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Stammzellforschung:Erstmals fortpflanzungsfähige Eizellen im Labor gezüchtet

Künstliche Befruchtung

Die Forscher haben Eizellen aus Hautzellen gezüchtet, die dann künstlich befruchtet werden konnten. Es entstanden gesunde Nachkommen.

(Foto: dpa)

Japanische Wissenschaftler haben mit Hautzellen von Mäusen experimentiert - am Ende hatten sie elf Mäusebabys erschaffen. Erste Experten sprechen von "einer Welt ohne Sex".

Japanischen Wissenschaftlern ist es erstmals in der Geschichte gelungen, aus gewöhnlichen Körperzellen der Maus mithilfe der Stammzelltechnik reife Eizellen herzustellen - und durch künstliche Befruchtung gesunde Nachkommen zu erzeugen. Obwohl es sich bei dem aufsehenerregenden Nachwuchs noch nicht um Menschen, sondern lediglich um Mäuse handelt, sprechen Biomediziner und Ethiker bereits von einem neuen Zeitalter der menschlichen Fortpflanzung.

Wie Forscher um den Biologen Katsuhiko Hayashi am Montag im Fachblatt Nature berichteten, verwandelten die Forscher Bindegewebszellen der Haut zunächst in Stammzellen. Aus solchen sogenannten iPS-Zellen lassen sich viele Gewebe entwickeln, darunter unreife Eizellen und Spermien. Die letzte Hürde aber, also die Reifung der weiblichen Keim- zur befruchtungsfähigen Eizelle, galt bislang als unüberwindbar. Hayashis Team hat sie aber überwunden. Zum Beweis brachten die Forscher durch assistierte Befruchtung elf Babymäuse aus den im Labor gereiften Eizellen hervor. Alle Tiere waren gesund und fruchtbar.

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Der Durchbruch der Japaner stellt die Welt nun vor neue ethische Herausforderungen. "Die begrenzte Verfügbarkeit von Eizellen und die gesundheitlichen Risiken bei ihrer Gewinnung gelten derzeit als ein entscheidender limitierender Faktor in der Fortpflanzungsmedizin", sagt der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock. Nach Aussage des Wissenschaftshistorikers Gereon Wolters von der Universität Konstanz ist nun eine "Welt ohne Sex" denkbar, wie sie der Stanford-Ethiker Henry Greely kürzlich beschrieben hat. Wolters warnt vor "bedeutenden kulturellen und sozialen Konsequenzen." Dabrock befürchtet in Ländern mit liberaler Gesetzgebung zudem einen "großflächigen" Einsatz der Präimplantationsdiagnostik, die eine genetische Auslese von Embryonen gestattet. "Das ist ein Designer-Baby-Szenario", sagt Dabrock. Allerdings dürfe man das Verfahren nicht nur nach biologischen Kriterien bewerten. Es gebe auch soziale Aspekte, etwa für homosexuelle Paare, die so leibliche Kinder bekommen könnten.

Wie viel Zeit der Gesellschaft bleiben wird, um sich über die Konsequenzen der Technik im Klaren zu werden, ist ungewiss. Der Stammzellexperte Thomas Zwaka von der New Yorker Icahn School of Medicine sagt, "dass das Prinzip sehr leicht auch auf menschliche Zellen zu übertragen ist". Man sei kurz davor, die komplette Kontrolle über die Keimbahn des Menschen zu erlangen. "Das Potenzial, aber auch die Gefahren dieser Errungenschaft sind enorm", sagt Zwaka. Das Ausmaß sei vergleichbar mit dem des Klimawandels oder der künstlichen Intelligenz.

Auch der deutsche Gesetzgeber ist nun gefordert, Regeln für den Einsatz der neuen Technik aufzustellen. Nach Aussage des Mannheimer Medizinrechtlers Jochen Taupitz verbietet das Embryonenschutzgesetz weder den Gewinn von Eizellen aus den eigenen Körperzellen, noch den Einsatz dieser Eizellen für eine künstliche Befruchtung.

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