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Bio bizarr:Wo Papa die Mama ist

Seepferdchen

Seepferde sehen nicht nur seltsam aus. Sie verhalten sich auch ungewöhnlich.

(Foto: dpa)

Normalerweise sind es die Weibchen, die den Nachwuchs zur Welt bringen. Doch bei einigen Arten haben sich die Geschlechterrollen ins Gegenteil verkehrt.

Seepferdchen ( Hippocampus) sehen nicht nur bizarr aus mit ihrem Pferdekopf, der Schnauze eines Ameisenigels, ihrem spiralförmig aufgerollten Schwanz, ihren Glupschaugen und ihren Stacheln - die Fische verhalten sich auch extrem.

So treten die männlichen Tiere äußerst emanzipiert auf: Sie nehmen ihrer Angebeteten die Schwangerschaft und die anstrengende Geburt der Jungen ab! Was sind dagegen die zwei Vätermonate, die derzeit unter deutschen Männern so angesagt sind?

Die Tiere haben die Biologen lange Zeit vor ein Rätsel gestellt: Zwar produziert das Weibchen wie üblich im Tierreich die Eier, während das Männchen Sperma bereithält. Und die Balz ist sehr schön anzusehen, wenn die Tiere ihre Schwänze zum gemeinsamen Schwimmen verhaken, um Pflanzenstile rotieren oder ihre Farbe wechseln. Doch Ähnliches kennt man auch von anderen Tieren.

So richtig spannend wird es aber ab dem Geschlechtsakt. Dabei übernehmen die männlichen Tiere die Eier in ihre Bauchtasche und brüten den Nachwuchs über mehrere Wochen aus. Es folgt, je nach Seepferdchen-Art, die anstrengende Geburt von einigen wenigen bis zu mehr als 1000 Jungtieren durch den Vater.

Das ungewöhnliche Verhalten ist nicht nur ein Beispiel für die Vielfalt der Paarungssysteme im Tierreich. Es scheint darüber hinaus wichtige Regeln zu brechen, die Verhaltensbiologen beobachtet haben. So ist es bei den meisten Tieren das Weibchen, das mehr in den Nachwuchs investiert - begonnen mit dem im Vergleich zum männlichen Sperma aufwendig produzierten Ei bis zur langjährigen Betreuung der Jungen bei großen Säugetieren.

Männchen dagegen haben bei den meisten Tieren ein theoretisch schier unbegrenztes Fortpflanzungsvermögen, lediglich beschränkt durch den Zugang zu Weibchen und die Konkurrenz mit anderen Freiern. Und dies, so der Schluss, lässt sie in einen häufig aggressiven Wettkampf eintreten.

Warum also übernimmt bei den Seepferdchen der Papa die Mutterrolle und stellt damit die Verhältnisse auf den Kopf?