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Schmuggel in Thailand:DNA-Tests gegen Elfenbein-Schmuggel

Elfenbein aus Afrika

Dieser Stoßzahn eines Elefanten (Archivbild) wurde in Nairobi beschlagnahmt - um Schmuggel zu verhindern, sollen nun auch DNA-Tests zum Einsatz kommen.

(Foto: dpa)
  • Um Elfenbein auf seine Herkunft zu überprüfen, nutzen die thailändischen Behörden erstmals DNA-Tests in größerem Umfang.
  • Das Wildern von Elefanten in Afrika hat stark zugenommen - mehr als 20 000 afrikanische Elefanten mussten allein 2013 ihr Leben lassen.
  • Beim Schmuggel von Elfenbein und bedrohter Arten laufen viele Fäden in Thailand zusammen.

Gewiefte Verbrecher fürchten sich nicht vor Fahndern, die ohne professionelle Spurensuche auskommen müssen. So ist es auch bei den finsteren Geschäften der Elfenbeinmafia, die das blutige Geschäft zwischen Afrika und Asien im Griff hat. Beispiel Thailand: Dass dort seit Langem afrikanisches Elfenbein auf den Markt geworfen wird, ist bekannt.

Doch den Behörden fällt es schwer, die Verbrechen auch juristisch wasserdicht zu beweisen. Wer immer dort Elfenbein verkauft oder bearbeitet, konnte sich bislang darauf hinausreden, dass es von asiatischen Arbeitselefanten stamme, die nach ihrem Tod ja ebenfalls Elfenbein abwerfen. Damit macht man sich nicht strafbar. Und der Nachschub aus illegalen afrikanischen Beständen konnte ungehindert hinzugemischt werden.

Ausweichmanöver dieser Art dürften jetzt aber schwieriger werden. Die thailändischen Behörden nutzen erstmals DNA-Tests in größerem Umfang, um Elfenbein nach seiner Herkunft zu überprüfen. Eine Testserie wurde soeben abgeschlossen. Die am Projekt beteiligte Naturschutzorganisation Traffic hat jetzt das Ergebnis veröffentlicht: Der Großteil des untersuchten Elfenbeins in Thailand kommt aus Afrika.

Ein Anfang ist gemacht

160 Schmuckstücke haben Experten im Labor der Wildschutzbehörde untersucht, zumeist stammte die Ware aus Geschäften in Bangkok. "Dass Thailand sich dazu durchgerungen hat, ist ein großer Fortschritt", sagt Chris Shepherd, Direktor von Traffic in Südostasien. "Wir hoffen, dass die Regierung so weitermacht." Wie weit die Reformen tatsächlich reichen werden und wie sie wirken, lässt sich noch nicht abschätzen. Ein Anfang ist gemacht.

Nicht nur im Elfenbeinhandel, sondern auch beim Schmuggel anderer bedrohter Arten laufen nach Erkenntnissen von Umweltschützern viele Fäden in Thailand zusammen. Deshalb ist der internationale Druck auf Bangkok stark gestiegen. Doch die Korruption machte es bislang schwer, die lukrativen Geschäfte einzudämmen.

Immerhin hat Bangkok nun ein Gesetz erlassen, das den Handel und den Besitz von Elfenbein neu regeln soll. Jeder Besitzer oder Händler muss seine Stücke demnach bis zum 21. April registrieren lassen, was nach Einschätzung von Traffic einer großen Amnestie gleichkommt. Wer den Zeitraum nutzt und sein Elfenbein ordnungsgemäß eintragen lässt, hat nichts zu befürchten. Wer allerdings danach ohne die richtigen Papiere erwischt wird, der muss sich auf ein Verfahren gefasst machen. Dann drohen drei Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe von bis zu 200 000 Dollar - sofern der Staat seine Regeln auch durchsetzt.

Illegale Geschäfte mit den weißen Zähnen laufen bestens

"In jedem Fall muss der Staat verhindern, dass mit diesen Zertifikaten später gehandelt wird, um etwa weiteren Schmuggel zu vertuschen," sagt Shepherd. Denn die illegalen Geschäfte mit den weißen Zähnen laufen bestens. Recherchen von Traffic in Thailand haben ergeben, dass sich die Zahl verarbeiteter Elfenbeinstücke im Handel zwischen Januar 2013 und Mai 2014 nahezu verdreifacht hat. Auch gibt es deutlich mehr Läden als früher, die solchen Schmuck vertreiben.

Das Wildern von Elefanten in Afrika hat stark zugenommen, und Experten betrachten diesen Trend als Reaktion auf eine steigende Nachfrage in Asien. Mehr als 20 000 afrikanische Elefanten mussten allein 2013 ihr Leben lassen. Thailand und China gelten als die größten Märkte, aber auch in Kambodscha, Laos oder Myanmar ist Elfenbein gefragt. Der wachsende Wohlstand nährt auch die Lust auf Luxus. Manche möchten sich absetzen von der großen Masse, und Schmuck aus Elfenbein ist immer noch nicht geächtet. Ganz im Gegenteil: Er gilt als exklusiv.

© SZ vom 24.02.2015/fie
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