bedeckt München

Sibirischer Tiger:Straftat oder Notwehr

Tigerfelle und Elchlippen, aber auch Leopardenaugen und Rentierhoden stapeln sicher hier: beschlagnahmtes Schmugglergut. "Die traditionelle Medizin in China lechzt nach solchen Körperteilen." Am begehrtesten sei ein Tiger.

Tatzenabdruck eines Amurtigers im Schlamm

Der Tatzenabdruck eines Amur-Tigers im Schlamm eines Waldes in der Amur-Region. Illegale Abholzung und Wilderei haben die Zahl der frei lebenden Tiere auf nur noch 450 schrumpfen lassen.

(Foto: dpa)

"Dafür zahlen Schwarzhändler in China gerade jetzt, im chinesischen "Jahr des Tigers" leicht 20.000 US-Dollar." Das sei auch wegen der hohen Arbeitslosigkeit in der Region ein lukratives Geschäft.

Tatjana Aramilewa fühlt sich gegen die Wilderei machtlos, obwohl sie als Chefin der Jagdbehörde in Wladiwostok formell Herrin über etwa 50.000 Jäger des Gebiets ist. "Rund 1850 Fälle von allgemeiner Wilderei haben wir 2009 an die Justiz gemeldet, gerade 20 landeten vor Gericht."

Das Problem sei die Beweislage. "Der Täter muss auf frischer Tat ertappt werden, das gilt auch bei der Tötung eines Tigers", sagt Aramilewa. Darauf stünden zwar umgerechnet 12.500 Euro Strafe und mehrere Jahre Haft, doch viele Angeklagte würden Notwehr geltend machen und damit durchkommen.

Immer öfter treibt der Hunger die Großkatzen aus den Wäldern, weil ihre klassischen Beutetiere wie Borstenvieh und Hirsche gewildert oder durch Rodung vertrieben werden.

Das Leben im Gebiet Primorje zwischen der russischen Pazifikküste und der Grenze zu China - eine Region halb so groß wie Deutschland - sei daher nicht ungefährlich, sagt Viktor Gaponow von der staatlichen Tiger-Inspektion.

"Was Europa im Zoo hat, läuft bei uns frei herum." Aber für "Safari-Touren à la Serengeti" sei der Ferne Osten ungeeignet: "Es bleiben Raubtiere."

© dpa/mcs
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema