Sexualität Männer haben gar nicht viel mehr Sexualpartner als Frauen

Männer behaupten oft, viel mehr Sexualpartner gehabt zu haben als Frauen - doch das stimmt nicht immer

(Foto: dpa)
  • In Umfragen behaupten Männer, doppelt so viele Sexualpartner zu haben wie Frauen.
  • Sexualforscher glauben das nicht - und haben drei Gründe identifiziert, warum die Zahlen so unterschiedlich sind.
  • Manche Männer geben extrem hohe Werte an. Viele Männer schätzen die Angaben, anstatt richtig zu zählen. Und unterschiedliche moralische Einstellungen verzerren die Ergebnisse.
Von Christopher Pramstaller

Mit wie vielen Menschen hatten Sie bisher in Ihrem Leben Sex? In einer neuen Studie behaupten Männer, im Schnitt Sex mit 14 Partnerinnen gehabt zu haben, während Frauen mit durchschnittlich sieben Männern geschlafen haben wollen. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist groß - zu groß, um wirklich glaubwürdig zu sein. Die Sexualforscher haben daher nachgerechnet, welche Faktoren hinter der Partner-Inflation der Männer stecken, und die Ergebnisse im Fachblatt The Journal of Sex Research veröffentlicht.

Vor allem zwei Faktoren verzerren demnach die Daten: Ein sehr kleiner Teil der Männer gibt extrem hohe Werte an. Zudem schätzen viele Männer die Zahl ihrer Partnerinnen und überschätzen sie damit, anstatt wirklich zu zählen.

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Manche Männer wollen mehr als 110 Sexualpartnerinnen gehabt haben

Das eine Prozent der Männer mit den höchsten Werten gibt 110 und mehr Sexualpartnerinnen an. Bei den Frauen behauptet das oberste Prozent, 50 und mehr Partner gehabt zu haben. Wenn die Forscher diese Angaben aus der statistischen Analyse streichen, verkleinert sich der Abstand zwischen den Geschlechtern schon deutlich: von sieben auf fünfeinhalb.

Dieser Unterschied wird noch geringer, wenn die Forscher berücksichtigten, auf welche Weise die Zahlen zustande gekommen sind: 24 Prozent der Männer schätzen die Anzahl ihrer Sexpartner, während es bei Frauen nur 15 Prozent sind. Je höher die Zahl der berichteten Sexualpartner, umso wahrscheinlicher handelte es sich vor allem bei Männern um eine Schätzung. Wenn nur noch wirklich gezählte Sexualpartner berücksichtigt werden, fällt der Abstand zwischen den Geschlechtern auf knapp über drei.

In vielen Umfragen kommen Männer auf doppelt so hohe Werte wie Frauen

Befragungen aus den USA, Großbritannien und Deutschland kommen immer wieder zu dem Ergebnis, dass Männer doppelt so viele Sexualpartner nennen wie Frauen. Hierzulande ergab zuletzt eine repräsentative Studie, deren Ergebnisse 2017 im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurden, dass Männer in ihrem Leben mit zehn Partnerinnen geschlafen hätten, während die Antwort von Frauen fünf Partner lautete.

Als Ursachen vermuteten die deutschen Forscherinnen, dass Menschen beim Beantworten der intimen Fragen individuelle und gesellschaftliche Erwartungen berücksichtigen: "Selbstwertdienliche Verzerrungen und geschlechtsspezifisches Antwortverhalten könnten zu den unterschiedlichen Angaben beigetragen haben", schrieben die Wissenschaftler.

Die neue Studie aus Großbritannien ist nun ein Versuch, diese Forschungslücke zu untersuchen. Das Team um die Sexualforscherin Kirstin Mitchell von der Universität Glasgow nutzt als Grundlage für ihre Untersuchung Daten des dritten britischen "National Survey of Sexual Attitudes and Lifestyles". Im Rahmen dieser Umfrage werden ungefähr alle zehn Jahre Tausende Briten in persönlichen Interviews zu ihrem Sexualverhalten befragt. Teilgenommen haben 15 162 Frauen und Männer zwischen 16 und 74 Jahren. Eine ähnlich große Bevölkerungsstudie zum Sexualverhalten gibt es in Deutschland nicht.

Frauen behaupten, Sex konservativer zu beurteilen

Neben der ungenaueren Schätzmethode und den extremeren Höchstwerten zeigen sich auch unterschiedliche Einstellungen zwischen Männern und Frauen in der neuen Studie. Frauen äußerten im Durchschnitt eine konservativere Einstellung gegenüber Sex. So gaben weniger von ihnen an, kein Problem mit One-Night-Stands zu haben, und sie verurteilten Fremdgehen von verheirateten Menschen schärfer. Werden diese Einstellungen und die beiden anderen Faktoren statistisch berücksichtigt, fällt die Geschlechterdifferenz von ursprünglich 7,0 Partnern auf nur 2,6. Der große Unterschied zwischen Männern und Frauen ist vermutlich eher relativ klein, zeigen die Forscher: "Soweit wir wissen, ist unsere Studie der erste Versuch, alle drei Erklärungen simultan zu vergleichen", schreiben sie.

Kaum eine Rolle für das Studienergebnis spielt bezahlter Sex. Angabe zum Sex mit Partnern außerhalb Großbritanniens veränderte die Zahlen ebenfalls nur geringfügig.

Für die beteiligten Forscher ist ihre Arbeit wichtig für die Gesundheitspolitik: "Die genaue Erfassung der Zahl von Sexualpartnern ist aus vielen Gründen von entscheidender Bedeutung, einschließlich der Bewertung des individuellen Risikos sexuell übertragbarer Infektionen sowie der Schätzung der Übertragungsrate", sagt Sexualforscherin Mitchell. Ähnlich hatten auch die Autoren der deutschen Erhebung argumentiert - und für breiter angelegte Bevölkerungsstudien plädiert.

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