Schweinegrippe-Impfung "Das Virus ist unter uns"

Trotz meist milder Krankheitsverläufe und ungeklärter Impfrisiken ruft das Gesundheitsministerium zur Impfung gegen die Schweinegrippe auf. Denn die Zahl der Infektionen in Deutschland steigt.

Ungeachtet der Debatte um verschiedene Impfstoffe, milde Krankheitsverläufe und ungeklärten Impfrisiken appelliert das Bundesgesundheitsministerium an die Bürger, sich möglichst zahlreich gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen.

Der wirksamste Schutz gegen die neue Grippe sei die Impfung, sagte der Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Klaus Theo Schröder, in Berlin. Das Ministerium wünsche sich eine "hohe Impfbeteiligung" und halte diese auch für "dringend geboten". Die Impfungen sollen am kommenden Montag beginnen.

Bisher verlaufe die Grippe zum Glück mild, sagte Schröder. Es sei aber im Herbst und Winter mit einer stärkeren und intensiveren Ausbreitung zu rechnen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) gab es bislang 25.000 Schweinegrippe-Fälle in Deutschland, darunter zwei Todesfälle.

Die Ansteckungszahlen steigen laut RKI-Präsident Jörg Hacker derzeit wieder an. Hacker verwies zudem darauf, dass mehr als 90 Prozent der Menschen das Virus in Deutschland und nicht wie noch im Sommer im Ausland bekommen hätten. "Das Virus ist unter uns. Es verbreitet sich in Deutschland", sagte Hacker.

Bei Untersuchungen des Erbmaterials des Virus' seien bislang keine Mutationen gefunden worden, die zeigten, dass sich der Erreger in Richtung einer Resistenz entwickle. Entwarnung geben wollte Hacker dennoch nicht: Das seien immer nur Momentaufnahmen.

Auch die Entstehung von Mischviren könne für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden, sagte der Institutschef. Diese entwickelten sich allerdings meist nicht in Menschen, sondern in Tieren.

International stellt sich nach den Worten Hackers die Situation ähnlich dar wie in Deutschland. In vielen europäischen Ländern und in den USA gebe es eine steigende Anzahl von Schweinegrippefällen.

Nur auf der Südhalbkugel würden die Zahlen derzeit sinken. Dies erklärte Hacker damit, dass der Beginn der Schweinegrippe hier zunächst mit dem Beginn der saisonalen Influenza zusammengefallen sei. Sowohl in den USA als auch auf der Südhalbkugel gebe es eine lebhafte Nachfrage nach dem Impfstoff.

Ärger um Impfung in Berlin

Andrea Laslop sagte für die europäische Zulassungsbehörde Emea, dass die Behörde nach der Prüfung der drei verfügbaren Impfstoffe - Pandemrix, Celvapan und Focetria - zu dem Schluss gekommen sei, "dass der erwartete Nutzen einer Impfung das mögliche Risiko übersteigt".

In Berlin könnte sich derweil wegen eines Streits zwischen Ärzten und Gesundheitsbehörden die Schweinegrippe-Impfung verzögern. Die Ärzte sind einerseits unzufrieden mit dem niedrigen Honorar für die Impfung, wie die Zeitung B.Z. meldete. Nach einem Bericht der Berliner Zeitung sorgen sie sich zudem über einen Haftungsausschluss des Impfstoffherstellers bei gesundheitlichen Schäden durch das Serum.

"Die Herstellerfirma GlaxoSmithKline ist vertraglich von der Haftung für ihr Produkt freigestellt", zitiert das Blatt aus einem Bericht der Kassenärztlichen Vereinigung (KAV) Berlin. Bei etwaigen Schäden müsste also nicht die Pharmafirma, sondern der Staat oder gar der Arzt dafür aufkommen, warnt die Ärztevertretung.

Das Bundesgesundheitsministerium habe zwar erklärt, ein solcher Haftungsausschluss sei gängig. Die KAV bestreite dies aber. Nötig sei zudem eine gewissenhafte Beratung der Patienten. Denn die Impfung sei nicht so erprobt und unbedenklich wie die gebräuchlichen Standard-Impfungen, zitiert das Blatt weiter.