Serie Geheimbünde - Teil III:Die Freimaurer

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Nachdem die Geheimbünde des Mittelalters meist religiös geprägt waren, entstanden im 17. und 18. Jahrhundert Geheimgesellschaften wie die Freimaurer, die das politische und soziale Leben beeinflussen wollten.

Waren die geheimen Vereinigungen des Mittelalters meist religiös geprägt, entstanden im 17. und 18. Jahrhundert Geheimgesellschaften, die auf das politische und soziale Leben Einfluss zu nehmen versuchten.

Serie Geheimbünde - Teil III: Die Symbole der Freimaurer: Zirkel und Winkelmass.

Die Symbole der Freimaurer: Zirkel und Winkelmass.

(Foto: Foto: oh)

Es war die Zeit der Aufklärung, und in Europa gingen weitreichende philosophische, soziale und politische Veränderungen vor sich, entsprechend einer Herrschaft der Vernunft. In dieser Zeit wurden so bedeutende Geheimbünde wie die Rosenkreuzer und Freimaurer gegründet, die bis heute existieren.

Zahlreiche politische Geheimbünde entstanden im 19. Jahrhundert, z. B. die Carboneria in Italien, deren Mitglieder für die politische Freiheit und eine konstitutionelle Regierungsform kämpften, oder die russischen Dekabristen, die eine Revolution in Russland anstrebten.

Die Freimaurer sind der größte weltweit verbreitete Bruderorden mit zahlreichen voneinander unabhängigen Organisationen, der bürgerlich-liberale Werte vertritt und einer auf Toleranz und Humanität beruhenden Geisteshaltung verpflichtet ist. Die unabhängigen Vereinigungen der Freimaurer - sogenannte Logen - entstanden aus den mittelalterlichen Steinmetzzünften in England.

Aus den zunächst rein geschäftlichen Zusammenkünften entwickelten sich bald Männerbünde, deren Mitglieder in Geheimzeremonien "weitergebildet" werden sollten. Mehrere Freimaurerlogen vereinigten sich 1717 in London zu einer Großloge, nach deren Regeln sich seitdem weltweit gleiche Organisationen bilden.

Die Freimaurerei ist nicht international organisiert, obwohl die Rituale und Zeremonien weltweit gleich sind. Die Logen eines Landes sind in einer oder mehreren nationalen Bünden zusammengeschlossen.

Die Logen werden jeweils von Großlogen gegründet. An der Spitze jeder Loge steht ein Logenmeister ("Meister vom Stuhl"), der alljährlich von sämtlichen Mitgliedern gewählt wird. Er vertritt die Loge nach außen, leitet die Arbeiten der Loge, überwacht die Bewahrung der Gesetze und die Befolgung der freimaurerischen Grundsätze.

Lehrling, Geselle, Meister

Neben dem Meister gibt es den ersten und zweiten Aufseher, zwei Schaffner, den Schriftführer und den Schatzmeister. Die Logenmeister wählen wiederum den Großmeister, der die Großloge führen soll. Die Mitglieder der Logen heißen "Brüder". Ihre Stellung innerhalb der Logen richtet sich nach den Graden (Erkenntnisstufen), die sie einnehmen.

Die Freimaurerei gliedert sich zunächst grundsätzlich in drei Grade: Lehrling, Geselle, Meister. Alle drei Grade heißen Johannisgrade, da Johannes der Täufer als Schutzpatron der Bruderschaft der Freimaurer gilt. Hierauf bauen die Hochgrade auf. Die Grade haben keine hierarchische Bedeutung, sondern stellen den Weg dar, an dessen Ende der Aufgenommene die vollendete Bildung erreicht hat.

Die geheimen rituellen Veranstaltungen der Logen heißen "Tempelarbeit" und dienen der Selbsterkenntnis und der moralischen Stärkung des Mitglieds, das zu verantwortungsvollem Handeln innerhalb der Gesellschaft und des Staates erzogen werden soll. Die Versammlungsstätten werden "Tempel" genannt.

Die Mitglieder sind durch ihr Gelöbnis zur Verschwiegenheit über Erkennungszeichen und Rituale des Geheimbundes sowie über vertrauliche Informationen anderer Freimaurer verpflichtet. Dadurch soll erreicht werden, dass alles, was in der Loge gesprochen und erfahren wird, vertraulich bleibt und nicht nach außen getragen wird.

Die erste deutsche Freimaurerloge entstand 1737 in Hamburg. Diese nahm 1738 den preußischen Kronprinzen, den späteren König Friedrich den Großen (1712-1786), auf, was eine rasche Ausbreitung der Freimaurerei in Preußen und im übrigen Deutschland zur Folge hatte. Die Anziehungskraft der Freimaurerei beruhte damals auf der Betonung humanitärer und egalitärer Ideen.

Von den Nazis verboten, vom Vatikan verstoßen

Ihre kosmopolitische Grundhaltung trug ihr jedoch das Misstrauen nationaler Kreise und ihre liberale Haltung das der katholischen Kirche ein. Nach 1738 wandten sich mehrere Päpste in Stellungnahmen gegen die humanistischen Ideale der Freimaurer. Nach der letzten Stellungnahme des Vatikans 1918 wurden die Freimaurer aus der Kirche ausgeschlossen.

