Serie: Mythen von Monstern (Teil 5) Der Kongo-Dinosaurier

Gibt es heute noch Dinosaurierer? Hartnäckig halten sich Gerüchte über ein Urtier, das im undurchdringlichen Dschungel des Kongo leben soll.

Von Markus C. Schulte von Drach

Irgendwo tief im afrikanischen Dschungel, so erzählen die Bewohner des Kongo-Beckens, haust ein großes Lebewesen, für das die Naturwissenschaftler noch keinen Namen haben. Es ist groß wie ein Elefant, besitzt jedoch einen langen Hals mit kleinem Kopf und einen langen Schwanz.

1959 sollen Pygmäen am Lac Télé einen Mokèlé-mbèmbé getötet haben, berichtete der Missionar Eugene Thomas.

(Foto: Screenshot: www.cryptomundo.com)

Die meisten Beschreibungen erinnern so sehr an einen Apatosaurus oder Diplodocus, dass manche Forscher vermuten, es könnte sich um einen überlebenden Dinosaurier handeln.

Das graubraune Tier soll in den Gewässern und Sümpfen des Kongo und seiner Nebenflüsse leben. Den Legenden zufolge greift es Kanus an, tötet die Insassen, ohne sie jedoch zu fressen. In der Region um den Bangweulusee bringt es sogar Nilpferde um. Ansonsten gilt es als Pflanzenfresser.

Seit 100 Jahren haben Forscher und Journalisten Expeditionen in den Dschungel unternommen, um der Kreatur auf die Spur zu kommen. Vergeblich. Dabei soll das Tier so groß sein, dass die Pygmäen in der Region um den Lac Télé ihm den Namen Mokèlé-mbèmbé gegeben haben: "Der den Strom des Flusses aufhält."

Bislang beschränken sich die Hinweise auf Sagen und Anekdoten, auf Fußabdrücke, deren Ursprung unklar ist, unscharfe Bilder und Videos sowie Tonaufnahmen unheimlicher Schreie. Doch die Faszination ist ungebrochen.

So besuchte erst vergangenes Jahr ein Team des US-Senders SciFi Channel für die Serie "Destination Truth" den Bangewulusee in Sambia, um das legendäre Wesen aufzuspüren. Josh Gates und seine Mitarbeiter waren mit ihrer Expedition an den Ort gereist, wo ein ehemaliger Offizier der deutschen Kolonialarmee erstmals auf die Legende gestoßen war.

Paul Graetz hatte in den Jahren 1907 bis 1909 als Erster mit einem Auto Afrika durchquert. Von Daressalam aus war er durch das damalige Deutsch-Ostafrika, Rhodesien, Deutsch-Südwestafrika und Südafrika gefahren. In Nord-Rhodesien, dem heutigen Sambia, musste er auf Benzin warten. Dabei hörte er Gerüchte von einem Tier mit dem Namen Nsanga, das die Region um den Bangweulusee bewohnen sollte. Die Beschreibung erinnerte Graetz an einen Dinosaurier, ähnlich einem Krokodil, jedoch ohne Schuppen und mit Krallen an den Füßen.

Auch der Gründer des Hamburger Zoos, Carl Hagenbeck, war überzeugt, dass in den "fieberschwangeren Sümpfen Innerafrikas noch Nachfahren" der Dinosaurier lebten. Einer seiner Großwildjäger (Hans Schomburgh) sowie ein "hochgestellter Engländer, der zur Jagd auf großes Wild hinausgezogen war", hatten ihm von Eingeborenen berichtet, die "von dem Vorkommen eines Ungeheuers erzählt hätten, das, halb Elefant, halb Drache, in den unzugänglichen Sumpfgebieten nahe der Kongostaatgrenze zwischen den Flüssen Lunga und Kafue hause" - nachzulesen in Hagenbecks Buch "Von Menschen und Tieren".

"Es kann sich nur um eine Art Brontosaurus handeln"

Bereits "vor mehreren Jahrzehnten brachte mir mein vortrefflicher Reisender Menges schon Berichte über ein ähnliches sagenhaftes Geschöpf", schrieb Hagenbeck. Darüber hinaus gab er an, er hätte vor einigen Jahren aus ganz verschiedenen Quellen Berichte über Malereien auf Felsen und in Höhlen im Inneren von Rhodesien gehört. Sein Schluss war, es könne "sich nur um eine Art Brontosaurus (heute Apatosaurus) handeln". Hagenbeck rüstete selbst eine Expedition aus, die das Zielgebiet allerdings nicht erreichte.

1913 sandte die Regierung in Berlin den ehemaligen Kolonialoffizier Ludwig Freiherr von Stein zu Lausnitz in das von Frankreich abgetretene Neu-Kamerun, wo er auf dem Gebiet der heutigen Republik Kongo von Einheimischen Berichte über ein großes Reptil hörte, das als Mokèlé-mbèmbé bezeichnet wurde.

Der deutsch-amerikanische Wissenschaftsautor, Raketenforscher, Kryptozoologe und Honorarprofessor Willy Ley zitierte 1959 in seinem Buch "Exotic Zoology" aus einem nicht veröffentlichten Bericht von Steins. Demzufolge besaß das etwa elefantengroße Tier einen langen Hals und eine Art Horn sowie einen Schwanz wie ein Krokodil. Das Tier sollte Boote angreifen, die Insassen umbringen, aber nicht fressen, da es ein Pflanzenfresser sei.