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Schweinegrippe:Fast 1500 Fälle in Deutschland

Erstmals ist ein Säugling in Deutschland an Schweinegrippe erkrankt. Die Rückreisewelle lässt die Zahl der Infizierten rasant ansteigen. Mitschuld könnte aber auch die Umstellung des Meldesystems sein.

Das Robert Koch-Institut hat in Deutschland 1469 Fälle von Schweinegrippe registriert. Ein vergleichsweise hoher Anteil der neuen Fälle sei durch Reiserückkehrer insbesondere aus Spanien verursacht worden, berichtete das Robert-Koch-Institut (RKI).

Schweinegrippe, ddp

1469 Fälle von Schweinegrippe hat das Robert Koch-Institut in Deutschland registriert.

(Foto: Foto: ddp)

Der rasche Anstieg um 635 Fälle innerhalb weniger Tage könne aber zusätzlich an einer Umstellung des Meldesystems liegen. Das RKI nimmt nun auch Fälle ohne Labordiagnose auf, wenn die Menschen Kontakt zu Erkrankten hatten. Den Experten zufolge muss mit weiteren Fällen gerechnet werden. Bei einer größeren Verbreitung seien zudem schwere Verläufe zu erwarten. "In der Regel sind die Erkrankungen in Deutschland aber nach wie vor mild verlaufen", erklärte das Institut.

Nordrhein-Westfalen hat mit 522 Erkrankten mit Abstand die meisten der registrierten Fälle unter allen Bundesländern. In Schleswig-Holstein ist nach einem Bericht der Lübecker Nachrichten erstmals ein Säugling an Schweinegrippe erkrankt. Seit dem Wochenende liegt das inzwischen fünf Tage alte Baby aus Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) in der Uniklinik Lübeck. Eine Mitarbeiterin des Krankenhauses habe das Baby angesteckt, sagte Achim Rogge, Geschäftsführer der Oldesloer Klinik, der Zeitung.

Auch nach Angaben der Universitätsklinik Düsseldorf ist die Schweinegrippe immer häufiger ein unliebsames Urlaubsmitbringsel. Am vergangenen Wochenende habe die Uni-Klinik in 23 Tests Schweinegrippe nachgewiesen, 22 der Erkrankten seien aus dem Spanien-Urlaub gekommen.

"Sonnenbrand und Alkohol schwächen die Immunabwehr", warnten Mediziner der Klinik. Dies sei "keine neue Erkenntnis, wird aber im Zusammenhang mit den Influenza-Infektionen häufig vergessen", betonte Professor Dieter Häussinger. Auch durch enge Kontakte mit vielen Menschen im Urlaub verbreite sich das Virus derzeit deutlich schneller als zu Anfang der Ansteckungswelle.

Angesichts der rasanten Ausbreitung warnen Ärzte vor Doppelinfektionen und raten Urlaubern je nach Reiseziel zu vorsorglichen Impfungen etwa gegen Hepatitis A oder Masern. Denn eine gleichzeitige Ansteckung mit H1N1 und einer anderen Infektionskrankheit erhöht nach Angaben des Berufsverbandes Deutscher Internisten drastisch das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.

"Die meisten Menschen, die bislang an der neuen Grippe gestorben sind, waren durch Vorerkrankungen körperlich geschwächt", berichtete Thomas Löscher vom Tropeninstitut in München. In Großbritannien etwa breite sich die Schweinegrippe sehr schnell aus, zugleich gebe es im Nordwesten des Landes gehäuft Masern-Fälle. Urlauber mit diesem Reiseziel sollten daher gegen Masern geimpft werden, sofern sie nicht früher bereits daran erkrankt waren oder aber geimpft wurden.

© dpa/AP/af/mikö

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