Erst 1972 erklärte sich die Kirche zum Dialog bereit und nahm Exkommunizierungen zurück. 1933 wurde die Freimaurerei in Nazi-Deutschland verboten, das Vermögen der Logen beschlagnahmt, ihre Mitglieder wurden verfolgt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden neue Logen, die sich 1958 zu den Vereinigten Großlogen von Deutschland zusammenschlossen.

Heute gibt es etwa 20.500 deutsche Freimaurer. Weltweit wird ihre Zahl auf etwa sechs Millionen geschätzt. Die heutige Freimaurerei kann man nicht mehr als Geheimbund im eigentlichen Sinne bezeichnen. Die Freimaurerlogen engagieren sich als eingetragene Vereine besonders im sozialen Bereich weltweit sehr stark. Die normale Logenarbeit besteht vor allem aus Gesprächen und Diskussionen.

Freimaurerei auf dem Kontinent

Obwohl die Freimaurerei anfangs auf dem europäischen Kontinent als eine versnobte britische Einrichtung belächelt wurde, breitete sie sich schon 1725 bis nach Frankreich, 1729 bis nach Spanien und 1735 bis nach Deutschland aus und entwickelte in diesen Ländern ein ganz eigenes Leben.

Viele der heute weltweit existierenden Großlogen sind von den beiden großen Dachverbänden United Grand Lodge of England (Vereinigte Großloge von England) und Grand Orient de France (Großorient von Frankreich) anerkannt.

In Deutschland haben sich fünf (Männern vorbehaltene) Großlogen zu den Vereinigten Großlogen von Deutschland zusammengeschlossen. Sie sind von der Vereinigten Großloge von England anerkannt:

Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland Große Nationalmutterloge "Zu den drei Weltkugeln" The Grand Lodge of British Freemasons in Germany American Canadian Grand Lodge

Die einzige anerkannte weibliche Großloge ist die Frauengroßloge von Deutschland.

Durch den Großorient von Frankreich anerkannte liberale Großlogen sind: Souveräner Großorient von Deutschland

Le Droit Humain (für Männer und Frauen) Freimaurergroßloge Humanitas

Nach Österreich gelangte die Freimaurerei 1742, als in Wien die erste Loge gegründet wurde, deren Mitglied auch der römisch-deutsche Kaiser Franz I. Stephan (1708-1765) war. Dessen Frau, die Erzherzogin von Österreich Maria Theresia (1717-1780), welche die Männerbündelei gar nicht schätzte, erließ 1764 ein Verbot der Freimaurerei, obwohl ihr eigener Mann auch ein Mitglied war.

Erst nach dem Tod der Kaiserin 1780 wurde der Geheimbund wieder geduldet. Damals gehörten die gebildetsten und angesehensten Männer des Reiches dem Geheimbund an. 1785 erschien eine allgemeine Verordnung und 1796 das Edikt des Kaisers Franz II. (1768-1835) gegen geheime Gesellschaften, was das erneute Verbot der Freimaurerei bedeutete.

Trotz der Auflösung hielten die Mitglieder weiter zusammen. Zwischen 1809 und 1841 wurden im Geheimen neue Logen gegründet. Erst nach der Gründung der Ersten Österreichischen Republik entstand 1918 die Großloge von Wien.

Die einzelnen Logen sind seit 1955 in der Großloge von Österreich vereinigt. Von der Vereinigten Großloge in England anerkannt ist die Großloge von Österreich der Alten, Freien und Angenommenen Maurer, von dem Großorient von Frankreich anerkannt sind:

Großorient von Österreich Großloge Humanitas Austria Österreichischer Freimaurero den Hermetica

Die erste Loge in der Schweiz wurde von einigen Engländern 1736 in Genf gegründet. Auch in der deutschsprachigen Schweiz entstanden verschiedene Logen (z. B. 1740 in Zürich). Ab 1745 wurden Geheimgesellschaften in der Schweiz allgemein verboten, aber die freimaurerischen Tätigkeiten konnten nie ganz unterdrückt werden. In der Schweiz sind heute verschiedene Logensysteme aktiv.

Die meisten regionalen Logen - zur Zeit 80 - sind in der Großloge Alpina (gegründet 1844) zusammengeschlossen. Weitere Großlogen sind: Grand Orient des Suisse (20 Logen), Schweizer Frauenlogen (14 Logen), Gemischte Großloge der Schweiz (neun Logen). In Paris lebende Engländer gründeten um 1725 die erste Freimaurerloge in Frankreich, die ihre Konstitution von der Londoner Großloge aber erst 1732 erhielt.

In dieser Zeit, in der neue Ideen wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit entstanden, die zur Französischen Revolution und zur Gründung der Republik führten, konnte sich die Freimaurerei in Frankreich sehr schnell verbreiten.

1728 wurde der Grand Orient de France gegründet, der bis heute die einzige französische Freimaurer-Großloge ist. Sie vereint heute rund 900 Logen und repräsentiert die liberale Freimaurerei.

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