird Schmidt auf dem 1500 Meter hohen Sudelfeld verbringen, eingehüllt in einen Schlafsack und ausgerüstet mit einer Thermoskanne Kaffee und belegten Broten. Bis zum frühen Morgen wird Schmidt so daliegen, zum Himmel starren und wahrscheinlich gar nicht so viele Wünsche parat haben, wie er loswerden könnte. Ungefähr hundert in der Stunde. Denn in der Nacht zum 13. August fallen die Sterne massenhaft vom Himmel, wenn der Strom der Perseiden zwischen 22 Uhr abends und 4 Uhr morgens sein Maximum erreicht.

Sternschnuppenjäger können auf reiche Beute hoffen.

(Foto: Foto: NASA)

Die Meteore, die dann über das Firmament huschen, scheinen alle aus dem Sternbild Perseus zu kommen. In Wirklichkeit sind die Perseiden aber von dem Kometen 109P/Swift-Tuttle abgebröckelt, dessen staubige Bahn unser Planet Mitte des Monats kreuzt. Dabei dringen die Teilchen mit Geschwindigkeiten von mehr als 200.000 Kilometern pro Stunde in die Erdatmosphäre ein und bringen entlang ihrer Flugbahn die Luftmoleküle zum Leuchten. Unter die nicht einmal stecknadelgroßen kosmischen Schrotkugeln mischt sich gelegentlich ein größeres Trumm. Ein solches Geschoss verpufft mit hellen Lichteffekten und gelegentlichem Getöse. Der eine oder andere Brocken gelangt als Meteorit bis zum Boden.

Hans-Georg Schmidt ist Mitglied der Bayerischen Volkssternwarte in München und seit vier Jahrzehnten passionierter "Meteorspechtler", wie er sich selbst nennt. Und so wollen er und ein halbes Dutzend Gleichgesinnter auch in diesem Jahr wieder auf Schnuppenjagd gehen. "Jeder beobachtet einen Sektor des Himmels. Einer führt Protokoll und notiert auf Zuruf die Uhrzeit sowie die Anzahl der Meteore, deren Helligkeit und irgendwelche Besonderheiten wie Rauschspuren", sagt Schmidt. Aus den Aufzeichnungen lesen die Experten etwa heraus, wie der Perseidenstrom beschaffen ist.

Sollte das Wetter mitspielen, steht der Sternenschau in diesem Jahr allenfalls der abnehmende Halbmond im Weg, dessen Streulicht die am schwächsten leuchtenden Perseiden verschluckt. Im Volksmund trägt der Meteorstorm den Namen "Laurentiustränen", benannt nach einem Diakon gleichen Namens. Er wurde auf Geheiß des römischen Kaisers Valerian am 10. August 258 als Ketzer verbrannt. Seinen Humor behielt Laurentius bis zum Schluss: "Der Braten ist schon fertig, dreh ihn um und iss", soll er zu einem seiner Folterknechte gesagt haben - der sich daraufhin prompt die Finger verbrannte.

Bildstrecke

Meteoriten