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Serie: Mythen von Monstern (Teil 3):Lust auf Menschenfleisch

Der Körper der Kamelspinnen - auch der Tiere im Irak und in Afghanistan - wird bis zu sechs Zentimeter lang. Die Beine können allerdings bis zu 15 Zentimeter lang werden, so dass die Tiere ziemlich groß wirken. Das Foto der Kamelspinne im Irak, welches die Tiere berühmt-berüchtigt gemacht hat, vermittelt jedoch einen völlig falschen Eindruck. Hier sind zwei Tiere untereinander zu sehen, die dicht vor die Kamera gehalten wurden.

Dieses Foto aus dem Irak machte die Kamelspinne berühmt.

(Foto: Foto: unbekannt)

Kamelspinnen fressen Insekten, aber auch Eidechsen und kleine Vögel. Ihre Beute zerbeißen sie mit ihren kräftigen Kiefern. Sie springen sie allerdings nicht auf eine größere Distanz an, sondern packen sie, wenn sie in Reichweite ihrer vorderen Extremitäten kommen.

Völlig unsinnig ist die Behauptung, dass Walzenspinnen schreien. Und sie kommen auf eine Geschwindigkeit von vielleicht 15 Kilometern pro Stunde - was schnell ist für eine Spinne. Aber ein Mensch schafft das auch. Gift, das sie ihren Opfern injizieren könnten, produzieren Walzenspinnen nicht. Es gibt lediglich eine Art in Indien, von der einige Forscher vermuten, dass sie Giftdrüsen besitzt.

Die Tiere sind nachtaktiv und versuchen tagsüber, sich im Schatten aufzuhalten. Die Zelte und Baracken der Soldaten im Irak und in Afghanistan sind für sie deshalb attraktiv. Auch versuchen sie angeblich sogar, im Schatten von Menschen zu bleiben, denen sie begegnen. Geht die Person weiter, folgt die Spinne. Das kann natürlich wie eine Verfolgung aussehen.

Fachleute gehen davon aus, dass die Tiere sich lediglich wehren, wenn sie sich durch Menschen bedroht fühlen. Ein Biss mit ihren großen Kauwerkzeugen, den Cheliceren, führt zu relativ großen Wunden, die sich entzünden können. Das US-Verteidigungsministerium rät den Soldaten deshalb, sie sollten "nur mit festem Schuhwerk zu Duschen und Latrinen gehen, nicht mit Flip-Flops oder Sandalen."

Die europäischen und amerikanischen Soldaten machen sich allerdings offenbar recht häufig einen Spaß daraus, Kamelspinnen zu fangen und zu filmen, wie man zum Beispiel bei YouTube sehen kann. Kein Wunder, dass es immer wieder zu Bisswunden kommt.

Sollte Rodney Griffiths tatsächlich versehentlich eine Kamelspinne mit nach Essex gebracht haben - wobei man sich schon fragen muss, wie er dieses Tier beim Packen übersehen konnte - dann hat seine Familie ein für England zwar ungewöhnliches, aber eigentlich harmloses neues Haustier. Lässt man die Spinne in Ruhe, tut sie einem nichts.