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Stephen Hawking:Der Popstar der Physik

In der Folge "Die Stadt der primitiven Langweiler" hat Stephen Hawking einen Gastauftritt bei den "Simpsons"

(Foto: Die Simpsons, Fox / ProSieben, 10. Staffel)

Stephen Hawking wird 75 Jahre alt. Er ist der größte Star der Wissenschaft, selbst zur Legofigur hat er es gebracht. Das kann man gut finden - oder bedenklich.

Viele Wissenschaftler haben schon den Nobelpreis erhalten, aber nur einer hat es bis zur Lego-Figur gebracht: Im Internet finden sich Anleitungen, wie man aus 122 Plastiksteinchen einen waschechten Stephen Hawking samt Rollstuhl bastelt. Womit wir beim Thema wäre: Der britische theoretische Physiker Stephen Hawking, der an diesem Sonntag 75 Jahre alt wird, hat zwar vor vielen Jahren wichtige Beiträge zur Theorie der schwarzen Löcher geliefert, aber er ist keiner der ganz Großen der Physik, nicht zu vergleichen mit Einstein, Planck, Heisenberg. Oder kennen Sie Freeman Dyson?

Stephen Hawking kennt fast jeder. Zumindest jene drei Millionen Menschen, die ihm bei Facebook folgen, schon mal Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett in London besucht oder bestimmte Folgen der TV-Serien "Raumschiff Enterprise", "Simpsons", "Dilbert" oder "The Big Bang Theory" gesehen haben. Das sind nur einige Sendungen, in denen er Gastauftritte hatte. Hinzu kommt sein 1988 erschienener populärwissenschaftlicher Bestseller "Eine kurze Geschichte der Zeit", der in 40 Sprachen übersetzt und rund zehn Millionen Mal verkauft wurde. Stephen Hawking ist ein Popstar.

Das kann man feiern, man kann es aber auch bedenklich finden.

Das Positive: Auch wenn Hawkings öffentliche Wahrnehmung in keinem Verhältnis zu seiner Bedeutung in der Wissenschaft steht, hat er es immerhin geschafft, viele Menschen für Kosmologie und theoretische Physik zu interessieren - wobei dahingestellt sei, wie viele Käufer sein Buch auch gelesen haben.

Der vermeintlich genialische Geist im gelähmten Körper

Schon problematischer ist es hingegen, dass er als vermeintlicher genialischer Geist im gelähmten Körper ein verzerrtes Bild der Forschung vermittelt. Wer eine Dokumentation über ihn sieht, kommt nicht unbedingt auf die Idee, dass moderne Naturwissenschaft vor allem Teamarbeit ist, ein mühsamer Prozess, in dem viele Forscher kleine Erkenntnisfortschritte langsam zu einem genaueren Bild der Welt zusammenfügen.

Und noch ein Problem zeigt das Phänomen Hawking beispielhaft: das Bedürfnis der Öffentlichkeit nach weisen Ratgebern, die Gott und die Welt erklären. Als Stephen Hawking vor Kurzem prophezeite, dass der Menschheit nur noch 1000 Jahre blieben, um einen neuen Heimatplaneten zu finden, ging die Nachricht um die Welt. Dabei war das eine willkürliche Aussage, mal abgesehen davon, dass der Physiker keinerlei spezifische Kompetenz für eine solche Prognose hat.

Vielleicht braucht die Wissenschaft heutzutage auch Popstars, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass diese vor allem der Unterhaltung dienen, nicht der Erkenntnis.

Stephen Hawking

Ein Leben für die Weltformel