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Schweinegrippe:Wer hat Vorrang?

SZ: Wenn jetzt aber nur 50 statt der 160 Millionen Dosen bestellt werden, sind dann noch weitere Bestellungen möglich, falls sich der Bedarf doch als höher herausstellt?

Cichutek: Davon würde ich momentan ausgehen. So hat sich auch die Bundesgesundheitsministerin geäußert. Sie sagte, dass es genügend Impfstoff für alle geben werde, wenn er nötig sei. Aber die Details der Verträge mit den Herstellern sind natürlich den gerade laufenden Verhandlungen überlassen.

SZ: Offenbar soll sich der deutsche Impfplan an den Empfehlungen der WHO orientieren. Demnach wird zuerst das medizinische Personal geimpft. Danach bekommen chronisch Kranke und Schwangere Post von ihrer Krankenkasse, dann 15- bis 49-Jährige, Kinder, 50- bis 64-Jährige und zuletzt Rentner. Wie kommt es zu dieser Rangfolge?

Cichutek: Die am stärksten gefährdeten Gruppen sollen als erste geschützt werden. In den vergangenen Monaten hat sich gezeigt, dass die neue H1N1-Grippe bei Schwangeren und Menschen mit einer Grunderkrankung einen besonders schweren Verlauf nimmt.

SZ: Schwangere und Kinder gehören aber auch zu den besonders sensiblen Bevölkerungsgruppen, für die Medikamente nur selten zugelassen sind. Wie gehen Sie mit diesem Gefahrenpotential um?

Cichutek: Die in Deutschland verwendeten H1N1-Pandemie-Impfstoffe können an Schwangeren angewendet werden. Es handelt sich ja um Impfstoffe, die schon eine Musterzulassung haben. Jeden Winter werden sie nur leicht abgewandelt und an die saisonalen Grippe-Viren angepasst; nun geschieht das gleiche für die Viren der H1N1-2009-Pandemie. Es gibt also sehr viel Erfahrung mit diesen Impfstoffen, und es ist von einem sehr geringen Risiko auszugehen.

SZ: Und was ist mit den Alten? Sie gelten doch sonst immer als die ersten Kandidaten bei Grippe-Impfungen?

Cichutek: Auch bei älteren Menschen wurden bisher eher leichtere Verläufe beobachtet. Womöglich haben sie in ihrem Leben einen gewissen Immunschutz erworben, der einen Vorteil gegenüber dem neuen H1N1-Virus bietet.

SZ: Würden Sie sich als gesunder Mann mittleren Alters gegen H1N1 impfen lassen?

Cichutek: Wenn dieser Altersgruppe die Impfung angeboten wird, würde ich mich impfen lassen. Aber wer nicht zu den vordringlich gefährdeten Populationen gehört, hat auch eine zweite Option: Falls er grippeähnliche Symptome entwickelt, kann er immer noch zum Arzt gehen und sich dann behandeln lassen.

© SZ vom 18.07.2009/beu

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