Serie: Mythen von Monstern (Teil 6) Ogopogo und der Champ

Nordamerika kennt nicht nur mehr Seeungeheuer als Schottland, die Hinweise auf unbekannte Wesen sind auch besser. Aber können sie uns überzeugen?

Von Markus C. Schulte von Drach

Nicht nur in Schottland kennt man Geschichten von riesigen Seeungeheuern. Fast überall auf der Welt, wo Menschen an großen Gewässern leben, kursieren Berichte von großen Schlangen oder Lebewesen, die an Dinosaurier erinnern sollen.

Dieses Bild von Champ, aufgenommen von Sandra Mansi, kursiert im Internet.

(Foto: Screenshot: www.porthenry.net)

Besonders häufig und besonders gut dokumentiert sind die mysteriösen Bewohner der nordamerikanischen Seen.

Vor allem das Monster Champ im Lake Champlain, den sich die US-Bundesstaaten New York und Vermont sowie das kanadische Quebec teilen, und das Ungeheuer Ogopogo im Lake Okanagan in British Columbia sind echte Berühmtheiten. Dazu kommen unter anderem Igopogo im Lake Simcoe, Manipogo im Manitobasee oder Memphre in Lake Memphremagog.

So kennen die Indianer am Lake Okanagan den Ogopogo schon seit Hunderten Jahren - allerdings unter dem Namen "N'ha-a-itk" oder "Naitaka", was mal als Wasserdämon, mal als Seemonster übersetzt wird.

Wollte jemand mit dem Kanu über den See setzen, so warf er lebende Tiere, etwa Hühner oder einen Hund, in die Wellen, um das Monster abzulenken. Wer das nicht tat, war in großer Gefahr, erzählten zum Beispiel die Okanakane-Indianer dem Historiker Frank Buckland.

So ertrank ein Häuptling, der bei dem Stamm zu Besuch war, mit seiner Familie im See, weil er nicht an die geheimnisvolle Macht glauben wollte und das Opfer verweigerte. "Plötzlich stieg der Dämon aus seiner Höhle auf und peitschte die Oberfläche des Sees mit seinem langen Schwanz", zitierte Buckland die Indianer.

Angeblich wurde das Monster im 19. Jahrhundert dann von europäischen Siedlern gesehen, und seit den 1920er Jahren tauchte das Geschöpf immer wieder mal auf.

Historische Quellen sollen auch die Existenz von Champ im Lake Champlain belegen. Die Indianer erzählten offenbar Geschichten von einem Wasserwesen mit dem Namen Tatoskok oder Chaousarou. Und der französische Pionier Samuel de Champlain berichtete angeblich über eine riesige Seeschlange, die er 1609 vom Ufer des Sees aus gesehen hat.

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