Sprachforschung "Keiner der Affen hat mal etwas Interessantes erzählt"

Viele Affen haben die Fähigkeit, zu kommunizieren. Sie verstehen sich aber schweigend genauso gut.

(Foto: Rob Elliot/AFP)

Tiere können erstaunlich viel ausdrücken. Doch sie haben verblüffend wenig Lust dazu.

Von Katrin Blawat

Knapp 400 Millisekunden reichen einer Dianameerkatze, um ihrer Sippe alles Wichtige mitzuteilen: "Da hinten sehe ich eine fremde Gruppe, die könnte Ärger machen. Und, ach ja, ich bin die Verfressene mit der Narbe im Ohr, ihr wisst schon." Zu hören ist nur ein kurzes, tonloses Rattern (der sogenannte R-Laut), gefolgt von einem längeren, bogenförmig an- und absteigendem Ton (A-Laut). Das Besondere an den beiden zusammengesetzten Rufen ist: Die Tiere kombinieren sie keineswegs willkürlich, sondern abhängig von der jeweiligen Situation. Das Rattern ertönt, wenn es leicht brenzlig wird; der A-Ton verrät, wer der Rufende ist. Daneben nutzen die Affen noch einen langen Triller (L-Laut), der für sozial entspannte Zeiten reserviert ist.

Mit dieser Übersetzung der Meerkatzen-Kommunikation liefern Verhaltensforscher in der Mai-Ausgabe des Fachmagazins Animal Behaviour einen weiteren der inzwischen zahlreichen Belege für die erstaunliche Kommunikation vieler Tiere - fast ist man versucht zu schreiben: für ihre Sprachfähigkeiten. Vom Huhn bis zum Schimpansen ist die auf Lauten basierende Kommunikation im Tierreich viel komplexer als lange gedacht. Das gilt besonders für die Fähigkeit vieler Primaten, ihre Rufe nach Art der Dianameerkatzen bewusst zu kombinieren - etwas, was unserer Grammatik sehr nahe kommt.

Wo also liegen die Unterschiede zwischen den Rufen der Tiere und der Sprache des Menschen? Nur in der Undurchdringlichkeit mancher Grammatikregel? Oder vielleicht weniger im Können als vielmehr im Wollen? "Uns verblüfft immer wieder, dass viele Primaten ihr Potenzial offenbar nicht ausnutzen", sagt Klaus Zuberbühler von der Universität Neuchâtel, einer der Autoren der aktuellen Studie. Womöglich sind Tiere also einfach weniger schwatzhaft als der Mensch.

Der gilt als narratives Wesen par excellence, für das die Wirklichkeit nicht das ist, was tatsächlich geschieht, sondern was er sich selbst oder anderen erzählt. Allen anderen Lebewesen hingegen wurde bis vor einigen Jahrzehnten nur zugestanden, aus großer innerer Erregung heraus Laute auszustoßen, vergleichbar mit dem menschlichen "Huch!".

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Doch auch wenn Aufregung oder Furcht oft zu den Lauten beitragen, haben viele Spezies Rufe entwickelt, die auf eine konkrete Situation hinweisen, etwa auf einen bestimmten Fressfeind. Am längsten bekannt ist dies von Grünen Meerkatzen. Hören die Affen jenes Bellen, das einen Leoparden ankündigt, flüchten sie in Bäume. Rechnen sie mit einem Adler (angekündigt durch eine Art Husten), fahnden sie am Boden nach Deckung und suchen den Himmel ab. Und kündigt ein Artgenosse mit einem Meckern eine Schlange an, richten sich die Primaten auf und schauen am Boden nach der Gefahr.

Nun zählen Meerkatzen immerhin zu den Primaten, denen man weiter reichende Kommunikationsfähigkeiten zutraut als vielen anderen Tieren. Doch auch Hühner zum Beispiel kennen verschiedene Alarmrufe. Auch für sie ist es sinnvoll zu wissen, ob sie sich vor einem Greifvogel aus der Luft oder vor einem Fuchs am Boden in Sicherheit bringen müssen.

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